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Blanche und erfuhr, daß sie ein wenig fiebere und Niemand sehen dürfe. So ließ er nur den Strauß kostbarer Blumen zurück, den er für sie mitgenommen. Auch an den beiden folgenden Tagen brachte er ihr Blumen, aber erst am vierten durfte er sie ihr selbst geben. Wie er in ihr Zimmer trat und sie, noch ein wenig bleich, aber in dem ganzen Zauber ihrer berauschenden Schönheit vor sich sah, wie sie sich aus ihrer halb liegenden Stellung erhob und sagte: „Endlich kann ich Sie sehen und Ihnen danken, da war es um seine Besonnenheit geschehen.„Geliebte Blanche!“ war Alles, was er zu sagen vermochte, er zog sie in seine Arme und sie ruhte widerstandslos an seiner Brust und gab seine heißen und leiden— schaftlichen Küsse ebenso zurück. 5
Die nächsten Tage vergingen Heddenheim in dem Rausch eines Glückes, das er bis dahin nicht geahnt. Er verstand sich selbst nicht, er, der reiche Mann, der sich bisher mit seinen 42 Jahren
„aber Deine Augen thaten es mir schon am ersten Tage an, da wußte ich, was noch nie geschehen, wird jetzt kommen, den Mann wirst du lieben.“
„So hast Du wirklich nie geliebt?“ fragte er.
„Nie.“
„Renard sprach doch davon, daß in Paris—“
„Ach, die Männer haben mich immer schön gefunden, wie sollten sie nicht, ich bin's ja auch,“ entgegnete sie unbefangen,„und ich habe es mir gefallen lassen, es war das Einzige, was das erbärm— liche Leben erträglich machte, daß überall die Männer mir schmei⸗ chelten und mir schöne Geschenke machten, weiter nichts,“ sagte Blanche.
Eine wilde Eifersucht flammte in ihm auf.
„Blanche!“ rief er wie in Zorn und Angst.
„Was ist denn— sie waren mir ja Alle, Alle, so gleichgiltig
Das arme Püppchen Mit hölzernem Köpflein,
für alt gehalten, dessen kühler, klarer Kopf stets über sein Herz und seine Phantasie geherrscht hatte, sah sich plötzlich von einer Leidenschaft erfaßt, die stärker war als er selbst und die, das fühlte er, nichts gemein hatte mit jenem flüchtigen Sinnenrausch, in den ihn auch wohl früher schon einmal weibliche Schönheit versetzt hatte. Und dieses Weib, das er so heiß und namenlos liebte, stand nach Geburt, nach Bildung, in Allem und Allem tief unter ihm, er mußte sogar, nicht nur nach der Umgebung, in der er sie gefunden, sondern auch nach Renards Aeußerungen, ihre sittliche Reinheit an— zweifeln— und dennoch, dennoch!! Weshalb wollte er sich selbst mit solchen Gedanken quälen, weshalb nicht dies späte Jugendglück, das sich ihm so plötzlich und so berauschend geboten, sorglos ge— nießen, es zählte ja doch nur nach Tagen, denn wie lange konnte es dauern und Mr. White verließ mit seiner Gesellschaft London. Hätte er selbst auch die Kraft zu kühlerer Ueberlegung gewonnen, Blanche hätte ihn immer wieder in den Zauberkreis zu bannen ge⸗ wußt, in den sie ihn hineingezogen. Wie beseligend klangen ihm die Worte des Glücks und der Liebe von ihren Lippen.
„Bis ich Dich sah, wußte ich nicht, was Liebe heißt“, sagte sie,
Gieb ihm ein Süppchen Aus irdenem Töpflein.
geliebt habe ich nur Dich, heiß, brennend, über Alles!“ Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und küßte ihn.
„Und doch, Blanche, Du kennst mich noch nicht, ich könnte ein Othello werden.“
„Das ist der wüthende Mohr, der sein Weib mordet, nicht wahr?“ fragte sie.„Ich sah einmal irgendwo das Stück. Gut, tödte mich, wenn Du mich nur liebst, besser von Deiner Hand zu sterben, als von dem Löwen zerrissen werden, was alle Tage ge— schehen kann.“
„Um Gotteswillen, meine Blanche!“ Er preßte sie an sich, als ob er sie vor der wilden Bestie schützen wolle.
„Wie haben Deine Eltern Dich diesem grausamen Beruf über— lassen können, es dulden, daß dies schöne, geliebte Leben sich jeden Tag der Gefahr preisgiebt.“
„Meine Eltern?“ lachte sie.„Bei uns ist es nicht wie bei Euch vornehmen Leuten! Bei uns kümmern sich die Eltern nicht um ihre Kinder und die Kinder wissen kaum den Namen ihrer Eltern.“
„Auch Du nicht, Blanche?“


