Ausgabe 
7.3.1886
 
Einzelbild herunterladen

b ren

RRR

ö

rr

eee e e

e

N

79.

fährten folgten seinem Beispiele.

antastbarer Echtheit wirklich vorhanden ist. Diese Frage zu ent scheiden, bat ich bei einem längeren Besuch in Stockholm um die Erlaubniß, in den Staatsarchiven zum Zweck der Feststellung des Inhalts, Einsicht in das Dokument nehmen zu dürfen. Das Vor⸗ handensein desselben nahm ich als sicher an. Da ward mir an maßgebender Stelle die überraschende Antwort, daß zwar die Sage von der Vision Karl XI. allgemein bekannt in Schweden sei und auch stellenweise geglaubt würde, daß aber das Vorhandensein des erwähnten Dokuments in den Staatsarchiven nicht nachgewiesen werden könne. Hieraus scheint also hervorzugehen, daß, wie dies in ähnlichen Fällen zu geschehen pflegt, die ganze Sage erst ent standen ist, nachdem das in der Voraussagung angedeutete Ereigniß sich erfüllt hatte. Bei der thatsächlich eigenthümlichen Aehnlichkeit der politischen Verhältnisse der um hundert Jahre, 1692 und 1792, von einander getrennten Zeitperioden lag es gewiß ziemlich nahe, eine Sage wie die erzählte zu erfinden und auch an dieselbe zu glauben. b

Aber auch, wenn wir den noch immer denkbaren Fall annehmen, dieses oder ein ähnliches Dokument sei wirklich vorhanden, so liefert darum diese Thatsache noch immer keinen Beitrag zum Wunder glauben. Die Möglichkeit einer ganz natürlich sich ergebenden Vision haben wir nachgewiesen, es läßt sich nun wohl denken, daß in den Zustand normaler Ruhe und Ueberlegung zurückgekehrt, wohl von irgend einer Seite, vielleicht von König Karl XI. selbst, das beruhigende Wort gefallen ist:Solches kann sich wohl zutragen, aber nicht jetzt später einmal vielleicht nach hundert Jahren wie dieses Wort denn auch der Nachwelt überliefert wurde. Da nun diese Betrachtung, denn nur um eine solche handelt es sich alsdann sich wirklich nach hundert Jahren erfüllte, was in jenen Zeiten, in denen Mord und grausame Hinrichtungen noch zur Tages ordnung gehörten, weiter nicht Wunder zu nehmen hat, so wurde der Aufzeichnung die Bedeutung einer politischen Weissagung nach träglich noch aufgestempelt; während, wenn sich kein Ereigniß solcher Art begeben hätte, dieselbe einfach der Vergessenheit anheimgefallen wäre und man nur über die Thoren gelächelt haben würde, die derselben Glauben schenken konnten.

ue lölter⸗

Unerwarteter Besuch.(Siehe Illustration). Kein Spielzeug macht Kindern mehr Freude als junge Katzen oder Hunde. Kleine Mädchen nehmen mit Vorliebe das zarte, possierliche und geschmeidige Kätzchen unter ihren Schutz, während Knaben sich in dem jungen Hunde einen Freund heranzuziehen bemüht sind. Unser Bild zeigt drei kleine Mädchen, welche in der Scheune eine Katzenfamilie pflegen. Plötzlich ist ein Zicklein herein getrabt. Sein Erscheinen ruft keine geringe Aufregung bei den Katzen und bei den Kindern Verwunderung hervor. Das Zicklein selber stutzt beim Anblick der Gruppe, doch ist kaum anzunehmen, daß ein Konflikt zwischen dem unerwarteten Gast und der Katzenfamilie entstehen wird, da die kleinen Mädchen durch das Zusammentreffen belustigt zu sein scheinen. Die an⸗ muthige Gruppe hat der Genremaler W. Schütze gezeichnet. Dem Bild ist ein idyllischer Reiz nicht abzusprechen. R. E.

Ein Goldfund. Vor einem Zelte, das auf einer Waldblöße der Gold felder von Viktoria errichtet war, saßen am 10. Juni 1858 vier Männer, die mehrere Monate in demselben Bezirke gearbeitet hatten, ohne mehr, als ihre täglichen Bedürfnisse betrugen, zu erwerben. Die letzten Wochen hin⸗ durch batten sie sogar ohne jedes Ergebniß gearbeitet, und nicht ein Korn des edlen Metalls gesehen. Bis jetzt hatten sie jedoch gehofft, sie würden am folgenden Tage einen Fund thun. Nun hatten sie die trügerische Hoffnung aufgegeben; der Händler hatte jeden weiteren Kredit versagt, und sie faßen selbst ohne Tabak und Brot.Es geht nicht länger, sagte der EineDu hast Recht, meinte der Andere,wir können nicht mit leeren Pfeifen arbeiten.Ich bin der Meinung, bemerkte der Dritte,wir holen uns morgen unsere Werkzeuge herauf und versuchen es auf einer anderen Stelle. Am folgenden Morgen, ehe noch ein anderer Goldsucher sich von seinem Lager erhoben hatte, stiegen drei von den Männern in den alten Schacht, der vierte blieb oben an der Winde. Als sie unten ange⸗ kommen waren, schauten sie sich betrübt um; es wurde ihnen schwer, von der Mine zu scheiden, ob sie auch viele nutzlose Arbeit hier verschwendet hatten.Leb wohl! rief einer und schlug wie 111 Abschiede auf den Quarz, daß die Splitter in allen Richtungen umherflogen. Da sah er einen glitzernden Fleck in einem Stücke zu seinen Füßen. Er blickte dann auf die Stelle, die er getroffen und 115 110 auf; n e 15

egen. arauf fing er seine Pike tüchtig zu gebrauchen an. Seine Ge⸗ r g 15 Nach 119 5 Viertelstunde tönte ein froher Ruf in das Ohr desjenigen, der an der Winde stehen geblieben war.Was giebt es? rief er herunter.Winde auf! scholl es zurück. Das Ergebniß

war ein Goldklumpen, für den ihnen die Bank von Viktoria 11 390 Pfd. Sterl. zahlte. Zwei Tage darauf gelang ihnen noch ein Fund, der gegen fünftaufend Pfund ihnen einbrachte. Auf diese Nachricht hin strömten Tausende von Goldsuchern der alten Mine zu. In wenigen Wochen waren der Wald und das Gestrüpp beseitigt, wo sich die Waldblöße befand, erhob sich eine schöne Stadt mit ungeheuren Magazinen und Läden. Der alte Schacht gab jedoch nur so viele Ausbeute, um die Hoffnung der herbei geeilten Goldgräberschaaren nicht sogleich zu Schanden werden zu lassen. Unter ihnen befanden sich aber die vier glücklichen Finder nicht; ö

sich in der Stadt niedergelassen, um als Kaufleute dort zu leben. Jetzt sind ihre Geschäfte die größten auf den Goldfeldern und verleihen der

gadt Cassel hauptsächlich ihren Glanz. N e

Schauspieler und Musiker. Thomas Pinto war nach dem Ausspruche Pach's und Abel's der größte Violinspieler der damaligen Zeit. In seinen Nagios entwickelte er eine so große Empfindung, daß alle Herzen davon ergriffen wurden, während seine Capriccios den Scherz in unverhülltester Form zeigten.Was Andere durch monatelange Uebung erst erreichen, scheint ihm zuzufliegen, sagte Bach von ihm,er überfliegt ein Konzert und spielt es fehlerlos, meisterhaft aber, wenn er es wiederholt. Bei 7 5 großen musikalischen Talent, das sich auch im Dirigiren der Oper zeigte, besaß er jedoch kein Gefühl für andere Künste. Die schönsten Gemälde ließen ihn kalt und zu Milton's verlorenem Paradiese sagte er, er lang weile sich daran. Als er im Drurylane-Theater die Orchesterdirektion besaß, schlief er selbst während des Spieles des großen David Garrick. Dieser fühlte sich davon beleidigt und fragte ihn:Kann Sie der Lear oder Hamlet oder Macbeth nicht wach erhalten?Nein, Sir, war die Antwort.Werden Sie von dem Schicksal Romeo's und Julia's nicht schmerzlich berührt?Nein, Sir!Es schreckt Sie auch nicht Othello's Eifersucht??Nein, Herr!Sie sind also ein für die Kunst der Bühne abgestorbener Mann.Ja, Sir!Dann gehen Sie zum Teufel.Seien Sie nicht unwillig, Sir; ich werde mich munter zu sein bemühen.Wir wollen sehen. Am nächsten Tage wird der Konten von Venedig gegeben. Pinto leitet die zum Eingang ge spielte Musik meisterhaft; kaum jedoch beginnt das Drama, so wird er müde. Er reißt die Augen auf es hilft nichts; er kneift sich in die Schenkel es hilft auch nichts. In der Gerichtsszene kann er sich nicht mehr halten, er gähnt einmal, zweimal. Garrick sieht es, unwillkürlich theilt sich ihm die krampfhafte Bewegung der Backenknochen mit. Er kämpft da⸗ gegen an; aber da gähnt Pinto wieder, und im tragischsten Moment kann der größte Schauspieler der Erde nicht widerstehen er gähnt auch. Das hieß dem Faß den Boden einschlagen; der gewaltige Tragöde läßt Pinto kommen.Sir, was haben Sie gethan? fährt er ihn zornig an.Sie haben mich zum Gähnen hingerissen, Sie haben mir die Szene verdorben. Pinto seufzte:Ich glaube es wohl, aber ich bin nicht schuld.Und wer denn sonsteSie selbst! Sie verboten mir, zu schlafen, und ich kämpfte gegen das Schlafen an; gegen das Gähnen vermag die Menschheit nichts. Sie haben das an sich selbst erfahren. Garrick schwankte zwischen Zorn und Heiterkeit; endlich rief er aus:Zum Teufel! dann schlafen Sie lieber, Sir.Werde nicht verfehlen, von der Erlaubniß Gebrauch zu machen, erwiderte Pinto und kam dem auch richtig nach. W. G.

Der Laufsport. Nach den Berichten der Alten konnten die sogenannten Hemerodromen, die Läufer von Profession bei den Griechen, einen ganzen Tag ohne ermüdet zu werden, laufen. Antistius von Lacedämon und Philonides, die Läufer Alexander des Großen, sollen, wie Plinius schreibt, in 24 Stunden einen Weg von 1200 Stadien(45 Stadien= geo⸗ graphische Meile) zurückgelegt haben(2). Plutarch erzählt in seinem Leben des Aristides, daß der Läufer Euchidas, welcher in einem Tage die Strecke von Platää nach Delphi hin und zurück gelaufen sei(eine Entfernung von über 22 Meilen), einige Minuten nach seiner Rückkehr den Geist aufgegeben habe. Plinius und Martial erwähnen ferner eines jugendlichen, neun Jahre alten Läufers Athas, der unter dem Consulate des Fontejus und Vipsianus lebte und von Mittag bis Abend einen Weg von beinahe zwölf Meilen ablief. Ein Läufer der Hensehse von Weimar Namens Focke lief im Jabre 1776 neununddreißig Meilen in 24 Stunden und hielt dabei nur einstündige Rast in Karlsbad, wo er seine Depeschen abgab und die Be⸗ antwortung derselben abwartete. Der Läufer des Intendanten d'Etigny legte die Strecke von Bayonne nach Paris(223 Lieues) in 42 Stunden zurück. Wo bleibt da Fritz Käpernick? R. F.

Ein Wort Friedrichs des Großen. Der oft wiederholte Ausspruch des großen Preußenkönigs:In meinen Staaten kann Jeder nach seiner Fagon selig werden, gewinnt für unsere Tage eine um so größere Bedeutung, da der Ursprung derselben auf eine Thatsache zurückzuführen ist, die mit dem gegenwärtigen Streit über Simultanschulen in sehr naher Verbindung steht. Am 22. Juni 1740 ward dem jungen Könige von dem Staatsminister von Brand und dem Konsistorialpräsidenten von Reichenbach berichtet, daß in den katholischen Schulen, welche für die Kinder der katholischen Soldaten in Berlin angelegt worden, allerlei Gelegenheit zur Proselytenmacherei ge⸗ geben sei. Es habe dies der Generalfiskal Uhden am 12. d. Mts. an⸗ gezeigt und sie fragten nunmehr also an, ob die römisch⸗katholischen Schulen bleiben, oder welchen anderen Bescheid sie Uhden geben sollten. Der König schrieb darauf an den Rand wörtlich:

Die Religionen müssen alle toleriret werden, und muß der Fiskal das Auge nur darauf haben, daß keine der andern Abbruch thue; denn hier muß ein Jeder nach seiner Fagon selig werden. R. F.

4 5 .

ie hatten

8 0

f

8 9