Ausgabe 
11.4.1886
 
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von ihrer Stiefmutter. Georg reichte ihr kaum die Hand. Lindner fuhr mit den Beiden davon, und nachdem Julia sich recht herzlich ausgeweint, wurde es ihr wohler. Sie fühlte sich wie von einem Druck befreit und hoffte und glaubte fest daran, daß noch Alles gut werden müsse. Als Lindner nach einigen Tagen mit einem traurigen Gesicht wiederkam, ging sie ihm entgegen, und es überraschte ihn, daß in ihren Augen wieder der Ausdruck strahlenden Glückes lag, der ihn in Baden-Baden so sehr gefesselt hatte.

Zu Weihnachten beschenkte Julia ihren Gatten mit einem rosigen schönen Mädchen. Er fühlte einen Augenblick lang, als er das kleine Geschöpf in seinen Armen hielt, das Glück eines jungen Vaters, dann aber legte er plötzlich das Kind nieder, er ge dachte seiner verbannten Kinder, seiner schönen, guten Adeline, deren leidenschaftliche Augen wie vorwurfsvoll in diesem Augenblick auf ihn gerichtet schienen. Er ging in's Nebenzimmer.Ihr, dem geliebten Weibe, gerecht werden und meinen armen Kindern, die auf der Welt Niemand haben, der sie liebt, wie ich! Frau van Mossel soll mir mit ihren Vorstellungen nun nicht mehr kommen; der Zwiespalt in mir verzehrt mich. Der Weihnachtsbaum brennt nicht für meine Adeline zu Hause, sie ist trostlos darüber, nicht bei dem Papa zu sein, und doch, kann ich es ändern? Sie verstehen sich nicht und werden sich auch nicht verstehen lernen, da liegt das ganze Unglück, sagte Lindner in abgebrochenen Sätzen und seufzte klef⸗

Und die junge Mutter ließ sich das rosige Kind von der Wärterin reichen und betrachtete es mit leuchtenden Augen, und dann fielen aus diesen schönen blauen Augen rasch und eilig zwei Tropfen auf das Gesichtchen des Kindes.

Es wurde von dieser Zeit an besser. Lindner gewöhnte sich nach und nach an die Abwesenheit Adelinens, nur verdüsterten hier und da noch ihre überzärtlichen Briefe seine Stimmung. Auf die Anzeige der Geburt eines Schwesterchens schrieb sie einen tadellosen Glückwunsch und auch Georg versicherte, daß er sich gefreut habe. Hatte Frau van Mossel den Gutsbesitzer von der Nothwendigkeit einer ununterbrochenen Abwesenheit überzeugt? Weder Georg noch Adeline brachten die Ferien zu Hause zu. Zum ersten Male fühlte sich die junge Mutter heimisch wohl in Mandsfelt. Lagen hier und da dunkle Wolken auf der Stirne Lindner's, so wandte sich Julia zu ihrem Kinde, das ihr stets das glücklichste, schönste Lächeln zurück- gab. So manchmal auch in diesen glücklichen Jahren war Lindner jung mit seiner jungen Frau, er gab sich mit ihr ganz und un⸗ getheilt der Freude über das Gedeihen des lieblichen Geschöpfchens hin und es stellte sich eine Innigkeit in dem ehelichen Leben her, die Julia ein festes, dauerndes Glück für die Zukunft hoffen ließ. Sie sprach liebevoll mit ihm über die Abwesenden und machte Vor⸗ schläge, sie mit allen möglichen Dingen zu überraschen, die ihnen Freude machen konnten; und Lindner war zufrieden und glücklich, die Aufgabe schien nun gelöst, wie der jungen Frau und seinen beiden Kindern zu gleicher Zeit gerecht zu werden. Und doch gab es Augenblicke, die ihm bitter genug wurden. Seine erste Ehe war keine glückliche 1 05 und wie die Todten immer das Recht über die Lebenden auf ihrer Seite haben, so war auch Lindner nach dem plötzlichen Tode seiner Frau in dem traurigen Zustand der heftigsten, bittersten Selbstanklagen. Er war überzeugt, daß durch eine richtige Behandlung von seiner Seite, durch ein liebreiches Nachgeben, alle ehelichen Zerwürfnisse hätten vermieden werden können; und da war die Mutter seiner Kinder gestorben, plötzlich, mitten heraus, nachdem am Tage vorher eine heftige Szene vorgefallen und keine Versöhnung erfolgt war. Der erschütterte Mann gelobte, Alles an den Kindern wieder gut zu machen. Der Gedanke einer zweiten Heirath lag ihm ferne, selbst außer dem Bereich der Möglichkeit, bis er das liebe junge Mädchen sah, dessen Erscheinung ihn un⸗ widerstehlich hingerissen.Ja, seine Kinder! Alle Liebe, die der Mutter nicht geworden, wurde in selbstquälerischem Eifer den Kindern zugewendet und ihnen eine Unabhängigkeit gestattet, die jede Er⸗ ziehung ausschloß.

Julia's einziger Umgang war die Familie van Mossel. Der älteste Sohn, Eduard, war nun auch ganz zu Hause, nachdem er seine akademischen Studien beendet. Gewöhnlich begleitete er seine Mutter nach Mandsfelt und es wurde manche Stunde recht ge müthlich in dem alten einsamen Hause in heiterer Geselligkeit ver lebt. Auch die jüngeren Brüder kamen mit und das kleine Mädchen wurde von den wilden Jungen gefahren und getragen, oder an

gehörte.

den runden Händchen von ihnen gepackt und mußte mit ihnen

einen Wettlauf durchmachen, so daß die kleinen Füße den Boden nicht mehr berührten und sich die Beinchen schwebend nur so in der Luft bewegten, als wäre das Kind überzeugt, daß es Schritt mit den Jungen halte. Und dann ihr glückliches Gesichtchen zu sehen, wie sie immer mit Allem einverstanden war, was die Knaben ihr zumutheten. Die kleine Ellinor wuchs kräftig heran; sie war blond und zart wie ihre Mutter, und ein gar lieblicher Anblick war es, wenn die junge schöne Frau mit dem ihr eigenen innig schwärmerischen Blick das rosige Kind auf ihrem Schooße betrachtete. Dieser Blick war bisweilen tief traurig. Eine gute treue Mutter hatte auch Julia's Kindheit gepflegt; sie erinnerte sich, wie manchmal schwere Thränen auf ihre lichten Locken gefallen waren, und wie ihr erstaunter Kinderblick das Gesicht der Mutter gesucht, und sie in ein schmerzbewegtes, thränenbedecktes Antlitz geschaut. Das waren ihre ersten Erinnerungen; die kummervolle Mutter aber war und blieb das Andenken ihres Lebens. Nach zehnjähriger Ehe war Julia

ihren Eltern geboren worden; ihr Vater war der Brudersohn des

Baron von Manners gewesen. Er starb, als Julia kaum zwei Jahre zählte und die Wittwe, nach mehrjähriger tiefer Trauer, ließ sich hinreißen durch das schöne Aeußere und die gewinnenden Eigen schaften eines weit jüngeren Mannes, dessen Charakter nicht im besten Rufe stand. Die unglückseligen Folgen dieser Ehe blieben denn auch nicht aus; der glänzende Graf Hermani war ein un⸗ verbesserlicher Spieler. Es mußte die Katastrophe kommen. Sie mochte zehn bis elf Jahre alt gewesen sein, da fand sie sich mit ihrer Mutter, welche die Hände rang und laut schluchzte, in einem Wagen, der Tag und Nacht fuhr, bis er in dem großen stillen, mit Gras bewachsenen Hofe hielt und Julia beim Tagesgrauen zum ersten Mal das weitläufige Gebäude erblickte, das dem alten Onkel Sie sah zum ersten Mal, wie sich seine Augenbrauen finster zusammenzogen und sich sträubten, wie ihm die Frau seines verstorbenen Neffen zu Füßen sank.

Nichts von alledem, Ellinor, hatte er barsch gesagt.Schicke das Kind hinaus und erzähle Deine Geschichte; ich kann sie zwar schon errathen. Mutter und Kind blieben auf dem Gute; die Mutter aber nur, um nach einem halben Jahre da zu sterben; von dem Grafen Hermani hörte Julia einmal den alten Onkel sagen, daß er nach Australien gegangen. So waren ihre Tage fortan friedlich bei dem Obersten dahingegangen. Die Mutter, die ihr eine so leidenschaftliche Zärtlichkeit gezeigt, war todt; es be⸗ gann eine militärische Zucht, unter der sie trefflich gedieh. Gehörte ihr nun der Mann ihrer Wahl nicht ganz, war sein Herz zu sicht⸗ bar getheilt zwischen der jungen Gattin und seiner Adeline, so be⸗ saß sie nun doch ein Wesen, das sie ganz und ausschließlich liebte, das Kind, das den Namen derjenigen trug, deren erlöschendes Auge so zärtlich an dem verwaisten Kinde gehangen. Von nun an war sie dankbar für jeden Liebesbeweis ihres Mannes; sie war ja außer⸗ dem noch so reich, so unaussprechlich reich. Vertrauend sah sie der Zukunft entgegen, half mit Vergnügen ihrem Manne bei den kleinen Vorbereitungen, die er, froh erregt, für den Empfang seiner Tochter machte. Sie wollte sich mit ihrem Manne über die Rückkehr Adelinens freuen. Vier Jahre waren seit dem Weggange der Ge schwister verflossen, Adeline war seitdem nicht zu Hause gewesen. Lindner reiste jedes Jahr einmal nach Berlin, um die Tochter zu sehen. Julia's schüchterne Bitte, sie einmal mitzunehmen und ihr ein Wiedersehen des jungen Mädchens zu gestatten, schlug der Vater ab. Der Gründe waren so manche, besonders meinte er, er müsse der jungen Frau traurige Erinnerungen ersparen. In Berlin war sie öfters längere Zeit mit dem alten Onkel gewesen, nun hatte seit der Heirath jeder Verkehr aufgehört, er hatte nicht einmal seiner Großnichte Briefe beantwortet. Freilich war ihr dies höchst schmerzlich gewesen, und sie hegte auch bei einer Reise nach dem Norden die leise Hoffnung, daß ihr Jemand begegnen könne, der sie von dem Wohlsein des alten Herrn unterrichte. Es war Adelinens Wunsch, so lange von Hause wezzubleiben, und Frau van Mossel meinte einmal, sie werde wohl nur zurückkommen, um sich ihren Eltern und Freunden als die Braut eines flotten Berliner Lieutenants vorzustellen. Der Gutsbesitzer lächelte behaglich und erwiderte:Dann würde doch vorerst der Papa der Vertraute seiner Adeline sein. Sie ist ein sehr schönes Mädchen geworden, und das Gaffen und Anstarren, wo ich mich nur mit ihr zeigte, wurde dem Mädchen höchst lästig.