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versichern, daß er vortrefflich sei.

sie immer die Bilder niederländischer Meister und als Heddenheim darüber seine Verwunderung äußerte, meinte sie achselzuckend:

„Vielleicht würde mir das Verständniß für die großen Italiener aufgehen, wenn ich nach Florenz und Rom käme— vielleicht; was ich bisher von ihnen gesehen, erscheint mir meistens so weich und sentimental, etwas von Unnatur darin, lauter Heilige mit süßen und— langweiligen Gesichtern. Die Rembrandt's, Rubens, Van Dyck' athmen Leben, Kraft, Gesundheit, da ist nichts Schwäch⸗ liches und Weichliches, sondern wundervolle Natur, die Auge und Herz erquickt, das verstehe ich— die Italiener vorläufig noch nicht. Ich zeige Ihnen nachher noch meine Mappen, ich habe mir viele und schöne Photographien aus München und Dresden mitgebracht.“

„Sie malen felbst, gnädiges Fräulein?“ fragte Heddenheim.

„Um Gotteswillen nein,“ lachte sie,„ich glaube es würde mir den Genuß an dem Großen und Schönen der Meister trüben, wenn ich meine kleine Stümperei treiben wollte und doch jeden Augen⸗ blick fühlen müßte, daß ich nichts, garnichts leiste.“

„Der Dilettantismus ist eine Krankheit, vor der ich Martina zum Glück bewahrt habe,“ fiel Frau von Hartwitz ein,„mir graut vor alle diesem, ein wenig malen, ein wenig musiziren, das heute an der Tagesordnung ist, Keinem zur Freude und Vielen zur Qual.“

Martina reichte Heddenheim ihr Glas.„Füllen Sie es mir noch einmal,“ sagte sie,„es soll der dankbaren Erinnerung an unsern ersten Meister gelten.“ Sie leerte es dann mit einem Zuge. „Sie wundern sich wohl, daß ich so tapfer Wein trinke,“ fügte sie hinzu,„aber er schmeckt mir gut und ich finde es so komisch, wenn Damen an den Gläsern nur nippen, wie ich es so oft an der table d'hôte gesehen.“

„Sie würden auch nicht so bleich aussehen, wenn Sie ordent⸗ lich Wein trinken wollten, Sie haben Ihr Glas wieder kaum be⸗ rührt, das ist auch eine Ihrer schlechten Gewohnheiten, die Sie bei mir noch ablegen müssen,“ wandte sich Frau von Hartwitz an Anneliese.

„Ich kann nicht,“ antwortete diese leise.

„Ach was, mit gutem Willen kann man Alles,“ erklärte Frau von Hartwitz.

„Trinken Sie, trinken Sie, Anneliese, auf Willy's Wohl,“ redete Martina zu und klang mit ihrem Glase an das ihrer Nachbarin.

„Wie geht es denn, Willy?“ fragte Frau von Hartwitz.

„Nicht gut, er ist sehr unruhig, hat viel geweint, und ich glaube, er fiebert noch,“ lautete die Antwort. N

Heddenheim bemerkte, daß Frau Berting eine weiche angenehme Stimme hatte, die aber jetzt bedenklich zitterte, auch die Augen be— gannen sich mit Thränen zu füllen.

„Wir werden das Kind schon gesund futtern, machen Sie sich nicht unnöthige Sorgen,“ meinte Frau von Hartwitz,„ihm fehlt nichts als kräftige Nahrung.“

Sie hob die Tafel auf und man begab sich wieder in das andere Zimmer, wo der Diener bereits das Kaffeegeräth vor dem Sopha an der Epheuwand geordnet hatte. Martina hatte Anneliese umfaßt und ihr noch einige liebevolle tröstende Worte zugeflüstert, dann verschwand diese. Die beiden Damen und Heddenheim nahmen Platz, Martina bereitete den Kaffee und Heddenheim konnte auf ihre Frage Am liebsten hätte er hinzugefügt, daß, genußreicher als der duftende Trank, es ihm sei, die lazerten— hafte Anmuth ihrer Bewegungen, und das Spiel der, durch die Epheuwand gebrochenen Sonnenstrahlen auf ihrem glänzend schwarzen Haar, zu beobachten.

Dann holte sie, während er und Frau von Hartwitz nun endlich die Geldangelegenheit abmachten, die versprochenen Mappen und unter dem Durchsehen derselben war wohl wieder eine Stunde ver— gangen, als Anneliese in's Zimmer kam und mit sichtlicher Angst Frau von Hartwitz bat, zu Willy zu kommen, das Kind scheine immer kränker zu werden.

„Unsinn, kleine Frau, es ist ja nichts,“ behauptete diese, ging aber doch mit ihr.

„Das Kind ist so schwach und elend,“ sagte Martina,„wenn Anneliese den Knaben verlieren sollte, ich glaube, sie überlebte es nicht. Die Tante hält ihn nicht für krank und meint mit guter Nahrung sei Alles gethan; ich fürchte aber doch, sie irrt sich. Da— bei hat sie ein Vorurtheil gegen alle Aerzte.“

In diesem Augenblick kam Frau von Hartwitz zurück. fragte Martina.

„Nun?“

„Es ist nichts,“ beharrte sie,„ein solcher Milchbart, wie dieses Kind, kann ja nichts vertragen, sieht bei einem bischen Schnupfen zum Sterben aus. Der reine Wechselbalg! Es muß aufgefüttert werden, weiter nichts! Mag heute wohl ein wenig fiebern,'s ist aber kein Unglück, nur daß die kleine Frau vor Angst zittert. Ich möchte ihr schon den Gefallen thun, einen von den Schwarzkünstlern kommen zu lassen, wüßte ich nur, welcher von ihnen noch der ver⸗ nünftigste ist!“

„Haben Sie keinen Hausarzt?“ fragte Heddenheim.

„Gott soll mich bewahren!“ rief Frau von Hartwitz,„an mich ist noch Keiner von den Giftmischern gekommen und an Martina Gottlob auch nicht. Wir leben gesund und sind demzufolge auch gesund und ficht uns einmal Etwas an, so helfen meine Hausmittel, mit denen ich auch meine Leute kurire.

Heddenheim hatte rasch überlegt und sagte nun:„Wollen Sie mir einen Vorschlag erlauben, gnädige Frau? Da Sie keinen Arzt kennen und keinem vertrauen, gestatten Sie mir, Ihnen meinen Freund zu schicken, Doktor Weber, der erst seit einigen Tagen in D. ist, nachdem er von einer zweijährigen Seereise zurückgekehrt. Ich hoffe, seine frische, gesunde Natur soll Ihnen zusagen und für seine Treue und Umsicht verbürge ich mich.“ ̃

„Hm, da wird er wohl besser Matrosen zu kuriren verstehen, als solch einen Strohhalm von Kind,“ warf Frau von Hartwitz ein.

Heddenheim zuckte lächelnd die Achseln.

„Lasse Doktor Weber kommen, Tante,“ redete Martina zu,„ich gebe etwas auf Fügungen des Zufalls, daß Herr Heddenheim eben hier sei und seinen Freund empfehlen muß, er wird Willy helfen.“

„Unsinn,“ murmelte Frau von Hartwitz, setzte dann aber laut hinzu:„Meinetwegen, Doktor Weber mag dann kommen.“

„Ich fahre sogleich zur Stadt zurück,“ sagte Heddenheim,„suche Weber auf, der jedenfalls zur Stelle ist und schicke ihn sofort heraus, meine Pferde können sehr gut noch einmal den Weg machen—“

„Das ist unnütz, Sie fahren mit meinem Wagen,“ fiel Frau von Hartwitz ihm in die Rede,„der Ihre bleibt hier und Doktor Weber benutzt ihn zur Rückfahrt.“

Heddenheim wollte eine Einwendung machen, dech sie erklärte: „Unter allen Umständen.“

„Nun denn, wie Sie befehlen, gnädige Frau,“ fügte er sich, „ich hoffe in zwei Stunden ist mein Freund hier.“

Zehn Minuten später verabschiedete er sich von den Damen. Frau von Hartwitz dankte ihm mit einem kräftigen Händedruck und Martina sagte mit einem freundlichen Aufblick der schönen Augen: „Auf Wiedersehen.“

IX.

Doktor Weber hatte die Behandlung des kleinen Willy Berting übernommen; er meinte, es sei eine gute Vorbedeutung, daß ihm Heddenheim den ersten Patienten gebracht habe; schon nach zwei Tagen hatte er eine passende Wohnung gemiethet und ein Porzellan⸗ schild an der Thür verkündete den Bewohnern D. s, wann Doktor H. Weber seine Sprechstunde habe. Er hatte den Knaben in Orns⸗ hagen kränker gefunden, als Frau von Hartwitz es gelten lassen wollte; er fieberte stark, und vorläufig mußte die von ihr angeordnete Pflege eingestellt werden.

„Zuerst wollen wir das Fieber beseitigen, gnädige Frau,“ sagte Weber ihr,„dann wird die kräftige Nahrung ihn hoffentlich zu einem gesunden Manne machen, der Krankheit ebenso wenig kennt, als Sie und ich.“

Frau von Hartwitz hatte Etwas vor sich hin gebrummt, aber die Anerkennung ihrer gesunden Natur hatte ihr doch geschmeichelt. Der Mann mußte wenigstens einen richtigen Blick haben.

„Meine Verordnungen reichen bis übermorgen,“ hatte er beim

Abschiede gesagt,„der Zustand des Kindes läßt auch nicht auf eine

schnelle Veränderung schließen; sollte die Mutter, die sehr besorgt zu sein scheint, indeß mein Kommen schon morgen wünschen, so bitte ich, mich holen zu lassen— vorläufig habe ich noch zu jeder Stunde Zeit.“

Dabei hatte er sich schmunzelnd seinen rothen Bart gestrichen und Frau von Hartwitz hatte zustimmend genickt.

„Er ist ein vernünftiger Mensch, macht keine Flausen, thut

nicht, als ob er alle Weisheit gefunden hätte,“ sagte sie, als er in

Heddenheims Equipage zum Hofe hinausfuhr.

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