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wenn auch niemals besonders unfreundlich.
die männlich schöne Erscheinung des Tannhäuser auf der Leinwand, mit rückwärts gewandtem Kopf, aber der Fleck, auf den er sah, war und blieb leer.
Mißmuthig warf Hartenstein Pinsel und Palette zur Seite, als ihn ein Klopfen an der Atelierthür erstaunt aufhorchen lleß und dies Erstaunen wurde noch vergrößert, als auf seinen Ruf Gottliebe auf der Schwelle erschien. Seit jenem ersten Abend, wo sich zuerst ihre Blicke in diesem Raum getroffen, hatte sie ihn mit keinem Fuß mehr betreten, ihr graute vor den stillen Zeugen jener entsetzlichen Minuten; daß sie es heut unaufgefordert that, mußte also besondere Gründe haben.
„Was willst Du?“ fragte Roland Hartenstein nicht gerade liebenswürdig. Er war überhaupt niemals liebenswürdig gegen sie, Aber ihr Erscheinen hier wunderte ihn, es schien ihm ein Ueberschreiten der Grenze, die er für geboten zwischen ihnen erachtete.
„Du kommst so selten zu mir, Roland, daß ich Dich schon hier aufsuchen muß, ich habe eine Bitte an Dich, die sich nicht länger aufschieben läßt.“
Er warf sich auf den Divan und zog nachlässig einen Stuhl für sie herbei, aber Gottliebe setzte sich nicht. Es war ihr, als beklemme hier jeder Athemzug ihre Brust.
„Die Eltern haben an mich geschrieben und angefragt, ob in unserm Haus nicht ein Plätzchen für Marion wäre, sie soll sich zur Klavierlehrerin ausbilden. In unsrer kleinen Heimathsstadt ist das unmöglich, aber hier in der Residenz sind doch die besten Kräfte.“
„Wer ist Marion?“ unterbrach er sie gähnend.
„Meine Stiefschwester; ich sprach ja manchmal schon von ihr.“
„Möglich! Ich habe eben ein schwaches Gedächtniß. Und die will Klavierlehrerin werden? Ich soll den ganzen Tag Fingerübungen und Tonleitern mit anhören? Gräßlicher Gedanke! Ich will Dir etwas sagen, Gottliebe, miethe sie irgendwo ein, das Geld will ich gern geben.“
Seine Frau wand den Brief, den sie in den Händen hielt, spielend um die Finger.
„Das geht nicht gut an, Roland, unser Haus ist so groß, wenn Marion im letzten Zimmer übt, hörst Du keinen Ton. Die Eltern würden es mir als Lieblosigkeit auslegen. Und Marion ist so jung, kaum achtzehn Jahr, es wurde mich beunruhigen, sie unter fremden Leuten zu wissen.“
„Wirklich noch so jung?“ fragte er, zerstreut auf den Tannhäuser blickend,„das ist allerdings etwas Anderes. Aber wie kommt sie auf die verrückte Idee, Klavierlehrerin zu werden?“
„Wir sind arm,“ erwiderte sie einfach,„darauf angewiesen, unser Brod zu verdienen. Wurde ich doch deshalb Diakonissin.“
„Du hast dabei freilich ein seltnes Glück gemacht,“ versuchte er zu scherzen, aber seine Worte riefen nur ein bittres Zucken um Gottliebes Mundwinkel hervor. Ach! das seltene Glück, das sie sich einst erträumt, hatte andere Züge getragen und war ihr versagt geblieben.„Meinetwegen, laß Deine Schwester herkommen, nur stören darf mich der neue Zuwachs nicht.“
„Das soll nie geschehen, Roland. Marion würde also über— morgen hier eintreffen, Papa schreibt, daß sich da gerade eine gute Reisegelegenheit bietet, deshalb konnte ich auch meine Bitte nicht länger aufschieben. Verzeih die Störung.“
Er nickte und fragte dann nur noch, um etwas zu sagen:
„Wie lange hast Du Deine Schwester nicht gesehen?“
„Ueber zehn Jahre. Sie war noch ein kleines Ding, als ich das Elternhaus verließ, und versprach hübsch zu werden.“
„Bah, wenn ein Weib irgend einen Beruf ergreifen will, haben die Grazien meist nicht an ihrer Wiege gestanden,“ äußerte er leicht hin, und damit war das Gespräch beendet. Gottliebe ging zurück in ihre Räume, aber langsam und nachdenklich. Sie versuchte ver— gebens, sich die Erinnerung an ihre junge Schwester zurückzurufen, das Gedächtniß ließ sie im Stich. Damals war Marion der Ab⸗ gott ihrer Mutter gewesen und hatte für eine kleine Schönheit ge⸗ golten, aber was aus ihr geworden, wußte sie nicht. Vielleicht, daß die Mutterliebe nur solchen Kultus mit dem kleinen Geschöpf getrieben; vielleicht aber auch, daß sie gehalten, was sie versprochen, dann würde Gottliebe durch die Nähe dieser ungekannten, ungeliebten Schwester noch mehr in den Hintergrund gedrängt werden, selbst die schwachen Fäden zerrissen sehen, die sie noch mit ihrem Gatten ver⸗ banden. Es gab ja genug andere Frauen, die ihm mehr waren
wie sie, Illusionen gab es für sie in diesem Punkt keine, aber wenigstens war sie nicht Zeuge davon, während sie hier gleichsam die Folie für die schönere jüngere Schwester abgeben mußte.
Gottliebe seufzte tief auf. Sie hatte mit offnen Augen den Märtyrerweg gewählt, den sie ging und kein Recht deshalb sich zu beklagen, aber war sie verpflichtet, ihn sich noch schwerer zu machen, als er ohnehin schon war?
Sie trat an's Fenster und sah auf die Straße, in der Schnee und Regen einen wilden Tanz aufführten, den Brief noch immer unbeantwortet in der Hand. Einen schweren Kampf focht sie mit sich selber aus. Ihr gutes Herz siegte, es war ihr, als höre sie die Stimme ihrer Schwester fern, ganz fern, hilflos klagend, daß Niemand ihr die Hand reichen wollte, um einen selbständigen Lebensweg für sich zu schaffen, obgleich der Moment eintreten mußte, da die Noth an ihre Thüre klopfte.
„Pfui, wie selbstsüchtig ich bin,“ sagte Gottliebe entschlossen, strich mit der Hand über die Stirn und setzte sich hin, den Brief zu beantworten. Sie schrieb hastig und ohne aufzuhören. Worte der Liebe waren es, der Zärtlichkeit und Sehnsucht nach einem andern Herzen, das sie verstand, und mitten im Schreiben flog ein Lächeln über ihr Gesicht, und sie flüsterte:
„Wir werden glücklich miteinander sein.“
In den Regen hinaus, der während einiger Tage schon das Ausgehn unerfreulich genug machte, trat Roland Hartenstein. Ein Modell zu finden, wie er es wünschte, hatte er aufgegeben, es trieb ihn nur die Unruhe hinaus, die ihn oft befiel und zwang, in körper⸗ licher Ermüdung ein Präservativ dagegen zu suchen. Mit großen Schritten lief er vorwärts und merkte endlich, daß er sich im fashionablesten Viertel der Residenz befand, ohne es beabsichtigt zu haben. Eines der großen palastähnlichen Häuser war ihm wohl⸗ bekannt, und als er auf die hellbeschienene Nummer sah, fiel ihm abermals ein, woran er in letzter Zeit schon häufiger gedacht hatte, daß nämlich Gräfin Olivia die einzigste sei, die sich zu seinem Venusbilde eignen würde. Sie hatte, ohne schön zu sein, ein pikantes Köpfchen mit wechselndem Ausdruck, und eben erinnerte sich der Professor, sie neulich in einer Stellung und Beleuchtung sitzen ge— sehen zu haben, die sie reizend kleidete und sich vielleicht verwenden ließ. Er hatte zuerst etwas Anderes gewollt, als gerade Gräfin Olivia, aber immerhin:„Wer das Beste nicht finden kann, muß es mit dem Guten versuchen,“ sagte er sich mit einem Anflug von bittrem Humor, und ohne lange zu überlegen, stieg er die teppich— belegten Stufen zu ihrer Wohnung empor.
„Frau Gräfin sind nicht zu Hause,“ antwortete ihm die öffnende Zofe und warf einen prüfenden Blick auf seinen nachlässigen Anzug und feuchten Hut.
Roland Hartenstein bemerkte den Blick, aber durchaus im Klaren über das, was er sich herausnehmen durfte, hielt er es nicht der Mühe werth, etwas darüber zu sagen. Er wußte, die Damen der ganzen Aristokratie hätten ihm viel mehr Formlosigkeit nachgesehen, sobald er den Wunsch geäußert haben würde, sie zu malen. Eine Jede hätte es als eine besondere Ehre für sich betrachtet und war des Neides ihrer Freundinnen sicher.
„So melden Sie mich zu morgen Vormittag,“ sagte er kurz und wandte sich zum Gehen. Der Entschluß, die Gräfin zu malen, be— festigte sich bei längerem Nachdenken in ihm, und ruhiger wie seit langer Zeit suchte er die lustige Gesellschaft seiner Freunde auf.
Am Morgen erwachte er zwar mit wüstem Kopf, aber seine unzerstörbare Schönheit hatte nicht im Geringsten gelitten; dreist durfte er sich den Sonnenstrahlen aussetzen, die hell auf die winter⸗ liche Erde herabfielen, und nachdem er diesmal sehr sorgfältig Toilette gemacht, um die Gräfin aufzusuchen, fiel ihm ein, daß er im Atelier zwei prächtige Theerosen stehen hatte, die er als Morgengruß mit— nehmen konnte.
„Ihren Ursprung werden sie ja nicht verrathen,“ dachte er mit cynischem Lächeln, öffnete die Thüre und— blieb regungslos stehen.
Vor seinem Tannhäuserbilde, so, daß sie ihm ihr Halbprofil zuwandte, sah er ein junges Mädchen. Auf einer Figur, wie sie Phidias zu meißeln verstanden, ein eigenthümlicher Kopf, eigen⸗ thümlich durch seine Gegensätze. Blondes Haar, in der Farbe der reifen Aehren, hing aufgelöst über den Nacken, in dem kurzen vollen


