Ausgabe 
7.2.1886
 
Einzelbild herunterladen

8

D N

Fest betheiligt, und dafür lange Zeit in Untersuchung sitzen und war der Hauptredner derselben und wurde damit der Führer der

sein Studium aufgeben müssen. Endlich hatte er nach langer Be- Bewegung. Der Herzog bewilligte Alles: Preßfreiheit, Versamm⸗

2 1

mühung eine Stelle im Turn und Taxis schen Postdienst gefunden. lungsrecht, eine Verfassung und ließ die Wahlen zu einem konsti⸗ d Er hatte ein Blatt in der bebenden Hand. Es war die Mann⸗ tuirenden Landtag ausschreiben. Ich wurde in' der Hauptstadt als 50 heimer Abendzeitung. Kandidat aufgestellt und gewählt. Kurze Zeit darauf fand meine 0 Revolution in Paris, stieß er in kurzen, abgerissenen Sätzen Verlobung mit Iduna statt. Diese politischen Ereignisse nahmen a hervor,Ludwig Philipp verjagt... Der Thronsessel verbrannt... mich indessen so in Anspruch, daß ich nur selten Zeit gewann, mit 1 0 Die Republik proklamirt. meiner Braut zusammen zu sein. Aber sie schien darüber nicht un⸗ 1 Wir starrten ihn sprachlos an, ungläubig wie Thomas, als ihm gehalten. Lächelnd und kokett antwortete sie mir, wenn ich mich. die Jünger sagten, daß sie den auferstandenen Christus gesehen wegen meiner seltenen Besuche in dem elterlichen Hause entschuldigte, en hätten. Aber da stand es in kurzen, gedrängten Sätzen in dem das sei ja erklärlich, daß ich mich nicht mit ihrer kleinen Person be. Mannheimer Blatte und bald darauf kamen ein paar Kaufleute, schäftigen könne, da mich Regierungssorgen in Anspruch nähmen. l 10 welche gleiche Nachrichten empfangen hatten. Eine leidenschaftliche Die Mutter, eine unbedeutende eitle Frau, sah mich allen Ernstes 1 Aufregung bemächtigte sich unserer Geister. Daß die Flamme herüber- schon als Minister des kleinen Landes und meinte, es würde mir schlagen würde über 5 dann ein Leichtes den Rhein und den 708 1 sein, ihrem Manne, 0

alten bundestäglichen Polizeistaat in Brand stecken würde, dessen waren wir ge wiß. Die nächsten Tage und Wochen brachten eine Bestä⸗ tigung unserer Hoff nungen. In Baden, in der Pfalz, in Wien und Berlin, in Sachsen, in Thü⸗ ringen, überall regte sich der gewaltsam unterdrückte und ge⸗ knebelte Volksgeist, der sich nach Freiheit und Luft sehnte. Auch in meinem Heimathslande er⸗ wachte das Volk aus der dumpfen Gleich⸗ müthigkeit und fei⸗ gen Ergebung in ein Joch, in welches Met⸗ ternich und seine Hel⸗ fershelfer uns Alle

gezwängt hatten. Durch Frank's Stimme bebte bei

diesen Worten ein Nachklang jenes Ju bels, in welchen das deutsche Volk im Frühling von 1848 ausbrach. Von sei⸗ ner Stirn und aus seinen Augen leuch tete ein Abglanz der idealen Begeisterung jener Zeit.

Unser Gastfreund hielt einen Augen⸗ blick inne und drückte die Rechte gegen die kranke Brust und das hochklopfende Herz. i

Wir baten ihn, sich zu schonen. Die Exinnerung errege ihn und er bedürfe der Ruhe. Er schüttelte traurig lächelnd das Haupt. Ruhe werde ich bald für alle Zeiten haben und meine Nerven haben so viel aushalten müssen, daß sie auch diese Erregung noch vertragen.

Ich will, erzählte er dann weiter,Ihnen hier nicht die Geschichte der Bewegung von 1848 erzählen. Sie ist Ihnen in ihren großen Zügen so gut be ennt wie mir. persönlichen Betheiligung an ihr will ich sprechen. Die Bevölkerung in der Residenz gerieth in eine dumpfe Gährung. Eine Menge Forderungen und Wünsche wurden laut. Aber es war Alles plan los ohne bestimmte Ziele. Eine Volksversammlung fand statt. Ich

Louis Pasteur.

Nur von meiner

dem Kommerzien⸗ rath, den Adel zu verschaffen. Der Va⸗ ter war ein tüchtiger Kaufmann. Aber von Tochter und Mutter angesteckt, sah er auch in der Verbindung Iduna's mit mir den Weg zu äußeren Ehren. Daß ich dieses Verhältniß nicht löste in dem Augenblick, in dem ich erkannte, daß eine große, un⸗ überbrückbare Kluft meine Anschauungen von denen meiner Braut und meiner Schwiegereltern trennte, war ein schwerer Fehler. Ich habe ihn gebüßt. Aber die öffentlichen Ereignisse nahmen mich so gefangen und Iduna war bei alle⸗ dem so reizend, so liebenswürdig, sie wußte mich so durch tausend kleine Künste weiblicher Gefall⸗ sucht zu fesseln, daß ich nicht den Muth zu einem Bruche fand. g Gerade um dies Zeit wurde ich von dem Landtag des Her⸗ zogthums als Ab⸗ gesandter nach Frank⸗ furt am Main ge⸗ schickt, um dort die deutsche Centralgewalt als Schiedsrichterin anzurufen in einem Streite, der zwischen der gewählten Volksvertretung und der herzog lichen Domanialverwaltung über gewisse Anrechte des Staates auf einzelne Domänen entstanden war. (Fortsetzung folgt.)

Louis Bafteur und Nobert Koch, die Forscher auf dem Gebiet des Mikro-Organismus.

In dem Kampfe gegen den unerbittlichen und auch unbesiegbaren Feind aller Menschen, in dem Kampf gegen den Allbezwinger Tod hat es der Menschheit niemals an Führern gefehlt. Seit jenen

angeblich mit Zauberkraft ausgerüsteten Heilkünstlern, von denen

5

eee eee