Ausgabe 
15.8.1886
 
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stand mit jeder der drei in einem freundlichen Verhältniß.

Er war schon am nächsten Tage nach Ornshagen geholt worden und seitdem wieder und wieder, und jedesmal begrüßten ihn Anne⸗ liesens ängstliche und traurige Augen, wie den Helfer und Retter. Er hatte überhaupt bald die Gunst der Damen gewonnen und Frau von Hartwitz gefiel sein frisches, gerades Wesen, und sie sah es gern, wenn er sich von ihrer kriegerischen Stimmung nicht imponiren ließ, sondern ihr regelmäßig mit gleichen Waffen entgegentrat; Martina scherzte mit ihm und lachte über seinen trocknen Humor, während Anneliese in ihm den Erhalter ihres Kindes sah, dem sie eine unbegrenzte Dankbarkeit zollte. Dazu kam nun noch, daß auch Willy eine zärtliche Zuneigung zu demOnkel Hans gefaßt hatte, unter welchem Namen sich Weber gleich Anfangs bei ihm eingeführt hatte, weil, wie er erklärte, der Doktor allemal eine gefürchtete Persönlichkeit bei Kindern sei, während die Anordnungen irgend eines beliebigen Onkels sie sich gern und willig gefallen lassen. Er hatte dem Knaben dann hier und da ein kleines Spiel zeug, einen Ball, eine Frucht oder dergleichen mitgebracht, so daß dieser ihm bald freudig entgegenlachte. Als er dann das Bett und schließlich auch das Krankenzimmer verlassen durfte, lief er ihm jedesmal bis zur Thür entgegen, und wenn Weber ihn dann hoch in die Luft hob oder ihn auf seinen Knieen tanzen ließ, dann jubelte er lustig, wie man es von dem stillen, blassen Kinde bisher nie gehört hatte. So war Weber in kurzer Zeit beinahe Etwas wie Hausfreund in Ornshagen geworden, Jeder dort sah ihn gern kommen, bewillkommnete ihn herzlich und er blieb immer viel länger dort, als es seine ärztliche Pflicht erforderte.

Heddenheim hatte mehrere Wochen vergehen lassen, ohne seinen Besuch zu wiederholen. Zwar hörte er noch den freundlichen Klang von Martina's: Auf Wiedersehen! doch erinnerte er sich ebenso genau, daß Frau von Hartwitz ihn nicht zu einem wiederholten Besuch aufgefordert hatte. Die geschäftliche Angelegenheit war unter ihnen geordnet und er war es gewohnt, daß man überall seinen Besuch als eine Ehre betrachtete und ihm überall mit ausgesuchtester Höflichkeit begegnete. So blieb er fern, was aber nicht hinderte, daß ihm Webers häufige Besuche dort eine Regung verursachten, der er selbst keinen Namen zu geben wußte war es Neid, war es Aerger oder was sonst.

Du scheinst in Ornshagen Hahn im Korbe zu sein, sagte er mit leisem Spott.

Weber fuhr sich durch den rothen Haarbüschel über der Stirn. Du vergißt, mein Sohn, daß ich dort Arzt bin und als solcher gewisse Vorrechte und Konfidenzen genieße.

Einer schönen jungen Dame gegenüber keine üble Stellung.

Du sprichst von Fräulein Martina? Hm, sie hat Etwas von dem Funkeln einer Rakete. Die Augen von Frau Auneliese hast Du Dir wohl nicht angesehen? Nun, sie sind wie ein un⸗ ergründlicher See, und den kleinen, traurigen Mund lächeln zu sehen, übt auch einen seltsamen Zauber aus.

Da bewacht ja Frau von Hartwitz merkwürdige Schätze, einen wahren Nibelungenhort, scherzte Heddenheim, doch kam es nicht sehr lustig über seine Lippen.

Kein sehr schmeichelhafter Vergleich, meinte Weber,da man Frau von Hartwitz dann als Drache betrachten müßte, was sie nicht verdient; sie ist originell, und man muß bei ihr auf ein derbes Wort, eine drastische Bemerkung stets gefaßt sein, aber sie ist eine vortreffliche Frau, mit der man sich überdies sehr gut unterhält.

Wahrhaftig, Du wirst enthusiastisch, lachte Heddenheim,huͤte Dich, daß die drei Damen, denen Du gelegentlich allen Dreien die Kur zu machen scheinst, nicht eifersüchtig auf einander werden.

Narrenspossen!

Einige Tage später war es, als Weber in Heddenheims elegantem Speisezimmer diesem am wohlbesetzten Tische gegenüber saß. Das lunch war nach englischer Sitte von Herrn Gustav Heddenheims Zeiten her beibehalten worden, und Weber war dazu ein häufiger und stets gern gesehener Gast. Er hatte mit bestem Appetit ein Beefsteak verspeist und schlürfte eben behaglich seinen Wein.

Ein ausgezeichneter Tropfen, sagte er, das Glas hochhebend, so daß die Sonne sich darin spiegelte,Dein Weinkeller ist famos. Uebrigens steht ihm der von Frau von Hartwitz ebenbürtig zur

Seite, ihr Bordeaux ist nicht minder vortrefflich als ihr Rheinwein, und Fräulein Martina spricht über die verschiedenen Sorten wie ein Kenner.

Eine eigenthümliche Eigenschaft für eine junge Dame, meinte Heddenheim, während er sein Glas leerte.

Apropos, sagte Weber, sich bequem an den hohen, geschnitzten Eichenstuhl zurücklehnend.Fräulein Martina erkundigte sich neulich, weshalb Du nicht nach Ornshagen hinauskämst, und als ich einige nichtssagende Redensarten darauf erwiderte, meinte sie lachend, sie habe erwartet, daß mindestens ihr vortrefflicher Mokka Dich locken werde.

Heddenheim stand auf und wählte lange unter seinen Cigarren, die auf einem Tischchen in der Ecke standen, entzündete dann ein Licht und kehrte mit diesem und dem Cigarrenteller zu seinem Freunde zurück. Dann erst entgegnete er:Frau von Hartwitz hat mich nicht zum Wiederkommen eingeladen.

Ich glaube, daß sie sich mit dergleichen Förmlichkeiten über⸗ haupt nicht abgiebt, versicherte Weber,und Fräulein Martina's Wort scheint mir innerhalb der Orushagener Grenzen ebenso ge wichtig, wie das von Frau von Hartwitz. Wenn Du also Lust hast 3

Du meinst?

Sicher.

Noch eine Zeit lang kämpfte in Heddenheim sein Stolz mit seinem Wunsch, dann siegte der letztere und er fuhr nach Ornshagen hinaus. Martina empfing ihn, wie einen guten Bekannten, mit einem herzlichen Händedruck und halb scherzhaften, halb ernsthaften Vorwürfen über sein langes Ausbleiben. Er erwiderte Einiges von Ungewißheit, ob er kommen dürfte, von Zögern und Zweifeln. Darauf lachte Martina hell auf und meinte, für so schwerfällig habe sie ihn nicht gehalten.

In dem Augenblick trat Frau von Hartwitz ein und nun rief sie ihr entgegen:Tante, denke nur, Herr Heddenheim hat auf eine Einladung oder etwas Dergleichen gewartet, er hat gezweifelt, ob er kommen dürfe, ich glaube fast, er hat gemeint, weil er uns einen Freund geschickt, brauche er selbst nicht mehr zu kommen.

Gnädiges Fräulein, ich habe diesen Freund beneidet, vielleicht genügt Ihnen diese Versicherung.

Wer Ihnen das glauben möchte, scherzte sie; aber trotz des neckischen Tones stieg eine helle Blutwelle in ihre Wangen.

Laß es genug sein, fiel Frau von Hartwitz ein.Sie werden wahrscheinlich wenig Geschmack an unserm einsamen Leben hier in Ornshagen finden, wandte sie sich an Heddenheim,doch, wenn Sie einmal hier und da zusehen wollen, wie es Ihnen behagt, so steht Ihnen mein Haus offen.

Es war eine Einladung in knappster Form; immerhin aber nahm sie Heddenheim für eine solche und sagte:Ich danke Ihnen für das gütige Wort, gnädige Frau, und will es nicht vergessen.

Sie saßen wieder vor dem Epheugitter und wieder spielten die

Sonnenstrahlen auf Martina's Haar, während sie heiter plauderte.

Sie hatte die Arme auf die Lehnen ihres Wiegestuhles gelegt und schaukelte sich leicht hin und her, während Frau von Hartwitz, in strammer Haltung auf dem Sopha sitzend, an einem großen Strick strumpf arbeitete und nur hier und da eines ihrer kurzen, treffen den Worte in das Gespräch hineinwarf.

Auch Frau Anneliese saß still, das bleiche Gesicht über eine Näharbeit gebeugt, nur als das Gespräch auf Weber kam, rötheten sich ihre Wangen leicht, und sie versicherte mit ihrer sanften Stimme: Ein Mann wie er, werde sicher bald eine große Praxis haben, und sie wolle ihm niemals vergessen, was er ihr gethan habe.

Ja, ja, dieser Weber steht bei uns sehr in Gunst, erklärte Martina,und er verdient das auch, nicht wahr, Willy? schäkerte sie mit dem Knaben, der eben bemüht war, seinen großen Ball unter dem Tisch hervorzuholen.Onkel Hans haben wir sehr gern, er ist der beste aller denkbaren Onkel?

Onkel Hans, wiederholte das Kind und kletterte, als Martina ihm um beide Hände bat, auf ihren Schooß. Sie tollte und scherzte mit ihm und ließ sich willig von ihm in das Haar zausen und so geschah es, daß er endlich auch die Nadeln aus ihrer Flechte gezogen hatte und diese voll und schwer über ihre Schulter fiel. Ohne jede Verlegenheit lachte sie nur und setzte den Knaben auf die Erde.

Geh, Du kleiner Uebelthäter, schalt sie,nun kann ich Dich nicht brauchen.

Das kommt davon; Sie verwöhnen Willy, sagte Frau Berting.

Das thut ja nichts, versicherte Martina,Herr Heddenheim

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