„Sie hat es aber doch bemerkt?“ fragte Frau van Mossel mit einem feinen Lächeln.
„Sie mußte wohl; denn die bunten Herren machten ihre Be⸗ wunderung zu auffällig,“ sagte er achselzuckend. (Fortsetzung folgt.)
Ruf den Wassern.
Novelle von Konrad Telmann. (Fortsetzung.) Es leuchtete ein unheimliches Feuer in ihren starr auf ihn ge⸗ richteten Blicken. Ein leichtes Frösteln überlief ihn, aber er er⸗
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wir am schnellsten zum Ziele kommen würden und während Du mich treulos glaubtest, hat mich kaum ein anderer Gedanke be⸗ schäftigt, als der, wie ich Dir meine Treue beweisen könnte.— Böses, liebstes Kind! Wie unnöthig hat sich da Dein kleines Herz wieder gegrämt und gemartert.“—
Er sprach weich und schmeichelnd und wie er nun seine Hände gegen sie ausstreckte, legten sich die ihren hinein und ihr Kopf sank willenlos an seine Schulter.„Joseph“, sagte sie, die Augen schließend, „diese Stimme hat mich schon so oft zur Ruhe gesprochen— ach, warum hat sie solche Gewalt über mich?“ a
Er streichelte ihr die heißen Wangen, ein bernhigter Athemzug enthob sich seiner Brust und er erwiderte zärtlich:„Bereust Du's, kleine Thörin? Aber ich könnte, gerade wie Du, sagen: Warum
haben diese Augen selchen Zauber auf mich, daß ich den ganzen Tag
Zureden hilft!
zwang ein Lächeln auf seine Lippen und sagte in völlig verändertem Ton:„Wunderliches Kind! Glaubst Du denn wirklich, daß ich Dich
verlassen könnte, daß Alles, was ich Dir von meiner Liebe und
unserer Zukunft vorgeplaudert, Lüge gewesen? Sieh, warum käm' ich dann noch alle Tage über den See und suchte die alte Weide auf und küßte Dich und sagte Dir, daß ich Dich liebe? Mich zwingt nichts dazu, als mein Herz, Alba. Was für ein wildstrotziges, un⸗ gestümes Kind Du bist, Liebste und wie weit Deine Leidenschaft— lichkeit Dich fortreißt! Du schleuderst mir Deine Vorwürfe entgegen, noch ehe ich Dir meine Schuld bewiesen habe. Wer spricht von Treu— losigkeit, von Verrath und Verlassen? Nur so hastig wie Du es
verlangst, läßt sich das Alles nicht ordnen, dazu bedarf es Zeit und
Ueberlegung.— Sieh, ich bin der Sohn eines alten, adeligen Ge— schlechts und Du weißt, welche Gesetze für uns gelten. Ich kann sie nicht brechen in dem Augenblick, wo Du mir zurufst: Ich will! Solche Dinge wollen langsam reifen, wenn sie gut enden sollen. Lange bevor Du mich gemahnt hast, hab' ich daran gedacht, wie
keinen anderen vernünftigen Gedanken zu fassen vermag, als den: wann werden sie mir für immer leuchten? Wenn Du wüßtest, Liebste, wie ich gesorgt und gedacht habe, während Du mich treulos glaubtest, wie ich manchen schweren Kampf bereits— ach, was red' ich Dir davon? Ich will ja keinen Dank dafür, ich that's ja um meiner selbst willen. Nur das Verkanntsein trägt sich schwer, wenn man Dank verdient hätte.“
Sie schmiegte sich inniger an ihn und sah mit der gleichen, bewundernden Liebe zu ihm auf, wie in früheren Tagen.„Verzeih' mir, Joseph“, sagte sie leise,„aber in der Einsamkeit kommen die schlimmen Gedanken und dann: ich habe nicht Zeit, zu warten.“
„So muß ich die Sache beeilen, wie es eben geht“, fiel er ein. „Du hast Recht, das zu fordern.“
„Wie Du jetzt anders sprichst, als vorhin, Joseph!“
„Weil Du es auch thust, Liebste.“
„Du hast also garnicht daran gedacht— es wäre ja auch un⸗ möglich, Du kannst mich ja nicht verlassen.“
Deo


