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„Meine Mutter nannten sie die schöne Marianne, wer mein Vater war—“ sie zuckte die Achseln,„ich weiß es nicht. Ich bin Blanche, einen anderen Namen habe ich nie gehabt.“
„Und Deine Mutter?“ forschte er weiter.
„Sie war Kunstreiterin; wir zogen von einer Bande zur andern, ich mußte früh mithelfen, dann wurde meine Mutter alt und häßlich, man konnte sie nicht mehr brauchen, sie blieb irgendwo zurück in einem Armenhause, ich ging mit der Truppe mit, wir haben nicht einmal Abschied von einander genommen.“
„Armes Kind,“ sagte er zärtlich.
„Warum davon reden,“ fuhr sie, sich an ihn schmiegend, fort, „das ist Alles garnicht schön, Du siehst, sie hat mich nicht geliebt, ich nicht sie, Du, Du bist der erste Mensch, der mich liebt, den ich liebe, darum wohl ist es so unaussprechlich schön, darum liebe ich Dich so ohn' alle Grenzen!“(Fortsetzung folgt.)
An diesen Zepfeln möcht' sich's wohl laben, Die schöne Schale zum Spielen haben.
Mutter und Sohn. Novellette von Cordelia, deutsch von Konrad Telmann. J. „Wie sie eitel geworden ist, meine Herrin, das ist in ihrem Alter geradezu unglaublich!“ sagte Marietta, die Kammerzofe der
Frau Klara Orlandi, während sie sich vom Fenster aus mit einer
ihrer Freundinnen unterhielt, die gerade gegenüber wohnte.
„Klag' doch nicht überflüssig,“ erwiderte ihr die Andre.„Ich sage es Dir ja immer, daß Du für die Zeit, wie sie jetzt ist, mit dem Hemde geboren bist und daß bei den Herrschaften, wie sie heute Mode sind, Hopfen und Malz verloren ist. immer noch eins von den besten.“ f.
Man muß wissen, daß dieses Zwiegespräch zu Venedig statt. fand, in einer von jenen ganz engen Gäßchen, wo man sich mit denen, die gegenüber wohnen, die Hand reichen kann und wo man sich in aller Bequemlichkeit von einem Balkon bis zum andren zu unterhalten vermag, ohne die Stimme sonderlich anstrengen zu müssen.
„Wenn Du wüßtest, welche Geduld ich mit dieser Frau Klara haben muß!“ fügte Marietta hinzu,„man muß es sehen, um es zu glauben. Stelle Dir vor, daß sie den ganzen Morgen vor dem Spiegel sich striegelt und schniegelt, und wehe, wenn das Kleid ihr nicht wie angegossen sitzt, wenn ihr ein graues Haar irgendwo herausguckt oder wenn die Unterröcke nicht gehörig gestärkt sind! Und mich läßt sie mit diesen Narretheien meine ganze Zeit verlieren, sodaß ich nicht ein einziges Mal frei aufathmen kann, um im Laufe des Tages einmal hierher zu kommen, und die Leute zu betrachten, die vorübergehen, oder mit Dir ein Dutzend Worte zu schwatzen.“
„Und über etwas so Geringfügiges beklagst Du Dich? Wenn Du doch Frau Katharina ein bischen näher kenntest! Ich kann Dir nur sagen, daß Du es da nicht einen Tag aushalten würdest. Ja, wenn ich nur erst eine bessere Stelle gefunden habe, dann laß ich sie schönstens grüßen. Nimm doch einmal an, daß sie den ganzen
Haus Orlandi ist
Tag nichts thut, als brummen, und daß sie niemals mit irgend
Doch wenn sich's auch den Kopf zerbricht: „Die kriegt es nicht! Die kriegt es nicht!“
etwas zufrieden ist. Dabei ist sie von einem ganz außerordentlichen Geiz, sie mißt den Kaffee, sogar das Brod, das sie ißt, und dann hat sie die Dreistigkeit, ein Kleid sich selbst vier- oder fünfmal umändern zu lassen. So ist keine Gefahr vorhanden, daß sie Einem irgend einmal etwas schenkt, kurz, sie ist von einer Knickrigkeit, vor dem Einem ekeln möchte. Aber ich will jetzt gehen, liebe Marietta, also, wenn Du von irgend einer guten Familie hörst, die nach einer Kammerzofe sucht, so rede mir das Wort.“
„Sehr gern, aber heutigen Tages sind die guten Herrschaften so rar, wie weiße Fliegen. Hör' nur, hör, wie es schellt, als wär' es der jüngste Tag. Ich komme, ich komme, Signora,“ sagte sie, sich dem Innern des Zimmers zuwendend.„Auf Wiedersehen, Brigida, ich komme gleich wieder, ich sehe schon, daß es der junge Herr ist, der etwas wünscht. Wenn der im Hause ist, ist die Glocke immer in Bewegung. Wenn ich noch einmal wieder geboren werde, möcht' ich entweder Herrschaft sein oder nichts!“
Und mit diesen Worten entschlüpfte sie ins Haus.
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