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Und dann ging sie zu Bette; ihre Zimmer waren voneinander durch einen Salon getrennt, aber niemals schlief sie eher ein, als bis sie durch das Schlüsselloch gesehen hatte, daß das Licht im Zimmer ihres Sohnes erloschen war.
(Fortsetzung folgt.)
Lose Blätter.
Ludwig II. und Schloß Berg.(Siehe Illustrationen.) Es ist ein Glück, daß Menschenschicksale von erschütternder Tragik spurlos über die Erde hingleiten. 1 755 Seelenkämpfe und furchtbare Thaten auf dem irdischen Schauplatz ihre Marken zurück, so würden die lieblichsten Orte der Welt verwüstet. Zu den lieblichsten Orten der Welt gehört sicher Schloß Berg am Starnberger See und doch hat sich hier am Abend des ersten Pfingsttages ein Ereigniß vollzogen, welches Millionen Seelen bewegte und das die anmuthigen Ufescelände am Starnberger See für unsere Phantasie mit unvergänglichen Scharten umwebt. Aus der Einsamkeit von Hohen— schwangau, das wie ein Adlerhorst sich über den waldreichen Bergen aus— nimmt, hatten die Irrenärzte den entthronten König Ludwig zu dem heiter⸗ schönen Starnberger See herabgeführt. Schloß Berg, dessen helle Mauern so freundlich aus dem weiten grünen Park hervorschimmern und dessen Fenster eine weite Rundschau gewähren über den tiefblauen See, die schön— gerundete, in sanftem Wellenzug um die Ufer wallende Hügelkette und die das Land im Süden abschließenden majestätischen Hochgebirgsformationen — dies Schloß Berg sollte fortan dem kranken König zum Aufenthalt dienen. Durch die umnachlete Seele des Unglücklichen mochten an dem Tage, an welchem die Christenheit die Ausgießung des heiligen Geistes feiert, die schönen Bilder der Vergangenheit ziehen. Als Kind hatte er mit seinem Bruder Otto in den schattenreichen Gründen des weiten Parkes und auf den schönen Rasenflächen am See sich im Spiel herumgetummelt— der Bruder und Spielgefährte war längst unheilbarem Wahnsinn verfallen und wird in Fürstenried bewacht. Als Jüngling verlor Ludwig den Vater und zog dann als achtzehnjähriger König eines reichen und schönen Landes, eines starken Volkes im Frühjahr 1864 in diese Räume ein. Nun hatte er Künstler um sich versammelt, deren Schöpfungen ihm eine ideale Welt schaffen sollten. Richard Wagners traumhafte Melodieen zogen wie Sphären⸗ klänge durch die Räume dieses Schlosses, mit Sängern, Dichtern und Schau— spielern war er in sternenklaren Nächten auf den See hinausgerudert und während der Mond die schönen Ufer geisterhaft beleuchtete und die Wellen des Sees leise plätscherten, ließ der Sänger Vogel sein Stolzinglied oder Nachbaur das Schwanenlied Lohengrins ertönen. Nun waren die Lieder der Sänger, die Recitationen der Dichter und Schauspieler verklungen, verrauscht die Feste, zerronnen die schönen Illusionen.
Zweiundzwanzig Jahre seiner Regierung waren vergangen. Seine hoch— strebende Seele hatte sich nach unerreichbaren Idealen gesehnt, er war aus der Welt der Sorgen und Arbeit, der Pflichten und Werkeltagsgeschäfte in die Einsamkeit geflohen, um das höchste Maß von Freiheit zu genießen — nun fühlte er sich ganz abgeschieden von der Welt, er war allein— mit seinem Arzte. Bei der Erkenntuiß, daß ihm das Geschick seines Bruders bevorstehe, ergriff wohl Verzweiflung seine Seele. Am Abend des ersten Pfingsttages erfolgte jene schreckliche Katastrophe, welche noch frisch im Ge— dächtniß aller Lefer ist. An einer Uferstelle des Sees, wo hohe Tannen
und Fichten ihre Schatten auf das Wasser werfen, geschah das Gräßliche,
daß der zum Sterben entschlossene irrsinnige König den Arzt, der sich ihm in den Weg stellte, tödtete und sich dann selber in der Tiefe des Sees den Tod gab. So endete ein Leben, das am Morgen ganz in Glanz und Glück getaucht war. 5 f
Die seltene Schönheit des jugendlichen Königs veranschaulicht unser Bildniß. In späteren Jahren war die hohe Männergestalt durch ungewöhn⸗ liche Leibeefülle schwerfällig geworden, Der König zeigte dann auch eine unüberwindliche Abneigung, sich porträtiren zu lassen und so sind jetzt fast nur Bildnisse aus der ersten Zeit seiner Regierung vorhanden. Wie durch Schönheit, so war der jugendliche Monarch auch durch seltene Gaben des Geistes ausgezeichnet. Seide Erscheinung erinnert an die Märchenerfindung von der guten und bösen Fee. Schien es nicht, als habe eine gütige Fee dem jungen Prinzen alle Glücksgüter der Welt bescheert und dann sei eint böse Fee gekommen, um durch den Wunsch: Du sollst wahnsinnig werden! alle Genüsse des Lebens zu vergiften?.. 5
Das Schloß, dessen Name fortan an eines der tragischsten Geschicke in der Geschichte der Wittelsbacher mahnt, liegt an jenem weiten sonnigen Seebecken, das von München aus mit der Eisenbahn in etwa 1¼ Stunden erreichbar ist. An den Ufern des Starnberger Sees suchen Künstler in Menge Sommerfrische; mehrere derselben haben sich hier ein Tuskulum er⸗ baut. Villen und Kirchen leuchten an den grünen Buchten aus blühenden Obstbäumen und Gärten hervor. Die Dörfer und kleinen Städtchen sind mit heiteren Menschen bevölkert, die schlanken Barken der Sommergäste, die plumpen Böte der Fischer gleiten mit geschwellten Segeln über die blauen Wasser, kleine Dampfer kreuzen den See und verbinden die Uferorte mit der nach München führenden Eisenbahn. Schloß Berg gegenüber liegt Possenhofen, ein vornehmer Landsitz, wo die Kaiserin von Oestreich und die Exkönigin von Neapel ihre Kindheit verlebten. Schloß Berg wurde vor mehreren Jahrhunderten erbaut und galt als ein Lustschloß, dessen Park, anlagen die Chronisten des porigen Jahrhunderts als Sehenswürdigkeit priesen. Prachtliebende bayrische Kurfürsten veranstalteten hier schon vor zweihundert Jahren venetianische Gondelfeste mit verschwenderischer Prunk⸗ entfaltung. Auch Hetzjagden waren in jener Zeit beliebt, welche damit endeten, daß man den Hirsch in den See trieb und daß die Jäger in Kähnen im Verein mit der schwimmenden Meute das Wild verfolgten und ihm
endlich durch einen Lanzenwurf den Gnadenstoß gaben. Schloß Berg wird wahrscheinlich auf Jahrzehnte hinaus veröden, aber der Starnberger See verliert nichts von seiner heitern Schönheit. Der Friede der Natur wird durch keine menschliche Tragödie gestört. R. E.
Hebung und Senkung. An der schwedischen Küste von Torneg bis ur Südspitze von Schonen wurden im Jahre 1750 eine Menge Wasser⸗ stands eiche angebracht, welche dazu dienen sollten, einen Streit, der faite dem schwedischen Astronomen Celsius und einigen deutschen Ge— ehrten über die Frage, ob sich die Ostsee senke oder hebe, ausgebrochen, entscheiden zu helfen. Diese Zeichen wurden im Jahre 1851 erneuert und dieselben sind mit kurzen Zwischenräumen 11 beobachtet worden. Die Akademie der Wifsenschaften zu Stockholm hat nun anfangs dieses Jahres die Resultate, nach welchen beide Parteien Recht haben, veröffent— licht. Nach denselben hebt sich die nördliche Küste Schwedens ununter—⸗ brochen, während sich dagegen die Küsten von Blekinge Län und von Schonen beständig senken. Die Linie, längs welcher keine Veränderung stattfindet, geht von Schweden über Bornholm und Laaland nach Schleswig-Holstein. Während der letzten 134 Jahre hat sich der nördliche Theil Schwedens um 220 Centimeter gehoben, nach Süden zu nimmt aber diese Erhöhung nach und nach bis auf 31 Centimeter ab. Die Insel Bornholm hat noch die— selbe Höhe wie in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Im Durchschnitt beträgt die Erhöhung der schwedischen Küste während des angegebenen Zeit— raums 146 Centimeter. Dergleichen Hebungen und Senkungen, wenn auch nicht so ziffermäßig festgestellt, wie im obigen Falle, werden auch an anderen Küsten beobachtet, so z. B. an denen China's, wo das südliche Gestade sich senkt, das nördliche scch dagegen hebt. Leichter sind diese Veränderungen an den Küsten wahrzunehmen, als im Innern der Kontinente, wo solche Erscheinungen sich aber auch nachweisen lassen, wenn auch natürlich durch andere Anzeichen, als Wasserstandszeichen. Ein prägnantes Beispiel in dieser Beziehung bietet die Sierra Nevada in Californien dar. An ihr, welche jetzt von dem nur einige Meter über dem Meeresniveau liegenden Schwemmlande zu Kammhöhen von 1880 bis 3140 Meter ansteigt, ist deut⸗ lich wahrzunehmen, daß sie früher ein Hügelland war, in welchem an der Westseite, in Thälern, welche dem jetzigen Kamm des Gebirges parallel gerichtet waren, große Flüsse strömten. Ihre Betten mit der ganzen Schotter— ablagerung sind wohl erhalten und die Hauptlagerstätten des californischen Goldes geblieben. Als dann die Axe des Gebirges allmälich höher an— stieg, trat das Wasser aus den Strömen an deren Westseite über und floß seitlich hinab, erst an einer, dann nach und nach an mehr Stellen. Endlich bildete sich ein System von Querschluchten aus, welche die Betten der früheren Parallelströme rechtwinklig durchschneiden und dem Goldgräber zu— gänglich machen. Wie gesagt, es bietet sich selten Gelegenheit dar, eine derartige Erscheinung mit solcher Sicherheit du beobachten, wie bei dieser Sierra, die auch in anderer Beziehung des Interessanten viel bietet. Es finden sich nämlich auf ihr Stellen, wo ein Gletscher, der in dem Bereich weicherer Gesteine ein breites Bett einnahm, unterhalb derselben durch ein enges, aus hartem Gestein, z. B. Granit gebildetes Thor gezwängt wurde, dessen Wände noch jetzt bis auf den Boden in der Richtung der Bewegung geschliffen und tief geritzt sind. Dann findet man zuweilen oberhalb der Engpforte einen See, dessen Becken hinsichtlich der Lage ganz mit den häufigen Stellen, wo Tiefwasserbecken in Flüssen gebildet werden, überein— stimmt. Sie sind oft vollkommen kreisrund, wie herausgedrechselt,— eine Erscheinung, die man übrigens auch in Europa antrifft, nämlich in den „Meeraugen“ der hohen Tatra, die zweifellos ebenso entstanden sind. 4. k.
Lebende Fische und Pflanzen in heißen Quellen fand der Reisende Sonnerat auf der Insel Manila, der größten der Philippinen. Er schreibt darüber im Miror:„Ich stieß auf eine Quelle, deren Wasser so heiß war, daß man die Finger nicht darin zu halten vermochte. Da eine so hohe Temperatur sonst jede Vegetation unmöglich zu machen pflegt, so war ich nicht wenig erstaunt, nicht nur am Ufer, sondern auch im Wasser ganze Gruppen von Pflanzen zu finden, deren Wurzeln im heißen Wasser badeten oder im heißen Sande steckten. Sie grünten in üppiger Fülle, obgleich sie von dichtem Dampf umgeben waren. Der Dunst er Quelle hakte über⸗ dies so schädliche Eigenschaften, daß kleine Vögel, die in einer Höhe von 6 Fuß darüber hinflogen, leblos hinunter fielen. Noch größer war mein Erstaunen, als ich am Grunde des fast siedenden Wassers lebendige Fische entdeckte, die so hurtig hin und her schwammen, daß ich keinen zu fangen vermochte. Sie waren mit braunen Schuppen bedeckt und maßen vier bis fünf Zoll.“— Etwas Aebnliches hat früher schon Lord Bate bemerkt. Der⸗ selbe berichtet, daß er in siedenden Quellen nicht allein Pflanzen, sondern auch eine Anzahl kleiner, schwarzer Käfer fand, die, als man sie herausfing und in kaltes Wasser setzte, sogleich starben. Eigenthümlich ist bei den Mittheilungen, daß weder Sonnerat noch Bate die Namen der Pflanzen, ihre Ordnung und Klasse anführen. W. G.
Kaperbriefe wurden zuerst im Jahre 1295 von Eduard J. ausgegeben. Ein Kauffahrer von Bayonne in Gasconien, wo der König sich damals auf— hielt, war auf der Rückkehr aus der Berberei, wo er Mandeln, Rosinen, Feigen u. s. w. geladen hatte, von Portugiesen genommen worden, während er bei Lissabon vor Anker lag; Schiff und Ladung wurde auf 700 Pfund Sterling geschätzt, und der Beherrscher von Lissabon nahm davon den zehnten Theil für sich, obgleich er mit England in Frieden lebte. König Eduard ertheilte hierauf den Beraubten einen Kaperbrief gegen portugiesisches Eigen— thum auf fünf Jahre oder so lange, als er brauche, um völlig zu seinem erlittenen Schaden zu gelangen. Für etwaigen Mißbrauch blieb der Kaper⸗ berechtigte verantwortlich. M.
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