Ausgabe 
8.8.1886
 
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sagte Frau Klara kopfschüttelnd vor sich hin:Es ist umsonst! Man hört eben auf, Alles für seine Söhne thun zu können!

Die Gondel erwartete sie auf dem Kanal. Sie bestiegen die selbe alle Drei mit den Zeichen hoher Befriedigung, die sich in ihren Mienen ausprägten, und während die Gondel über das Wasser glitt, hielten sie sich eng aneinander gedrängt und hörten nicht auf, sich wechselseitig auszufragen, indeß sie auf ihrer Vorüberfahrt von den Rufen begrüßt wurden:Es lebe Italien! Es lebe Venedig! Es lebe unser Heer!

Kleine Frauen-Zeitung.

Die Mode.

Man bedarf wirklich eines weisen und klugen Führers, ui den ka⸗ priziösen Sprüngen und Mäander-⸗Windungen der Mode zu folgen.

An jedem Tage hat sie eine neue Pbantasie. Sie verwirft heut das, von dem sie gestern entzückt war und wird vielleicht morgen von dem ent⸗ zückt sein, was sie gestern verschmähte.

Wie soll man sich da zurecht finden? Was annehmen? Es ist ein gefährliches Spiel, das die Mode mit ihren Anhängerinnen treibt, und wohl Denen, welche sich nicht blindlings von ihr leiten lassen, sondern die Einsicht haben, zu sichten, zu prüfen, hierbei unterstützt von einem richtigen Geschmack dem sichersten Führer.

Wie aus dem Eingange erhellt, sind viele Phantasieen der Mode von nicht langer Dauer. Andere hingegen entstehen, verschwinden und tauchen dann nach einem Zeitraum wieder auf, um allgemein zu werden.

Dies hat seine Begründung. Zuweilen ist eine Mode zu ercentrisch, 1 sehr entgegen der momentanen Strömung, als daß man sich öffentlich ür sie erklärke; zuweilen erscheint sie unter ungünstigen Verhältnissen: sei es, daß Diejenige, welche sie trägt, sie nicht zur richtigen Wirkung bringt,

sei es, daß man auf eine glänzende Versammlung, auf schönes Wetter ce.

gerechnet, und daß diese Berechnungen fehl geschlagen. Wieder auf anderer Seite machen sich Sparsamkeits⸗Rücksichten geltend, welche die Verbreitung einer Neuheit hindern. Man will das aufbrauchen, was man hat, daraus Nutzen ziehen, und trotzdem man gern die Form seiner Kleider, seiner Hüte ändern möchte, legt Einem doch die Klugheit auf, sich mit dem zu begnügen, was man hat und es, so gut es geht, umzumodeln. Aber der Wunsch, die neue Mode anzunehmen, bleibt, und bei der ersten besten Gelegenheit giebt man ihm nach.

Hieraus folgt, daß manche Mode, welche vor einigen Monaten, ja, vor einem Jahre auftauchte, erst nach Verlauf dieser Zeit eine allgemeine wird.

So ist es mit den hohen Hüten, mit den weiten, drapirten und falten⸗ reichen Kleidern und mit vielen anderen Toilettengegenständen ergangen.

Die hohen Hüte! Sie haben wirklich Proportionen angenommen, deren geringste Uebertreibung sielächerlich machen würde. an kann nicht vorsichtig en bei der Wahl eines modernen Hutes sein, und be⸗ sonders müssen die kleinen Damen sich vor den zu hohen Kopfbedeckungen hüten, da eine solche den Mangel der Analogie, welcher sich durch ihre Statur und die Höhe ihres Kopfes ergiebt, hervortreten läßt.

Seghr beliebt sind die verschleierten Strohhüte, sowohl in Kapote wie in runder Form. Man verwendet dazu vornehmlich den Tüll point d'esprit, den glatten, seidenen Malinestüll und ein weitmaschiges, luftiges, seidenes Guipüre⸗Gewebe, tulle russe genannt, am meisten in Schwarz und Weiß, hin und wieder auch in anderer Farbe. Ein runder Hut mit hohem Kopf aus weißem englischen Stroh und mit geschweifter Krämpe aus ganz grobem, schwarzem Zackenpaillasson zeigte z. B. den Kopf mit schwarzem tulte russe verschleiert, unter dessen Falten sich vorn ein kleiner goldgelber Papagei barg; nur in der vorderen Mitte theilte sich das Spitzengewebe auseinander und ließ die gelbe Brust des Vögelchens hervorleuchten. An einem runden Hut aus schwarzem Zacken-Paillasson wiederum bildete weißer tulle russe sehr schöne Draperieen, deren Wogen vorn zwei reizende Jet⸗ Libellen umflatterten. Hieraus erhellt, wie sehr die Verbindung von Schwarz und Weiß gesucht. a

Im Uebrigen und ich habe dies bereits zu Anfang der Saison an⸗ geführt werden die Blumen in verschwenderischer Fülle auf den Hüten angebracht, und alles Schöne, was wir in unseren Gärten und Wäldern, auf unseren Wiesen und Feldern blühen und emporschießen sehen, findet sich in lieblichen und anmuthigen Nachahmungen auf unseren Kopfbedeckungen wieder. Die Blumen in Dolden, Trauben und Büscheln sind sehr been Sie fallen auf graziöse Weise vom Fond der runden Hüte herab und bilden ebenso elegante wie hübsche Garnituren. Aber auch die Blumen und Blüthen, zu einem Bündel oder mehr vereinzelt zusammengerafft und als Aigrette montirt, erhalten sich in Gunst, und in gleicher Anordnung wird man Früchte tragen. Die rothen und die weißen Johannisbeeren, die schwarzen und die rothen Kirschen sind vielfach gesucht, und als besondere Neuheit füge ich die Schoten vom rothen Piment(spanischer Pfeffer) an, welche man auf eine originelle Weise zu einer Aigrette, einem Piquet oder einem Kränzchen arrangirt.

Also was man auch für andere geschmackvolle Garnituren zu Hüten in Schleifen, Perlen, Federn, in Tüll⸗ und Spitzen⸗Draperieen ersinnen mag: die Blumen haben die Herrschaft für diesen Sommer erobert, und die Hütchen, bestimmt, zur Tanztoilette im Kursaal oder im Kasino ge⸗ tragen zu werden, zeigen insgesammt den Ausputz von Blumen. Zu einer solchen Toilette ist dann der übereinstimmende Vorsteckstrauß, der in legerer Unordnungnatürlich gebunden, unerläßlich. Die gelben Kamillen haben

zu schwarzen und weißen Kleidern noch immer den Vorrang vor den anderen Kindern Floras.

Für die Bäder, den ländlichen Aufenthalt, für die Gärten, die Spazier⸗ gänge am Strande hat man immense runde Hüte aus Phantasie⸗ Paillasson entstehen lassen, so leicht, daß sie fast gar nichts wiegen. Die Krämpe ist niedergesenkt, hochgeschlagen, auf hundert Arten gebogen, hinten und an der Seite aufgestülpt, um vorn ein Visir zu bilden e. Man garnirt diese Hüte mit sehr wenig: mit einer großen Schleife aus brochirter

aze, die zu auseinander gezogenen Schlingen geformt ist und in ihrer

Mitte eine kleine Schmetterlingsschleife aus Band birgt, oder mit gefälteltem oder muschelartig gewundenem Tüll point d'esprit, mit einem Chiffonne aus rahm⸗ oder en Spitzen nebst einem Bündel Wald-, Feld- oder Wiesenblumen, mit einem seidenen Taschentuch lebhafter Farbe, welches originell geknüpft. Das ist das Genre des Ausputzes, das Jeder nach seinem Belieben wählt und modificirt. Die Krämpe ist immer gefüttert, entweder glatt mit Sammet, oder krausgezogen mit Tüll wie ein weißer Meeres- schaum oder wie rohgelbes oder andersfarbiges Moos.

Sie fragen mich betreffs der Schleier um Rath. Man trägt dieselben immer noch kurz, bis zur Hälfte des Gesichts, oder etwas tiefer bis über die Näse, aber nicht ganz bis zum Mund, und arrangirt sie stets unter dem Hut, sei letzterer klein oder groß. Der Seidentüll, glatt, mit großen oder mit kleinen Erbsen, bleibt dazu immer beliebt. Einige Damen wählen farbige Schleier, welche nicht im Einklang mit dem Hut sind. Das ist häßlich. Die rothen Schleier werden von den Aerzten als ganz unzulässig erklärt, da sie den Augen schaden sollen. Am hübschesten und kleidsamsten sind die schwarzen Schleier, welche auch am meisten begehrt werden, doch eignen sie sich allein für schwarze oder schwarz garnirte Hüte. Zu einem Hut, an welchem sich nichts Schwarzes geltend macht, will mir der zu ihm passende farbige Schleier besser gefallen.

Die Kostüme aus Seiden- wie Baumwollen⸗Foulard, aus Satinett und Wollenmuslin werden neuerdings vielfach mit Sammetband garnirt, das als Abschlußrand sich um den hohen gekräuselten Volant wie um die Tunika zieht. Dasselbe wiederholt sich dann um die Revers, Achselbänder, die Passe oder den Matrosenkragen des Leibchens, das einerseits als Blouse mit Gürtel, andererseits mit Schooß oder Schnebbe und mit Falten ar rangirt wird. Man wählt das Sammetband in der dunkelsten Farbe des Stoffes, je nachdem der Grund oder das darauf gedruckte Muster so erscheint.

Nach wie vor erhält sich das Schottisch-Karrirte in der Mode, wenn⸗ gleich es nicht allgemein angenommen wird. Für die Seebäder bereitet man Zephyr⸗Kostüme, einfarbig und schottisch karrirt, den Rock z V. ein⸗ farbig dunkelblau oder rohgelb, abwechselnd in Hohlfalten und flache Falten geordnet, oder mit einem sehr hohen, gekräuselten Volant Louis XV. aus⸗ gestattet. Dazu eine Tunikalaitiere, im Rücken in zwei Zipfel gebunden, 555 aus roth, maronenbraun und rahmgelb karrirtem Zephyr, dort, d. h. zu dem dunkelblauen Rock, aus roth, rohgelb und in mehreren Nüancen blau karrirtem Zephyr. Das Leibchen ist einfarbig, erhält aber vorn einen karrirten Einsatztheil, in Form eines zugespitzen Plastrons, einer schmalen und geraden Weste, glatt und dann schräg genommen, oder es erhält eine gebauschte Chemise Moliere. Lange, karrirte Manschetten begrenzen die einfarbigen Aermel.

Die weißen Toiletten sind für die Strandpromenade wie für die sommerlichen Reéunions wieder sehr gesucht, einerseits in groben Wollenstoffen: Serge, Etamine c., andererseits in leichten Geweben: Voile, Spitzen, Gaze, Crepon, Surah ꝛc. Man trägt sie entweder ganz weiß und dazu weiße Strohhuͤte mit weißer Garnirung, oder man belebt sie durch kapriziöse Schleifen aus farbigem Pikot⸗Failleband oder aus schwarzem Sammetband. Ju den Sommerfesten erhalten die weißen Kleider der jungen Mädchen einen herzförmigen Ausschnitt, zu welchem vorzugsweise ein, schwarzes, vorn einfach in eine Schleife gebundenes Sammetband um den Hals gelegt wird. Aber nicht allein junge Mädchen, sondern auch Damen reiferen Alters haben zu dem herzförmigen Kleiderausschnitt das schwarze Sammetband, ohne weiteren Zierrath als die gebundene Schleife vorn am Halse, lan⸗ genommen.

Größeren Beifalls als je erfreut sich bei der Jugend das Mieder, ebensowohl zur alltäglichen wie zur geputzten Toilette. Es zeigt sich in verschiedenen Formen, verschiedenen Ausstattungen. Hier ist es 11 ge⸗ schnürt, dort vorn geknöpft, hier mit Epaulettes, dort mit Achselbändern versehen, nach oben rund, eckig, in eine Schnebbe geschnitten und im letzten Falle ausgehöhlt. Das Mieder erscheint immer in Sammet, gleichviel ob zu Kleidern aus Baumwolle oder zu solchen aus leichter Wolle, Spitzen oder Seide. Man wählt es vorzugsweise zu kraus gezogenen Blousen oder Guimpes, welche dann um den Halsausschnitt mit dem schon erwähnten Sammetband nebst Schleife abschließen.

Nicht minder vielseitig wie das Mieder gestaltet sich der Gürtel, welchen man einfach und von mittlerer Höhe, mit Schnebbe vorn nebst Schleife, alsoeinture offlcier, d. h. ein wenig an der linken Seite auf die Hüfte niedergehend und hier in eine Schleife geschlungen, und als vor deren Halbgürtel trägt. N

Es scheint sich eine kleine Umwälzung in den Kleiderärmeln vor⸗ bereiten zu wollen. Seitdem die Röcke einfacher in ihrer Ausstattung ge⸗ worden, fängt man an, dem Leibchen eine reichere und mannigfaltigere An ordnung zu geben, kurz, mehr daran zu künsteln, und dies will man auch auf die Aermel übertragen. Schon bereitet man Aermel, deren Obertheil zackenförmig ausgeschnitten und einen anderen Aermeltheil aus Spitzen oder abstechendem Stoff sichtbar werden läßt, ferner den sogenannten englischen Aermel, welcher von der Schulter bis zum Ellbogen weit ist und unterhalb desselben durch ein Bündchen geschlossen wird, und endlich den oben leicht gebauschten Aermel, welcher sich vom Ellbogen ab in eine enge und lange, plissirte Manschette verliert. Man stellt diese Aermel in allen möglichen Geweben her, vorausgesetzt, daß sie leicht sind.

Unter den Sonnenschirmen, welche nützlich, praktisch,

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