Ausgabe 
12.12.1886
 
Einzelbild herunterladen

Strauß auszufechten. Erst am 26. Januar 1822 erfolgte die erste Aufführung desFreischütz, welche ihm einen unbestrittenen Erfolg eintrug und ihm die volle Gunst des Publikums für immer zuwandte.

Die Dichterin Helmine von Chezy war es, welche dem Meister den Text zuEuryanthe lieferte. Sobald er von einer anstrengen. den Wiener Reise nach Hosterwitz zurückgekehr war, nahm er mit vollem Eifer die Komposition vor. Uebrigens geschah es auch auf Weber's Veranlassung, daß Wilhelmine Schröder für die Dresdner Oper engagirt wurde, und mit dieser Heroine brachte er am 29. April 1823 zum ersten Male Beethoven'sFidelio zur Auf führung.

Wiederum nach Wien gerufen, um dort am 25. Oktober 1823 zum ersten Male seineEuryanthe zu dirigiren, wurde er von Beethoven auf's Freundlichste empfangen. Seine Euryanthe fand enthusiastischen Beifall. Bei seiner Ankunft in Dresden veranstaltete das Theaterpersonal zur Feier seiner Rückkehr eine sinnig arrangirte Festlichkeit, und als seine Euryanthe am 31. März 1824 hier zum ersten Male in Szene ging, riß sie das Dresdener Publikum zu ungewöhnlichen Beifallsbezeugungen hin. Mehr und mehr verbreitete sich der Ruf Webers, und nicht klein war seine Freude, als ihm sowohl von London als auch von Paris aus der Auftrag ertheilt wurde, auch für diese Städte Opern zu schreiben, und dieselben, gleich seinen bereits bekannten Opern, persönlich zu dirigiren.

Schon lange aber war der Gesundheitszustand Webers ein be denklicher gewesen. Die unstäte Jugendzeit, die Anstrengungen und Aufregungen des Berufes, Alles trug dazu bei, seine Kräfte vor der Zeit zu untergraben. Eine körperliche und geistige Müdigkeit be mächtigte sich seiner, und nur die Sorge um das Schicksal seiner Gattin und seiner beiden Söhne vermochte ihn, bei der Arbeit aus- zuhalten. Selbst eine Kur in Marienbad brachte ihm nur geringe Linderung seiner Leiden. Mit Besorgniß sahen darum die Seinigen ihn am 7. Februar 1826 Dresden verlassen, um die weite Reise nach London anzutreten, woselbst er seine für die englische Haupt stadt komponirte OperOberon, sowie mehrere andere seiner Werke dirigiren sollte. Als große Beruhigung empfand es indeß Webers Gattin, daß dessen Freund und Verehrer, der damals schon berühmte Flötist Fürstenau, ihn unterwegs begleitete.

In England wurde Weber überall, wo er sich blicken ließ, mit Jubel aufgenommen, und wäre seine Kränklichkeit nicht gewesen, so würde er sich der ihm dargebrachten Ovationen noch in weit höherem Grade haben erfreuen können. Seine Freischützmelodien waren längst vor seiner Ankunft über ganz England verbreitet und schon da hin abgedrungen bis in die unteren Volksschichten, und als am 12. April seinOberon zum ersten Male in Szene ging, erregte derselbe einen wahren Beifallssturm.

So liebevoll Weber auch im Hause des Engländers Smart auf genommen und verpflegt wurde, die Anstrengung des häufigen Di rigirens mochte doch zu viel für seinen geschwächten Körper sein. Hatte er doch, abgesehen von den vielen Konzerten, seinen Oberon fast ununterbrochen zwölf Abende hineinander dirigirt. Mit wachsen der Besorgniß sahen seine Freunde, wie seine Kräfte täglich mehr schwanden, und er selbst verzichtete auf sein Benefizkonzert, um seine Rückkehr nach der Heimath beschleunigen zu können. Leider sollte der Meister dieselbe nicht wiedersehen.

Er war am Abend des 5. Juni 1826 als Weber sich, hoͤchst ermattet, von seinen Freunden Smart und Fürstenau geleitet, zur Ruhe begab. Die besorgte Bitte, Jemanden während der Nacht bei sich zu behalten, lehnte er entschieden ab, und war ebensowenig zu bewegen, die Zimmerthüre unverriegelt zu lassen. Als er aber am nächsten Morgen nicht zum Vorschein kam, als er auch auf wieder holtes Klopfen nicht öffnete, wurde im Beisein Fürstenau's seine Zimmerthür erbrochen. Da lag der große Meister anscheinend friedlich schlummernd im Bett, sein Geist aber war entflohen, war eingegangen in das Reich ewiger Harmonien.

In der Kapelle St. Mary in Moorfields wurden die sterblichen Ueberreste Karl Maria von Webers am 21. Juni unter großer Theilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Allein nicht für immer sollte er in fremder Erde gebettet sein. Deutschland mochte einen seiner größten Meister auch im Tode nicht auf die Dauer entbehren. Und so wurde denn, freilich erst im Jahre 1844, die Ueberführung der Leiche aus England angeordnet. Weber ruht seit dem 14. Dezember 1844 in deutscher Erde, auf dem katholischen Friedhofe zu Friedrich- stadt Dresden.

Im Jahre 1860 wurde ihm in Anerkennung seiner außerordent⸗ lichen Verdienste von unserem größten Bildhauer Ernst Rietschel ein Denkmal gesetzt, welches Weber stehend darstellt, wie er, mit der Linken auf das Notenpult gestützt, auf Harmonien von Oben zu lauschen scheint, während die Rechte des Tonheros den deutschen Eichenkranz umfaßt hält. In der Nähe seiner Wirkungsstätte, dem Opernhaus, hat es Aufstellung gefunden.

Das unvergänglichste Denkmal hat sich Weber aber selbst für alle Zeiten im Herzen des Volkes aufgerichtet durch seine unsterblichen Meisterwerke. a

Friedrich der Große in der Schlacht bei Torgau.

Georg Heinrich von Berenhorst, ein Sohn des Fürsten Leopold J. von Anhalt-Dessau, welcher am 30, Oktober 1814 im einundachtzigsten Lebens- jahre verstarb, nachdem er im siebenjährigen Kriege Adjutant Friedrichs des Großen gewesen war, hat sich durch seineDarstellungen über Kriegskunst eine ehrenvolle Stelle in der militärischen Literatur erworben. Ein im fre derizianischen Französisch geschriebenes ausführliches Tagebuch über eine Reise, die er in den Jahren 1705 bis 1768 als Begleiter des damals regierenden Fürsten von Anhalt⸗Dessau und dessen Bruder Hans Jürge, sowie zahl⸗ reichem Gefolge, unter dem sich auch die Kammermusiker Rust und Kotowoky, sowie der Bildhauer Ehrlich befanden, durch Italien, Frankreich und England unternahm, ist von hohem Interesse für die Zeit., Sitten und Kriegsgeschichte und enthält ein sehr reiches Material von Mittheilungen über eine große Anzahl berühmter Persönlichkeiten, mit denen er durch seine Stellung in näheren persönlichen Verkehr trat. So sind z. B. seine Aufzeichnungen über Winkelmann und' den Kardinal Albani für die Charakteristik des Ersteren von belangreichem Werthe.

Unter dem Datum Bologna, 30. Mai 1766 enthält das Tagebuch Auf; eichnungen, welche, da die dort mitgetheilten Details in den bekannten Ge schichten des siebensährigen Krieges nirgend erwähnt werden, für die Leser von hohem Interesse sein werden. Bexenhorst berichtet:

Bei unserem gegenwärligen Aufenthalte trafen wir unter anderen Fremden auch den Grafen Reischach hier an, der das Regiment des Prinzen Albert von Sachsen Teschen in dem österreichischen Heere kommandirt. Er hatte gehört, daß der regierende Fürst und ich im preußischen Heere gedient hätten und unterhielt sich mit uns deshalb viel von den Operationen und Waffenthaten des letzten Krieges.

Ich muß Ihnen doch eine Anekdote mittheilen, sagte Reischach zu uns, die ich mich wohl hüte, aller Welt zu erzählen, und die Sie mir vielleicht nicht glauben werden. sie buchstäblich wahr ist. Bei der Schlacht von Torgau führte ich eine Schwadron Kürassiere und ward nach Niederwerfung des linken Flügels Ihrer Reiterei, beordert, Ihre Jufanterie anzugreifen, die, wie Sie wissen, in Unordnung sich zurückzog. Ich war bei Naher Gelegenheit von meinem Regiment so weit abgekommen, daß ich mich bei einbrechender Nacht mit, meinen Leuten ganz allein befand. Ich machte mehrere vergebliche Versuche, mich mit den Anderen zu vereinigen, wußte aber endlich durchaus nicht mehr, wo ich mich eigentlich befand. Da höre ich plötzlich das Feuer des Angriffs des Generals Ziethen und erfahre durch meine Plänkler, daß die ganze Ebene nach unserer Seite zu sich mit Ihren zurückkehrenden Bataillonen anfuͤllt. Ich entschloß mich also, mich in den Wald zu vertiefen und dort den Tagesanbruch abzuwarten. Endlich hörte der Kampf auf und es trat tiefe Stille ein. Als es etwa 9 Uhr sein mochte, hörte ich feindliche Truppen nahen, die mich im Rücken angriffen. Ich ließ sofort Front machen und og mich nach einer ziemlich schwachen Attacke, dem ein kurzes Handgemenge solgte, noch weiter zurück, weil ich keine Ahnung hatte, wer vor mir war. Nachdem ich die Meinen wieder gesammelt hatte, stellte es sich heraus, daß wir zwei oder drei Mann verloren und dafür einen Lieutenant vom Regiment Bayreuth, Namens von Tschirnhausen, gefangen hatten. Dieser sagte uns, daß er mit dreißig Dragonern auf Patrouille gewesen sei. Der Tag brach an und ich setzte meinen Weg fort, obschon ich erst am andern Morgen nach bundertfachen Umwegen Lanch's Corps erreichte. Wissen Sie wohl, sagte mir da mein Gefangener, daß Sie eben so leicht wie mich, den König hätten gefangen nehmen können? Er befand sich mit seinem ganzen Stabe mitten im Gedränge und ich diente ihm eben zum Geleite. Ich wiederhole Ihnen, fuhr Graf Reischach fort,daß Sie mir Alles unbedingt auf's Wort glauben dürfen. Ich(Berenhorst) lächelte und entgegnete, ich könne die Wahrheit seiner Mitihellungen um so weniger in Zweifel ziehen, als ich mich selbst damals im Gefolge Seiner Majestät befunden habe und ihm deshalb eben. falls so nahe gewesen sei, daß ich sehr leicht damals schon die Ehre seiner persönlichen Bekauntschaft hätte haben können. Mein Bericht, den ich darauf von dem Vorfalle gab, lautete wie folgt:

Nachdem die Schlacht vollständig gewonnen war, befand der König sich an der Spitze des Regiments Bayreukh. Er gab hier die nöthigen Befehle mit dem Bedeuten, er werde den Rest der Nacht in dem Dorfe Neiden zu bringen, wo er die Rapports erwarten wolle. Darauf fragte er: Wer weiß den Weg dahin? Ein Jäger trat vor, um ihn zu führen, und der König folgte ihm, auf seinen Stock gestützt, im Schritt. In einer kleinen Ent- fernung ritt der Generaladjutant von Krusemark zurück und sagle zu dem Kommandanten dieses Regimentes, Obersten von Bülow: Geben Sie uns eine Eskorte mit, was geschah. Wegen der Finsterniß ritten wir sehr langsam: der Jäger voran, General Krusemark und ich einige Schritte hinter ihm und die Dragoner zuletzt. Nach einer guten Viertelstunde blieb der Jäger se und sagte: Ich sehe in der Dämmerung des Horizontes Reiterei. ir gewahrten sie mit ihm ganz in der Nähe und erkannten sie am Dialekte als

9

Ich gebe Ihnen aber mein Ehrenwort darauf, daß