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Uebermuth einen Regen von duftendem Blüthengold auf den Schwärmer herniederstreute, da er aufsprang und, von ihrer Kinderschönheit be— troffen, sein Knie wie vor einer Königin vor ihr neigte?
Und dann! Gedachte sie der vielen guten Stunden, da sie Hand in Hand mit dem treuherzigen Kameraden im Lindenschatten auf dem bröckelnden Mauersitz verbrachte, in denen sie den Kelch ihrer jungen Seele sich entfalten fühlte, in denen sie ihm von ihrer einsamen Kindheit erzählte, von ihrem Vater, dem alten, gelähmten Mann mit dem stolzen, verbitterten Herzen, der in ärmlicher Zurück— gezogenheit mit ihr lebte, weil er Alles dahingegeben hatte, um die Ehre seines Namens zu retten, die sein Sohn durch leichtsinnige Schulden aufs Spiel gesetzt hatte?
Gedachte sie an Gerhards milde Trostesworte? Spürte sie einen Hauch seines ersten glühenden Liebeskusses? Hörte sie den Jubel, mit dem er ihre Treuschwüre lohnte, als sie vor dem Abschied aus dem Vaterhaus, vor dem ersten Flug in die Welt, an seinem Halse e e
Mit einem melodischen:»Vou do'nt eat, Sir; sind Sie nicht well!« rief mich meine liebenswürdige Nachbarin aus meinen Träumen in die wache Wirklichkeit zurück.— Um die Vorzüglich— keit meines Befindens zu bekunden, mußte ich wohl oder übel an einer höchst lebhaften Erörterung der Frage:„Ob die Alten ihre Statuen bemalten?“ theilnehmen, während ich doch viel tausend mal lieber aus den Zügen der Gräfin Kornelie von Fersen die Lösung des mir jetzt viel näher liegenden Räthsels gelesen hätte: ob ein Weib die Liebe eines so reichen Herzens, wie das Gerhard's, jemals vergessen könne!
Nach aufgehobener Tafel benutzte ich die erste schickliche Gelegen— heit, um mich der jungen Frau zu nähern.
Sie erschien mir nicht viel weniger befangen zu sein, als ich selbst; vergebens suchten wir beide unsere Erregung unter alltäg— lichen Redensarten zu verbergen.
„Ich erkannte Sie gleich“, sagte sie zu mir im Laufe des Gespräch's, „obgleich ich Sie nur einmal und auch dies eine Mal in halber Dämmerung gesehen habe.“
„Es giebt Begegnungen, deren kleinster Umstand uns im Ge— dächtniß haften bleibt. Auch ich erinnere mich unseres Zusammen— treffens auf's Genaueste. Ich hatte einen Tag mit meinem Freunde in seinem„Sommerschloß“ verbracht und schlenderte nun mit ihm nach der Stadt in unser Zunftlokal. Am Mauerpförtchen trafen wir Sie, gnädige Frau, die Sie eben mit der Notenmappe aus des alten Kantors Gesangstunde kamen.“—
Träumerisch senkte sie die dichten, langen Wimpern.
„Mir kamen Sie Beide damals als Retter in der Noth,“ sagte sie mit leisem Lächeln.„Ich hatte so entsetzliche Angst vor dem braunen Zigeunerburschen, der bettelnd hinter mir drein kam.“
„Deshalb gewährten Sie meinem Freund auch so gütig den Lohn, den er für unseren kleinen Ritterdienst erbat. Nur eine Blüthe oder ein Blatt vom Wege! Sie bückten sich und pflückten das erste beste Blatt am Mauerrand. Als Sie es ihm reichten, sahen Sie, daß es ein Vierklee war. Mir schienen Sie damals so recht ein Liebling des Glückes?“
„Das ist vorbei,“ sagte sie schmerzlich,„jetzt gehöre ich schon längst nicht mehr zu den Menschen, die Glücksblätter im Dunkeln finden.“— N
Inzwischen riefen die Stimmen meiner englischen Gastfreunde mir die Pflichten der Schicklichkeit ins Gedächtniß zurück. Ich fragte die Gräfin, ob ich sie mit den Damen bekannt machen dürfe.
„Ein andermal,“ entgegnete sie.„Ich fühle mich heute nicht wohl. Haben Sie während Ihres Aufenthalts jedoch ein paar Stunden übrig, so erinnern Sie sich, daß ich mich freuen würde, Sie wiederzusehen.“
Traulich reichte sie mir die Hand, die ich mit wahrer Inbrunst küßte, trotz der vorwurfsvollen Bitterkeit, die ich bis zur Stunde gegen das liebliche Geschöpf gehegt hatte.
Ihr Bild verfolgte mich den ganzen Tag. Ihre blassen, trau— rigen Züge wollten mir nicht aus dem Sinn. Sehnsüchtig sah ich dem Abend entgegen, an dem ich Gerhard zu treffen versprochen hatte.
Ich nahm mir vor, meine ganze Ueberredungskunst aufzubieten, um ihn zu bewegen, die Gräfin wiederzusehen. Warum sollte ein verlorenes Glück nicht auf's Neue zu gewinnen sein? Sprach doch Corneliens Antlitz tausendmal mehr von Entsagung und Schmerz, als von Leichtsinn und Schuld!
Froh athmete ich auf, da sich mir in einem Migräneanfall der
freundlichen Engländerin eine Gelegenheit bot, mich bald von den
neuen Freunden zu verabschieden. Mein bewegtes Herz ließ mich das kindliche Geplauder der jungen Mädchen, ihre Vergißmeinnicht⸗ augen und ihre zarten Gesichter heute nicht nach Gebühr würdigen.
Mit einem Heldenmuthe, den Ihr anerkennen werdet, brach ich mir, obgleich die Sonne noch hoch am Himmel stand, an Xaver vorbei, bis in Gerhard's Arbeitszimmer Bahn.
„Verzeih mir,“ rief ich ihm zu,„Du weißt, Rücksichtslosigkeit ist sonst nicht mein Fehler. Heute aber drängte mich's zu heiß, Dich zu sehen und zu sprechen.— Sei gütig, Bester, und schenke mir eine Stunde, ich finde nicht eher Ruhe, bis ich mein Herz er— leichtert habe.“ 8
„So sprich!“ sagte er freundlich, legte den Pinsel zur Seite, faßte meine Hand und sah mir mit seinen treuen, jetzt von ange⸗ strengter Arbeit warm glänzenden Augen herzlich in's Gesicht.
Ich sagte ihm alles,— alles, was ich heut erlebt hatte, alles, was ich empfand. Als ich Corneliens Namen nannte, erblaßte er. Doch da mich seine Abwehr nicht zum Schweigen brachte, ergab er sich scheinbar und ließ mich ruhig zu Ende reden.
„Sei barmherzig, Gerhard,“ sagte ich,„barmherzig gegen Dich und sie. Ihr leidet Beide und verdient doch Beide, glücklich zu sein. Bezwinge Deinen Starrsinn, gehe zu ihr, schaue ihr einmal
in die Augen und urtheile dann selbst, ob nicht alles noch gut
werden kann, was Jugend, Thorheit, Zufall vielleicht, verbrach?“
Nun war es mit seiner Geduld vorbei. Leidenschaftlich fuhr er empor.
„Nie, nie will ich sie wiedersehen. Du weißt nicht, was Du mir sagst. Ich fühle wohl, daß ich auch heute noch nicht ungestraft in diese süßen, falschen Augen blicken könnte, die mich so namenlos elend, so müde, so unselig gemacht haben.— Verstehst Du mein Herz so wenig, Rolf? Nein, nein, und wenn sie selbst käme und an meine Thür klopfte, so würde ich den Starrsinn, den das Un⸗ glück in mir großgezogen hat, als einen Segen betrachten und sie trotzig auf der Schwelle stehen lassen.“
Mit einem erschütternden Schmerzenslaut die Hände.
„Glaube mir, Gerhard, daß Dein Glück mir mehr am Herzen liegt, als mein eigenes. Keiner könnte Dir's treuer meinen.“
„So versprich mir eins, Rolf,“ sagte er mit plötzlich wieder— gewonnener Ruhe. 8
barg er das Antlitz in
„Versprich mir, daß Du jeden Versöhnungs— versuch für immer aufgeben willst.— Der Gedanke, ihr zu ver⸗ geben, wäre eine Feigheit.— Willst Du sie mit ihrer Jugend ent⸗ schuldigen? Du weißt nicht, mit welchem süßen, hingebenden Gesicht
sie mir Treue versprach. Das war nicht der Schwur eines Kindes!
So lächelt nur ein Weib, das seine Seele voll und ganz in sich erwacht fühlt. Und vier Wochen nach diesem Gelöbniß war sie die Braut ihres reichen Verwandten, und ich hatte als Beweis, daß sie mein Dasein doch nicht ganz vergessen, ihre feingestochene Ver— lobungskarte in der Hand. Das war das Todesurtheil meines Glaubens an Liebe und Glück!— Nein, Rolf, Du wußtest nicht, was Du vorhin sagtest. Nimm es zurück; laß Dich nicht von ihr bestechen; bleibe mir treu, Du Liebster, ich kann und will Deine Freundschaft nicht missen.— Versprichst Du, daß Du mich mit keinem Worte mehr an sie erinnern willst?“
Zögernd legte ich meine Hand in die seine.
„Ich verspreche Dir Alles,“ sagte ich traurig,„ich sehe ein, daß es ein vermessener Wunsch war, der Gründer Deines Glückes sein zu zu wollen. Verzeihe mir um meiner guten Absicht willen und lebe wohl!“
Mit der Miene eines geschlagenen Feldmarschalls griff ich nach meinem Hut. Diese Bewegung war hinreichend, um den finster brütenden Freund zu elektrisiren.
„Wenn Du nicht bleiben willst, so gehe ich mit Dir. Es wäre doch kindisch, wenn wir uns jetzt in Groll und Verstimmung trennen wollten. Ich habe mich den ganzen Tag auf Dich gefreut. Mir fiel beim Arbeiten so vieles ein, was ich Dir sagen wollte!“
Mit wunderbarer Selbstbeherrschung begann er von hundert gleichgiltigen Dingen zu reden, mit heiteren, witzigen Bemerkungen wie mit Blumen um sich zu werfen. Gott weiß es, wie er's fertig brachte!„Wo steckt übrigens Dein kleiner Prinz heute?“ fragte ich nach einer Weile, als ich Hut und Stock wieder bei Seite gelegt und die mir von Gerhard offerirte Virginia in Brand gesteckt hatte.
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