Ausgabe 
2.5.1886
 
Einzelbild herunterladen

den n erf de un. n

ihn

u

ah, ein ad

00 de eine

0 un

2

.

ald⸗ en.

sen flen lten, ber⸗ cs und so und ch,

ver⸗

ite,

und

ihr ite) bei⸗ schen igen nen, dale, leine

ab, zeige rück

len

assen unte, liebt Male

ee

eee

l

e

143.

täuschen, Komteß? Oder hätten Sie Ihr Herz nicht mehr zu ver

geben? Hab' ich umsonst gehofft?

Sie schüttelte, immer noch ohne ihn anzusehn, das Haupt. Nicht ich aber Sie wissen nicht, daß wir arm, sehr arm sind und daß all dieser Schein nur dazu dienen soll es ist nicht meine Schuld, aber meine Mutter ich habe selbst genug darunter gelitten, ich weiß nicht, wie ich es Ihnen sagen soll.

Er lachte glücklich.Und das sagen Sie mir im Ernst, Komteß? Das sagst Du mir, Erna, die ich liebe? Dann empfindest Du also doch nichts für mich denn Du könntest sonst doch nicht glauben, ich hätte Dich lieb gewonnen und böte Dir meine Hand an, weil ich diesem Schein geglaubt, der Dich so unglücklich macht? Liebe ich Dich denn nicht um Deiner selbst willen? Sprich mir nicht von Dingen, die unsere Liebe nichts angehn! Was kümmert es mich, ob Du die reichste Königin oder die ärmste Bettlerin bist, da ich Dich liebe und nichts von Dir verlange, als Dein Herz hast Du mich denn ein wenig lieb, Erna, ein ganz klein wenig?

Er hatte ihre beiden Hände ergriffen, und sie sträubte sich nun nicht mehr, als er sie näher an sich zog.Lieber als mein Leben, sagte sie und ihr Kopf sank an seine Schulter.

Das ist ja eine malerische Attitüde, sagte der Lieutenant von Seewis mit ironischem Lächeln, und deutete nach dem Paar hin über, das ihnen, da sie den am andren Ufer des Baches entlang führenden Weg zurück eingeschlagen hatten, nun gerade gegenüber stand. Die alte Gräfin, neben welcher er herging, konnte ein: Endlich! nicht unterdrücken, besann sich aber im gleichen Augen blick und rief mit dem Ausdruck des Entsetzens hinüber:Aber Erna! Herr von Meersberg.

Inzwischen waren Pfuhlstein und Hermine herangekommen, und alle vier sahen nach den Beiden hinüber, die sich, über und über mit Röthe bedeckt, abwandten. Joseph gewann jedoch seine Fassung schnell zurück und über die Schlucht des Waldbachs hinüber bfef er; Gnädige Frau mit Ihrer gütigen Erlaubniß: meine Herren, ich stelle Ihnen hier Komteß Erna Helmstein vor meine Braut.

Die Gräfin behauptete zwar, in Ohnmacht fallen zu müssen, da aber außer ihr Niemand von der Nothwendigkeit eines derartigen Zwischenfalls überzeugt war, ließ sie es für diesmal noch dabei be⸗ wenden, erklärte aber mit großer Entschiedenheit, daß sie in die Verlobung nicht eher willigen werde, als Hermine Braut sei, da sie die getreuliche Einhaltung der Reihenfolge ihrem verstorbenen Gemahl hierbei fuhr sie einmal über die Augen hin an gelobt habe. 8

Während sie mit den beiden Herren über die Unverbrüchlichkeit eines derartigen Versprechens übers Grab hinaus debattirte, kamen Erna und Joseph Arm in Arm, langsam und in lebhaftem Ge plauder heran, um nun die Glückwünsche der Uebrigen entgegen zunehmen, die wohl nur von Seiten der Gräfin völlig aufrichtig und von ungemischter Herzlichkeit waren, da die beiden Offiziere innerlich über daspolizeiwidrige Glück ihres Rivalen murrten und Hermine Anlaß genug gehabt hatte, selbst ihre Hoffnungen auf Joseph zu setzen. Weder er noch Erna schienen jedoch die Gratu⸗ lationen auf den Punkt ihrer Herzlichkeit hin zu untersuchen, das Glück, das aus ihrer Beider Augen leuchtete, war so rein und un⸗ verfälscht, daß sie darüber hinaus keiner Empfindung fähig, keines Gedankens mächtig waren. Der Spaziergang war für diesmal unterbrochen, da Alle sich nach einem Alleinsein sehnten und die Zusammengehörigkeit der kleinen Gesellschaft völlig zerstört zu sein schien. Sie schlugen den nächsten Weg zum Hotel ein, wo sie sich trennten.

Die Wolken, die so lange um die Berghöhen gelagert und sich endlich zu langanhaltendem Regenwetter zusammengeballt hatten, schienen nun für lange Zeit völlig verstreut. Der Himmel breitete sich jeden Morgen auf's Neue in klarster Bläue über der Landschaft, und der Südost, der die azurnen Fluthen des Sees zu kleinen Wellen gegen die Ufer trieb, versprach beständiges Wetter für die letzten Herbsttage.

So goldklar und sonnig, wie die Welt draußen, war die der beiden Liebenden im Innern. Es war, als ob der Bann, der auf

Ernas ganzem Wesen gelegen, plötzlich wie mit einem Zauberschlage davon genommen sei; sie erschien so strahlend in ihrem Glück, so munter in ihren Aeußerungen und so hingebend zärtlich, wenn sie mit Joseph allein war, daß dieser sie täglich mehr wie ein ihm unverdient gewordenes Geschenk des Himmels betrachtete, und sich

fragte, ob er so vieler Liebe und Hingebung werth sei. Je mehr er jetzt mit Erna allein war, desto mehr erschloß sich ihm ihr ganzes Inneres, und er ward sich dessen klar, was er in ihr an Treue und Reinheit für einen Schatz besaß und für immer erworben hatte. Der Gedanke an das, was unmittelbar vor seiner ersten Begegnung mit Erna geschehen war, kam ihm in diesen Tagen öfter als vorher, vielleicht gerade weil ihn die Erinnerung daran mit einem Gefühl von Schmerz und Scham gleicherzeit berührte. (Fortsetzung folgt.)

Lose Blätter.

Sturm im Kanal la Manche.(Siehe Illustration). Das befahrenste Meer des ganzen Erdballs ist jenes, welches England von Frankreich scheidet. Die Engländer nennen dasselbe einfach den Kanal, die Fran oi den Aermel. Der atlantische Ocean hat Jahrtausende lang gegen die eng⸗ lischen Kreidefelsen gepocht. Endlich brachen sich die schäumenden Wogen, die gewaltigen Sturmfluthen Bahn und es bildete sich jene große Wasser⸗ straße, welche den Ocean mit der Nordsee verbindet. Der schmalste Theil diesesAermels befindet sich zwischen Dover und Calais. Hier beträgt die Meeresbreite nur 37 Kilometer, und vom Schiffe aus kann man an heitern Tagen bei klarer Luft beide Ufer sehen, das englische und französische. Ist die See unbewegt, so segeln und rudern kühne Burschen in kleinen Böten, die sich auf der Fluth wie Nußschalen ausnehmen, von einem Ufer zum andern. Die Passagiere der großen Oceandampfer haben an solchen Tagen die Empfindung, als befänden sie sich auf einem breiten Strom mit schönen Ufern, den kein Sturmwind jemals stark bewegen könne. Da schimmern so hell die Kreidefelsen des Inselreichs, da wehen die britischen Fahnen von den stolzen Zinnen der Veste Dovers, da liegt der tiefblaue Wasserspiegel so glänzend und schillernd vor uns, wie ein fester Schild, da grüßen uns aus den kleinen Barken braune Fischer und junges Volk, das dem Segelsport ergeben ist alles das muthet uns so freundlich, so behaglich und vertrauensvoll an, daß wir glauben, Neptun verzichte auf die Herrschaft dieser Meerenge. Und doch ist gerade der Kanal von furchtbaren Stürmen heim⸗ gesucht und von den Seefahrern mit Recht gefürchtet, denn Tausende von Fahrzeugen sind hier bei stürmischem Wetter gescheitert oder auf den Strand e Wetterfeste Seeleute empfinden ein geheimes Bangen, wenn im Kanal ein Sturm losbricht, und alte Schiffskapitäne versichern uns, daß sie die meisten schlaflosen Nächte im Kanal verbracht haben. Außer den Klippen und Untiefen sind die Zusammenstöße mit andern Schiffen bei dickem Wetter zu fürchten und wenn dichte Nebelschleier Meer und Land umhüllen, so ertönen auf den Dampfern unaufhörlich die grausig⸗schmettern⸗ den Signale der Nebelhörner. Unsere Original-Zeichnung führt dem Leser 19 vors Auge, welche im Angesicht von Dover mit Wind und Wogen ämpfen.

In welche vertrauensvolle Stimmung uns an sonnigen, windstillen Tagen der Kanal versetzen kann, dafür mag folgendes Erlebniß depnn, Im Jahre 1876 fuhr ich auf dem Bremer anerDonau durch den Kanal, and wir passirten bei herrlichem Wetter auf völlig unbewegter See Dover. Ich betrachtete an der Seite eines weitbekannten Pianofabrikanten die majestätisch auf hohe Ufer gelagerte Stadt, und mein Begleiter war derart erbaut von der heiter schönen Fahrt, daß er im Dialekt seiner sächsischen Heimath in die Worte ausbrach:Nu heeren Se, mein kuter Landsmann, eens gann ich Sie meiner Seele nich begreifen, nämlich, daß die Kuldur Menschheit so lange gebraucht hat, um Amerika zu entdecken. Wenn mer schon Schiffe hatte, was wärsch dann so großes g'wesen, een Bischen nach Amerika nüber zu sägeln? Ich kann Sie nich begreifen, daß mer heit⸗ zudage een son Wesen aus den Columbus macht!

In der Nacht, da dieDonau die Needles passirte, brach ein Sturm los und ließ uns bis zum Morgen alle Schrecken und Leiden einer Fahrt bei wildbewegter See durchkosten. Als ich nach dem Frühstück auf Deck ging, lag vor uns der weite Ocean mit seinen schäumenden tobenden Wellen bergen ausgebreitet. Langsam kroch einer der seekranken Passagiere nach dem andern die Schiffstreppe herauf, Unter den Letzten befand sich unser sächsisch redender Klavierfabrikant. Sein Gesicht war fahl und gelb, seine Züge schlaff; wankend tastete er nach der Ballustrade und seufzte beim An blick der rollenden Wogen tief auf.

Nun, rief ich ihm zu,wie denken Sie jetzt über die Entdeckung Amerikas? s

Der Seekranke riß weit die Augen auf und rief im Tone der Reue: Ei Herrjeses! Allen Respekt vor den Columbus, allen Respekt!!

Die Landratte war zur Einsicht gekommen, daß sie die Annehmlichkeiten einer Seereise überschätzt hatte. R. E.

Ein Geistlicher in einer kleinen Stadt sandte seinen Ausläufer, einen halb blödsinnigen Burschen, eines Sonntags Morgens zu dem Fleischer, um einen Braten zu holen. Der Schlächter verweigerte aber das Geforderte, bis die frühere Rechnung beglichen sei. Während dessen stand der Geistliche auf der Kanzel und hielt seine pathetische Predigt. Als der Ausläufer ein⸗ trat, deklamirte der Prediger:Was sagte aber der Ungläubige? Der Bursche glaubte, sein Herr redeke ihn an und antwortete:Der Fleischer hat geschrien: Sie sollen erst Ihre Schulden bezahlen, ehe Sie neue machen.

f W. G.

8