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Gottliebe, das taugt wahrhaftig am wenigsten.
h werden die Dornen überwinden,“ f
N. Roland Hartenstein verlangte seit einigen Tagen mit aller Kraft
der Beredsamkeit, mit aller Superiorität seines Willens, daß Gott⸗
liebe ihm in kürzester Frist als sein Weib angehöre. Was kümmerte ihn die herkömmliche Ordnung der Dinge, er war nie gewohnt ge⸗
wesen, nach etwas außer seinen eignen Wünschen zu fragen, und daß er zum ersten Mal bei dem Mädchen auf Widerstand stieß, der er mit seiner Hand doch so viel gab, machte ihn in einer Weise
hartnäckig, die jeden Andern empört haben würde. In ihrer stillen Art hatte Gottliebe immer nur eine Antwort:
„Erst sieh mich, Roland, und willst Du dann, so folge ich Dir und wär's in die Hölle.“
„Phrasen! Phrasen!“ rief er ungeduldig.„Wenn Du mich liebst, wirst Du Dich mir fügen, thust Du es nicht, so liebst Du mich einfach nicht.“
„Ich sollte Dich nicht lieben!“— Ein wehmüthiges Lächeln zuckte um ihren Mund.„Kann ich Dir's mehr beweisen als da⸗ durch, daß ich Dich nicht mit gebundenen Händen an mich fesseln will?“
„Fürchtest Du Einwendungen von Seiten Deiner Eltern?“
„„Mein guter Vater hat wohl schon lange vergessen, daß er noch
eine Tochter besitzt. Gelehrte sind leicht zerstreut, und meine Stief—
mutter und Schwester Marion denken wohl ebenso wenig an mich.“ Sie sagte es ruhig, ohne eine Spur von Bitterkeit im Ton; wäre er nicht so völlig von seinen Wünschen beherrscht gewesen,
hätte es ihn unendlich wehmüthig berühren müssen, aber für feine
Herzensnüanzirungen hatte Roland Hartenstein niemals besonderes Verständniß gehabt. Deshalb nahm er auch hartnäckig den eigent⸗ lichen Faden des Gespräches wieder auf.
„Frauen sollten nicht so eigensinnig sein, es nimmt ihnen ihren höchsten Reiz. Die stärkste Waffe einer Frau ist Schwäche. An uns ist es, zu sagen: ich will! Und ich will! Verstehst Du, Gott⸗ liebe? Ich will!“
Er hatte sie an sich gerissen und hielt sie fest. Dunkel er⸗ glühend barg das Mädchen das Gesicht in den Händen, denn in demselben Augenblick trat Dr. Armstrong mit dem Assistenzarzt ein und blieb augenscheinlich unangenehm überrascht an der Schwelle stehen. Er räusperte sich vernehmlich, aber Roland Hartenstein drehte nur den energisch geschnittnen Kopf über die Schulter und sagte mit der Miene eines Triumphators:
„Nur näher, lieber Doktor! Endlich ist auch sie besiegt, meine spröde kleine Charitas. Wahrlich, keine römische Kaiserin hat mir mehr zu schaffen gemacht. Wie lange dauert es denn mit den nöthigen Papieren. Ich habe keine Ruhe eher, bis sie mein Weib geworden, es dünkt mich, als wäre alles Glück, alles Gute an diese kleine Hand gebannt.“—
Eine Stunde später stand Gottliebe im Privatkabinet ihres
väterlichen Freundes.
„Ich habe widerstrebt, so viel ich vermochte,“ sagte sie in der ihr eignen furchtsamen Art,„mein eigenes Herz habe ich nieder⸗ gerungen, aber nun bin ich zu Ende.— Ich kann nicht mehr.“
Es war gewissermaßen eine Antwort auf die stumme Frage, die sie in seinem prüfenden Blick zu lesen glaubte, der ihre ganze Erscheinung umfaßte.
„Und warum haben Sie das gethan.“
„Was bin ich ihm, was kann ich ihm sein, sobald er sieht,“ sagte sie bekümmert,„er, der die Schönheit vergöttert. Ich bin doch wahrlich nicht blind! Und— nicht wahr— er wird genesen!“
In den matten Augen schimmerte eine unsägliche Seelenpein.
„Gottliebe, Sie waren mir stets die Liebste in meiner Klinik, und ich gebe es ja zu, der Lebensweg, der hier vor Ihnen lag, war nicht sehr reizvoll, aber Kind, Sie tauschen viele Dornen dafür ein.“
„„Was frage ich nach mir,“ stieß sie heftig heraus.„Was liegt an mir! O Doktor, Sie wissen garnicht, was für ein schlechtes egoistisches Geschöpf ich bin! Habe ich doch heiß gebetet um ewige Blindheit für ihn.“ a
„Solche Bitten erhört der Himmel nicht,“ erwiderte der Arzt mit feinem Lächeln.„Nur nicht gar zu subtil im Empfinden sein, Werfen Sie in die andere Schaale all Ihre Aufopferung und Selbstverläugnung, Sie sollen sehen, welche von ihnen dann die schwerste ist.“
„Aber ich liebe ihn ja,“ sagte sie so sanft und demüthig, daß ihr der alte Herr beide Hände entgegenstreckte. i
„Nun denn, diese Liebe geleite Sie durch's Leben, und Sie
sagte er mit Ueberzeugung. Als
sie aber schon draußen war, schüttelte er ganz sorgenvoll den Kopf und sagte laut:„Armes Kind! Armes Kind!“
Roland Hartenstein hatte seinen Willen durchgesetzt. In dem⸗ selben Zimmer, dessen Wände so oft Zeugen seiner Verzweiflung, seines Jammers gewesen, hatte er sich in Gegenwart dreier Zeugen mit Gottliebe vermählt und zwar an dem Tage, der seiner Operation voranging. Es war eine seltsame Hochzeit und ein ungleiches Paar gewesen, das Schwüre ewiger Treue getauscht hatte. Die Braut in ihrem puritanisch einfachen Anstaltskleid hatte statt des Häubchens nur den Myrthenkranz getragen, während der Professor im Frack, mit allen Orden und Ehrenzeichen, den Kontrast zwischen ihnen noch mehr hervorgehoben hatte. Gottliebe zerfloß in Thränen, die halb Kummer, halb Seligkeit waren. Roland Hartenstein lächelte, aber es war das Lächeln eines siegenden Gottes. Von Stunde an war er ruhig geworden. Doktor Armstrong konstatirte mit Be— friedigung den normalen Pulsschlag, der schon seit Wochen gewichen, die gesunde Farbe der Wangen, auf denen nicht mehr Blässe und Röthe jäh wechselten, er schlief sogar in der Nacht sorglos wie lange nicht, und als endlich die entscheidende Stunde kam, zuckte keine Muskel des ganzen Körpers. Es war, als habe sich der Sturm für immer gelegt, der bisher seine Seele durchtobt, und nur eins beunruhigte den Arzt, das war die feste Zuversicht, mit der der Patient des Erfolges gewiß schien, an dem doch er selbst im Ge— heimen zweifelte. Wie würde solch ein Rückschlag auf ihn wirken?
Gottliebe hatte die Nacht in ruheloser Aufregung zugebracht und sie war so blaß und elend, daß der Doktor ihr den Vorschlag machte, sich von einer Andern vertreten zu lassen. Aber davon wollte sie nichts hören.
„An seiner Seite ist mein Platz, heute mehr denn je;“ sagte sie mit leiser Stimme, aber so ängstlich ihre Augen dabei in dem Gesicht des Arztes forschten, es war ihr unmöglich, etwas darin zu lesen. Sie war ja nicht mehr die Pflegerin, sie war das Weib des Kranken.
„Gieb mir Deine Hand, Liebchen,“ hatte Roland verlangt und regungs⸗ und bewegungelos stand sie neben ihm, die Augen fest auf sein marmorblasses Gesicht geheftet, das leblos gegen die Kissen lehnte; fast ohne Athem, gefühllos gegen die Außenwelt, war ihr nur eins bewußt, daß ihr die Pflicht gebot, um Gelingen zu beten, daß sie, derselben gehorchend, dazu Worte suchte und fand, während das rebellische Herz in einer ganz anderen leidenschaftlicheren Sprache aufschrie, als müsse es stürmisch kämpfen um das einzige Glück, das ihm je zu theil geworden. Ob Stunden oder Minuten so dahin⸗ gegangen, sie wußte es nicht. Wie durch einen Nebel sah sie die gebeugten Gestalten der Aerzte sich aufrichten, hörte sprechen, und dann einen Laut wie ein Stöhnen von Roland Hartensteins Lippen.
Erst als Dr. Armstrong ihren Arm berührte und laut und deutlich sagte:
„Er sieht! Er ist gerettet!“ sank sie mit einem tiefen Seufzer zu Boden.
Aus lang anhaltender Ohnmacht erwacht, kam es ihr vor, als habe Jemand ein Todesurtheil über sie ausgesprochen; ein blei⸗ schwerer Druck lastete auf ihrem Hirn und Herzen und erst all⸗ mählich kehrten die Ereignisse der letzten Stunden in ihre Erinnerung zurück. Sie sah den Professor an ihrer Seite sitzen, aber er trug jetzt einen Verband um die Augen und das Licht im Zimmer war durch grüne Vorhänge gedämpft, er kam ihr fremd und verwandelt vor.
„Roland!“ rief sie bebend.
Er zuckte zusammen wie aus tiefen Gedanken herausgerissen und wandte ihr das Gesicht zu.
„Gottliebe, meine Gottliebe, ich sehe wieder.“
„Ja,“ sagte sie und wunderte sich selbst, wie matt und tonlos ihre Stimme klang.
„Und freust Du Dich nicht mit mir? Du, die treue Gefährtin meiner Leidenszeit? O, nun ist Alles, Alles wieder gut!“
Der Jubel, der seine Worte durchzitterte, das stürmische Heben und Senken seiner Brust machte sie ganz elend. Sie fühlte, daß sie sprechen mußte, in seine Freude einstimmen und doch schwieg; sie, senkte den Kopf und schluchzte laut auf.
Er fuhr überrascht auf, dann ergriff er zärtlich ihre Hände und sagte so sanft, wie sie ihn nie sprechen gehört:
„Du bist angegriffen von der Erregung, die Du für mich mit


