Ausgabe 
5.9.1886
 
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betrachtete. Dann sagte sie mit spöttischem Ton:Nun, mein Herr, wollen Sie auch jetzt noch bei mir um Martina's Hand werben?

Ihr Name war auch damals schon Martina? fragte er statt der Antwort.

Nein, es war der Name meiner Enkelin, der mir lieb war und den ich ihr gab, weil ich alle Erinnerungen an die Vergangenheit verwischen wollte. Ihre Eltern waren ja Franzosen, so hatte sie auch einen französischen Namen: Jeanne.

Mit einem dumpfen Aufstöhnen verbarg Heddenheim das Gesicht in den Händen. Frau von Hartwitz beobachtete ihn mit einer Art von Neugier; was traf ihn eben in diesem Namen so erschreckend? Er hatte sich schnell gesammelt und richtete sich leichenblaß auf.

Ihre Mittheilungen, gnädige Frau, begann er mit gepreßter Stimme, doch ruhig,trafen wunderbar mit dem zusammen, was ich Ihnen zu eröffnen hatte. Kurz vor seinem Tode sagte mir mein Oheim, daß er vermählt gewesen und daß nach kaum Jahresfrist seine Frau mit einem andern Manne entflohen sei und ihr kleines Mädchen mit sich genommen habe. In der tiefen Erbitterung über die ihm angethane Schmach hatte er keinen Schritt gethan, ihrem Verbleib nachzuforschen, sondern hatte nur sofort London, wo er damals gelebt, verlassen. Seine Gattin hieß Blanche, seine Tochter Jeanne, der Entführer: Renard.

Oh, rief Frau von Hartwitz,ist es möglich! Martina die Tochter Ihres Oheims!

Erst in der letzten Zeit seines Lebens war der Gedanke an seine Tochter und vielleicht auch an das Unrecht, das er ihr zugefügt, in ihm wach geworden, fuhr Heddenheim leise und rasch, als ob ihm das Sprechen schwer werde, fort,dennoch wollte er meinen dringenden Bitten, Nachforschungen nach dem Mädchen, seiner rechtmäßigen Erbin, anzustellen, nicht nachgeben, verpflichtete mich nur, falls Jeanne einmal meinen Weg kreuzte, für sie zu sorgen. Er dachte sie sich wohl in Noth und Elend, ahnte nicht, wie gütig das Schicksal ihr gewesen war. Sie begreifen, daß ich mich seitdem nicht mehr im sichern Besitz des Heddenheimschen Vermögens fühlte und die Absicht hatte, mich niemals zu vermählen, niemals die Zukunft einer Frau mit meinem unsichern Loose zu verknüpfen; deshalb kam ich von dem Augenblick an, als ich mir meiner Liebe zu Martina bewußt wurde und bei ihr das gleiche Gefühl voraussetzen durfte, nicht mehr nach Ornshagen. Dem gestrigen, unerwarteten Wieder⸗ sehen gegenüber reichte meine Kraft nicht aus und so ist das Ver⸗ hängniß über uns gekommen, ein Verhängniß für uns Beide, denn ich bekenne mich geschlagen, gnädige Frau, ich stehe vor einem, selbst für meine Liebe Unüberwindlichen, das Schreckgespenst dieser Mörderin würde mich wie ein Fluch verfolgen und mir keinen Augen blick des Glückes und der Ruhe gönnen. Ich kann mich, meinen seit einem Jahrhundert geachteten Namen, mit diesem Weibe nicht in Beziehung bringen. Freilich er ist es schon sie war ja eine Heddenheim o es ist grausig, entsetzlich!

Frau von Hartwitz hatte ihn ruhig zu Ende sprechen lassen, sie empfand Mitleid mit ihm, sie konnte sich in das Gefühl des Mannes versetzen, der einen Fleck auf seinem stolz getragenen Namen entdeckt und sich plötzlich in Verwandtschaftsbeziehungen zu einer Mörderin findet.

Es thut mir leid, daß ich es sein mußte, die diesen Schlag gegen Sie führte, sagte sie jetzt,doch bedenken Sie, daß ich auch mein Kind damit zugleich getroffen habe.

Heddenheim war aufgesprungen und durchmaß in stürmischer Erregung das Zimmer, dann blieb er vor Frau von Hartwitz stehen. Ich kann Martina nicht wiedersehen, mir fehlen dazu Muth und Kraft und auch für sie ist es besser, wenn sie durch Sie Alles er fährt. Sie werden ihr mittheilen, was ihr ja nicht verschwiegen bleiben kann die Schande ihrer Mutter und dann daß sie jetzt die Besitzerin des Vermögens ihres Vaters ist. Ich werde sofort Alles einem Rechtsanwalt übergeben, Sie, gnädige Frau, werden ja für Martina das Geschäftliche besorgen, ich werde, sobald Alles so weit geordnet ist, abreisen weit fort Sie erfahren wohin. Es ist ja Alles noch wie ein Chaos in mir, ich kann es mir selbst noch nicht klar machen dies ist vorläufig nur das, was aus dem wüsten Durcheinander auftaucht als das Gewisse und Nothwendige, mit der Zeit wird es festere Form annehmen.

Und Sie werden dann einsehen, daß, was Sie mir da eben gesagt haben, der pure Unsinn ist, fiel Frau von Hartwitz ein. Martinas Vater hat sich um sein armes, unschuldiges Kind nicht

gekümmert, hat es unbedenklich in den Händen einer schlechten Mutter gelassen, ohne nach der Pflicht zu fragen, die er gegen das arme kleine Geschöpf hatte. Es that mir leid, daß meine Menschen kenntniß mich diesem Manne gegenüber, den ich für ungewöhnlich brav und zuverlässig hielt, getäuscht hat.

Er war es, unterbrach sie Heddenheim.

Pah, er hat seine nächste Pflicht versäumt, war also auch wieder Einer von denen, welche die Welt rechtschaffen nennt, ein guter Bürger und dergleichen, wie es so auf der Oberfläche liegt und um diesen vielwerthen Schein zu wahren, hätte er sein Kind im Sumpf verkommen lassen, wenn das Schicksal es nicht besser mit ihm im Sinne gehabt. Und nun sollte Martina aus Ihrer Hand nehmen, was der Vater ihr nicht zugedacht, sollte Sie um einen Besitz bringen, der Ihre Existenzbedingung ist ah bah, Sie können das im Ernst nicht meinen!

Sie, gnädige Frau, können ebenso wenig meinen, daß ich im Besitz bleiben soll, wenn die rechtmäßige Erbin da ist, rief Heddenheim heftig.

Lassen Sie doch das arme Kind wenigstens in Unwissenheit; ist es nicht genug, daß sie schon ihre Liebe opfern muß, soll sie nun auch noch erfahren, daß ihre Mutter eine Verbrecherin war, und ihr Vater gestorben ist, ohne seinem Kinde nachzufragen? Wollen Sie denn ihr Leben vergiften? den Liebesschmerz wird sie ja über⸗ winden, sie ist nicht das erste Mädchen, das entsagen muß, das Andere ich zweifle, daß Martina's Stolz das ertragen würde!

Heddenheim hatte sich auf den Stuhl geworfen und den Kopf in die Hand gestützt.Wenn ich denke, daß wir unser Glück, unsere Liebe, vielleicht einem Nichts opfern, einem Spuk, daß die Frau vielleicht nicht mehr lebt; gönnen Sie mir Zeit, lassen Sie mich's überlegen, mich an den Gedanken, die entsetzliche Möglichkeit gewöhnen!

Frau von Hartwitz schüttelte energisch den Kopf.Davon kein Wort mehr, mein Herr Heddenheim. Jetzt setze ich Ihrer Werbung ein energisches Nein entgegen. Martina's Glück soll nicht auf so unsicherem Boden stehen; es könnte ja leicht morgen oder über's Jahr der Augenblick kommen, wo Sie bereuten, was Sie gewagt und dann würde Martina es empfinden, sie würde dann entgelten müssen, was sie nicht verschuldet hat. Ich gebe Ihnen ihre Hand nicht, Martina wird den Schmerz überwinden, sie ist ein starkes Mädchen und Sie werden ihn auch überwinden, fügte sie kurz hinzu, während sie sich erhob.

Sie wollen gehen? Um Gotteswillen, das kann nicht der Schluß sein, rief Heddenheim,wir sind noch nicht zu Ende!

Wir sind zu Ende Martina darf nicht erfahren, wer ihre Eltern waren.

Und was wollen Sie ihr sagen?

Das lassen Sie meine Sorge sein.

Und ich soll die Last eines Besitzes tragen, der nicht mein ist unmöglich!

Frau von Hartwitz zuckte die Achseln.Sie werden sie tragen, es bleibt Ihnen auch keine Wahl, um Martina's willen. Leben Sie wohl, ich muß Ihnen leider sagen, daß ich es bedaure, damals Ihre Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Ich wünschte für Martina, wir wären uns niemals begegnet.

Gnädige Frau, Sie zürnen mir

Zürnen? Bewahre, ich wußte ja, wie es kommen würde, ich habe mich keinen Augenblick darüber getäuscht und nun also, adieu.

Sie hatte sich unterdeß mit Hut und Tuch versehen und verließ mit einem steifen Kopfnicken, ohne ihm die Hand zu bieten, das Zimmer.

Heddenheim sank wie vernichtet, auf den nächsten Stuhl. Sein Glück war dahin, Martina's Liebe verloren! Wie er auch nachdachte und mit sich rang, er hatte nicht anders gekonnt, und doch hatte er das unzweifelhafte Empfinden, daß er Frau von Hartwitz' Achtung eingebüßt. Wenn er sich die Möglichkeit vergegenwärtigte, daß Martina's Mutter, die doppelte Verbrecherin, die Mörderin, zurück kehrte, ihren Gatten oder dessen Erben suchte und die Tochter fand nein, um Martina's selbst willen war es besser nothwendig, daß sie sich trennten! i

(Fortsetzung folgt.)

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