Ausgabe 
12.12.1886
 
Einzelbild herunterladen

ein der zu hen en für

hen

in welchem sein älterer Bruder

2399=.

Feinde. Dragoner vor! kommandirte der General und wir griffen sie an und schlugen sie in die Flucht. Da diese Blätter vieleicht mei An⸗ gedenken überleben werden, so will ich ihnen auch noch das folgende Aben⸗ teuer anvertrauen. Während des heißesten Kampfes, als unsere Infanterie von allen Seiten wich, hielt der König mitten in der Linie. Es war weiter Niemand bei ihm als Graf Friedrich von Anhalt und ich nebst zwei jungen Pagen Namens Podewils und Wagner und einem Reitknechte. Zwei öster⸗ reichische Grenadiere, die von ihrer Kompagnie desertirt waren, flüchteten sich zu uns. Wie steht es drüben bei Euch? fragte sie der König. Der Maschall führt soeben in eigner Person die Reserven in's Gefecht, versetzten ste. Unsere Truppen wichen unterdessen immer mehr, so daß zwischen dem Könige und dem Feinde Niemand zurückblieb. Der Monarch war also auf einer kleinen Anhöhe dicht am Saume des Waldes, dem Dorfe Süpitz gegen⸗ über, gewissermaßen allein, und Graf Anhalt an seiner linken Seite, ich acht bis 12 Schritte hinter ihm. Ich sah grade nach einer anderen Seite, als Graf Anhalt mir in großer Angst zurief: Berenhorst! Ich blickte auf und sah den König, der die Zügel fahren ließ und zurücksank. Ich eilte rasch hinzu, um ihn vor dem Sturze zu bewahren. Graf Anhalt konnte mir wegen seines verstümmelten Armes nicht helfen. Der Reitknecht und die Pagen sprangen von den Pferden und liefen herbei. Einer von den beiden Letzteren wurde zu den Füßen des Königs schwer verwundet, in dem⸗ selben Moment auch des Königs und mein Pferd, denn wir waren ganz nahe an der vorrückenden Linie des Feindes. Wir mußten darauf bedacht sein, uns ohne Aufsehen in Sicherheit zu bringen. Der Reitknecht zog die Pferde in den Wald, ich hielt den König in meinen Armen und so trugen wir ihn ohnmächtig zurück. Eine Kugel, die ihn auf der Brust getroffen, hatte ihn des Athems beraubt; am andern Morgen fand man sie in seinem Hemd: sie war zuerst durch einen mit Pelz gefütterten Mantel, dann durch den Ueberrock, Leibrock und Weste, die zugeknöpft war, gedrungen. Ohne diese Bollwerke hätte sie ihn zweifellos getödtet, da sie aus so großer Nähe ab⸗ geschossen war. Nach fünf bis sechs Minuten kam der König wieder zu sich. Voyez, sil y a du sang, sagte er zu mir. Ich knöpfte ihn auf und fand Nichts. Ma vie est ce qui m'importe aujourd'hui le moins, fuhr er fort: allons faire notre devoir, malheur à ceux qui ne le font pas! (Auf mein Leben kommt es mir heute am wenigsten an. Laßt uns unsre Pflicht thun! Verderben über diejenigen, welche sie nicht thun.) R. P.

Lose Blätter.

Johannes Scherr(siehe Illustration), dessen Bildniß wir unsern Lesern vor's Auge führen, ist am 22. November 1886 aus dem Leben ge⸗

schieden. Seine Verdienste als Kultur- und Literarhistoriker sind gleich nach

dem Tode so eingehend in allen Tagesblättern gewürdigt worden, daß wir uns mit der Anführung weniger Daten und Ereignisse aus seinem Leben bescheiden können. Johannes Scherr war am 31. Oktober 1817 auf Hohen⸗ rechberg in Schwaben geboren, studirte in Tübingen, leitete hierauf gemein⸗ schaftlich mit seinem Bruder, dem Taubstummenlehrer Thomas Ignatz Scherr, eine Erziehungsanstalt in Winterthur und siedelte zu Anfang der vierziger Jahre nach Stuttgart über. In die revolutionäre Bewegung des Jahres Achtundvierzig trat er mit allem Eifer ein und wurde zum Abgeordneten für die würtembergische Kammer gewählt. Er galt in Süddeutschland für einen der hervorragendsten Führer der demokratischen Partei und erstrebte aus allen Kräften das Zustandekommen einer Reichsverfassung. Nach der badischen Revolution wurde Scherr mit einer Anklage bedroht und mußte sich nach der Schweiz flüchten. Kaum hatte er hier ein Asyl gefunden, so verurtheilte man ihn in der Heimath zu 16 Jahren Zuchthaus. Die Schweiz gewährte dem Flüchtling nicht nur ein Asyl, sondern auch einen Lehrstuhl der Geschichte am eidgenössischen Polytechnikum zu Zürich. Hier entwickelte er eine segensreiche Lehrthätigkeit und erwarb sich auch als Verfasser der all⸗ gemeinen Literaturgeschichte, der deutschen Kultur- und Sittengeschichte und vieler anderer kultur- und literarhistorischer Werke mannigfache Verdienste. Auch nach der politischen Neugestaltung Deutschlands verblieb er in dem ihm liebgewordenen Kreise und starb zu Zürich in demselben Lebensalter, von der Erde abgerufen wurde. R. E.

urcht vor dem Tode. Die Mächtigen der Erde haben oft eine kindische Fu 7 dem Tode. Hier zwei Beispiele dafür: Die Kaiserin von Ruß⸗ land, Katharina II., beherzt und kühn in Gefahren, konnte doch den Ge⸗ danken des Todes nicht ertragen. Sie vermied Alles, was sie daran er⸗ innern konnte, sie haßte die e Farbe, und bei der Hoftrauer trug man entweder Uniform, oder sie wich der tiefen Trauer gänzlich aus, indem sie sich auf eines ihrer Lustschlösser begab. Alle Leichen mußten in St. Petersburg Morgens vor sechs Uhr(ehe sie aufstand) aus der Stadt geschafft werden. f 1 9 5 8 a

Auch der Fürst Kaunitz, österreichischer Staatskanzler, theilte diese un⸗ beschreibliche Furcht. Starben Leute in seinem Hause, so durfte er nichts davon erfahren. Als im Jahre 1792 der Kaiser Leopold II. gestorben war, wagte Niemand, dem Fürsten diesen Trauerfall zu melden. Endlich faßte sich der Freiherr von Spielmann ein Herz und indem er dem Fürsten einige Papiere vorlegte, sagte er:Der Kaiser unterschreibt nicht mehr. Fürst Kaunitz erwiderte kein Wort und unterschrieb. NM.

Die Zaporoger Kosaken. Wer das WortKosak aus dem Tatarischen ableitet 5 6 15 Arier oder Räuber übersetzt, hat 2 die Geschichte für sich; denn die wilden Zaporoger, die ältesten Kosaken, deren

Erwähnung geschieht(urkundlich besaßen sie 1304 einen Ataman Kritikin), 4

bildeten am südlichen Ufer des Dnjepr einen mächtigen Räuberstaat. Man hätte glauben sollen, daß derselbe keinen Bestand haben könnte, da er auf kommunistisch-demokratischen Grundsätzen beruhte. Ungeachtet ihrer Ehelosigkeit ein Gesetz verbannte die Weiber aus ihrer Republik nahm deren Bevölkerung zu. Sie schleppten nämlich aus ihren Raubzügen alle Knaben unter zwölf Jahren mit sich, um sie ihrem Staate einzuverleiben. Auch erhielten sie durch Flüchtlinge aller Nachbarländer reichen Zuwachs; außerdem bewog die Aussicht auf Raub verwegene Abenteurer aller Nationen sich ihnen anzuschließen. Wie bei den späteren Flibustiern der Antillen mußten die Fremdlinge ihre Namen, Kleidungen und Gewohnheiten ablegen, um nur ein Zaporoger zu sein. Ja, dies genügte nicht einmal; sie mußten auch Proben ihres Muthes und ihrer Geschicklichkeit in der Waffenführung beibringen. Man hat die Zaporoger oft mit den ungarischen Haidemaken zusammengeworfen; die letzteren haben jedoch nie einen Staat gebildet, wie jene, die stets dreißig⸗ bis vierzigtausend gut bewehrte Krieger in das Feld stellen konnten. Die Beutezüge dieser unbeweibten Räuber waren so erfolg⸗ reich, daß sie den Boden ihres Landes nicht zu bebauen brauchten und ge⸗ wissermaßen nur Pferdezucht trieben; denn Pferde und Waffen bilden ihr einziges persönliches Eigenthum, alles Andere war gemeinsam. Der Jagd lagen sie mit Leidenschaft ob, doch durfte diese sie nicht mit ihren Pflichten gegen den Staat in Kolliston bringen. Außer vierzig Kriegsburgen zu je tausend Winterwohnungen, deren jede sechs Meter in der Länge und fünf in der Breite besaß, bewohnten sie nur Zelte. Ihr Bett bildete ein Bärenfell.

Aehnlich wie bei den Flibustiern herrschte bei ihnen Waffenbrüderschaft; bei den Zaporogen wurde Jedem bei seiner Aufnahme ein Waffenbruder zu⸗ ertheilt. Sie mußten schwören, ihn nie in Gefahren zu verlassen, ihn bis zum Tode zu vertheidigen. Ihre Oberhäupter wurden von ihnen selbst ge⸗ wählt; doch waren sie gezwungen, denselben unbedingt zu gehorchen. Eine Auflehnung wurde mit dem Tode(dem Lebendig-Begrabenwerden) gebüßt. Furchtbar war auch die Strafe der Untreue, des Diebstahls in der Krieger⸗ burg. Der Ueberführte wurde halb nackt an den Schandpfahl gebunden, ein Kantschu lag daneben, mit dem jeder vorübergehende Zaporoge ihm drei Hiebe geben mußte. Selten überlebte einer diese Strafe.

Dem Staat stand der Ataman vor, der die Raubzüge entwarf und das Heer führte.

Als die Russen sich zivilisatorisch ihren Grenzen nabten, war ein Zu⸗ sammenstoß nicht mehr zu vermeiden. Die Zaporogen zogen ihren Feinden entgegen; aber Potemkin hatten ihren Untergang beschlossen, und die Heer⸗ schaaren, die Pugatschen's Aufstand niedergeschlagen, wurden nicht durch die Reiterschwärme erschreckt, die mit wildem Geschrei heranstürmten. Vergebens kämpften die Zaporogen mit verzweifelter Kraft; Kartätschen schmetterten ihre Reihen nieder. An der Taktik der Russen brach sich die wilde Tapferkeit der Herren der Steppe, wie sich die Zaporogen genannt hatten. Sie wichen und erneuerten am folgenden Tage wieder den Kampf mit demselben Mißerfolg. Nachdem die Hälfte ihrer Streiter gefallen war, zogen sie sich auf türkisches Gebiet.

Der Ataman Sider Bialy mochte nicht weichen. Als Potemkin 1788 Oszakow belagerte, verrieth man Bialy's Aufenthaltsort, eine Insel im Dnsepr. Man hob den Ataman auf und brachte ihn zu dem Günstling Katharina's II. Der listige Alte wußte indessen Potemkin so für sich ein zunehmen, daß dieser ihm die Freiheit schenkte. W. G.

Ein Duell in Versen. In betreff der geistigen Bildung stehen die grönländischen Eskimos beirächtlich höher als ihre Stammverwandten im übrigen Nordamerika und die Polarvölker von Nordasien. Ihre natürliche Munterkeit spricht sich oft in Tänzen und Gesängen aus; vorzugsweise be⸗ grüßen sie damit die Rückkehr der Sonne nach der langen Winternacht. Kann somit dieser Tag als ein religiöses Fest angesehn werden, so wählen ihn die Eskimos auch gern, um poetische Zweikämpfe auszufechten, durch welche nach einer nur ihnen eigenthümlichen Sitte Beleidigungen unter ihnen ausgeglichen werden. Der Verletzte fordert nämlich in einer eigens dafür angesetzten öffentlichen Versammlung seinen Widersacher durch einen Gesang heraus, in welchem er denselben möglichst herabzusetzen und lächerlich zu machen sucht. Der Angegriffene bleibt die Antwort nicht schuldig und beide singen so lange hin und her, bis Einer von ihnen nach dem Urtheil der Anwesenden überwunden ist. Der Sieger erhält dadurch das Recht, sich von dem Eigenthum des Widersachers das Beste zu anneckiren und der Besiegte wird von Allen verlacht und verspottet. Th. Bd.

Ein Jäger von einem Fisch erschossen. Dieser anscheinend unmögliche Fall ereignete sich kürzlich in County Comanche in Teras. John Franklin so hieß der Jägersmann hatte einen Fisch gefangen und hing den⸗ selben an sein Gewehr. Die Bewegungen des Fisches bewirkten das Nieder⸗ schlagen des Hahnes, wodurch das Gewehr losging. Der Schuß ging dem unglücklichen Fäger durch den Leib und tödtet ihn auf der Stelle.

Th. B.

Eine Schachpartie. Ehrenfried, dritter Pfalzgraf am Rhein(regierte von 989 1035), wurde vom kaiserlichen Prinzen Otto III. zu einer Partie Schach aufgefordert. Man wurde einig, daß derjenige, welcher drei Partien hintereinander gewinne, von dem Verlierer etwas nach seinem Gefallen fordern dürfe, und ihm solches gewährt werden solle. Ehrenfried gewann drei Spiele hintereinander, und im Scherz verlangte er dafür Otto's schöne Schwester, Mathilde, zur Gemahlin. Aus diesem Scherz wurde Ernst, denn Otto bot Alles auf, um die Heirath zu Stande zu bringen; und sowohl er, (nachdem er Kaiser geworden war) wie auch der Kaiser Heinrich II. ver⸗ mehrten die Einkünfte und vergrößerten das Land Ehrenfried's ansehnlich.

N.

5

e

.

.

.

9