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Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.
zu den
Oberhessischen UMachrichten.
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Ur. 18.
Gießen, den 2. Mai.
Die Stiefmutter.
Roman von M. Elton. (Fortsetzung.)
Pobald Julia allein war und die Thüre verschlossen hatte, brach sie in ein krampfhaftes Schluchzen aus. Es war zu viel gewesen für ihre Kraft, und wie konnte die Sache enden, wenn Georg wirklich einen Fremden bei ihr gesehen? Kam man auf die Vermuthung, daß es niemand Anderes sein konnte, wie der Lord, und wie konnte und durfte sie seine Bekanntschaft mit ihm er— klären? In dem Gewühle ihrer Gedanken nahm diese Möglichkeit nicht einmal einen hervorragenden Platz ein. Mit erschwerendem Gewicht traf sie die Frage: konnte sie sich bis morgen die Summe verschaffen, die sie in ihrer Seelenangst genannt? Es war eine ruhelose fieberhafte Nacht, die sie zubrachte, und der Wintermorgen schien hell und frostig in ihr müdes, trauriges Gesicht.
Die Familie war schon beim Frühstück versammelt, als sie in das Eßzimmer eintrat. Julia's Gesicht färbte sich mit jäher Röthe, als Lindner sie forschend ansah und die lebhafte Unterhaltung, die sie vor der Thür gehört, plötzlich verstummt war bei ihrem Ein⸗ treten. Es kam keine Frage über die Unhöflichkeit, die sie dem geehrten Gast gegenüber begangen, indem sie sich entfernt hatte, ehe er sich verabschiedet. Georg versuchte durch seine täppischen Neckereien und Bemerkungen über die englischen Lords Unterhaltung hervorzubringen; aber Adeline schien ganz vertieft in das Anschauen ihrer niedlichen Füße, die in den elegantesten Pantöffelchen auf einem Schemel ruhten.
Lindner verließ alsbald das Zimmer und Adeline folgte ihm. Wie trüb und schwül war es um die junge Frau, sie sah die drohenden Wolken, die um sie her aufzogen, sie konnte dem Un— gewitter nicht entgehen, sie mußte nun weiter gehen, mochte da kommen, was da wollte. Sie war sich ihrer Lage nicht klar be— wußt, vermochte kaum zu fassen, unter welcher schweren Anklage sie vor ihrem Manne und ihren Stiefkindern stand. Es mußte weiter gegangen werden, und wenn es auch zu ihrem Verderben war. Die Lage war ihr so neu, so unerhört, ihre Aufregung war so außerordentlich, daß sie es selbst nicht versuchen konnte, Klarheit in dieses Chaos zu bringen. Nichts durfte sie auf dem ein⸗ geschlagenen Wege aufhalten, das begriff sie in dem fieberhaften Zustand und weiter bedachte sie nichts.— Georg beobachtete sie, als sie erregt das Weißbrod verkrümelte und kaum ihre Kaffeetasse mit den Lippen berührte. Er war ein kräftiger junger Mensch geworden, die Gestalt nicht groß, aber gedrungen und breit in den Schultern. Sein Gesicht war nicht sympathischer geworden, die dunkeln Augen sahen immer noch so unsicher aus den buschigen Augenbrauen wie früher, und seine Bemühungen, freundlich und liebenswürdig zu erscheinen, zeigten erst recht, wie plump und un⸗ gelenk er war, was ehedem durch sein zurückhaltendes, störrisches Wesen eher verdeckt worden und viel weniger zu Tage getreten war.
Er war hier und da seitdem auf Wochen in Mandsfelt gewesen, hatte verschiedene landwirthschaftliche Institute besucht und wollte nun noch auf einige Zeit ins Ausland gehen.
Julia war ruhelos umhergeirrt, sie suchte ihren Gatten nicht auf,— was hätte sie ihm sagen können. Erst Nachmittags, als sie Toilette gemacht, ging sie mit klopfendem Herzen nach seinem Bureau, wo er nach dem Mittagsessen sein Schläfchen zu machen pflegte.
„Kann ich den Wagen haben? ich möchte einige Besuche in der Stadt machen,“ sagte sie und ihre Stimme zitterte merklich.
Der Gutsbesitzer wendete sich um und besann sich einen Augenblick.
„Den kannst Du haben,“ antwortete er kurz und sie verließ rasch das Zimmer. Sie nahm schnell den Plüschmantel, warf ihn um ihre Schultern und zog hastig ein Etui aus der hintern Schublade des Schrankes. Sie sah es schmerzlich zögernd an und öffnete es darauf rasch; ein prachtvolles Collier in den reinsten Diamanten lag auf schwarzem Sammt, ein Prachtstück, das einem vergangenen Jahrhundert angehört und den schönen Hals mancher edeln Dame geziert hatte. Dieses Halsband war seit Jahrhunderten ein Erbstück in der Familie der Barone von Manners gewesen, und es war Julia als sechsjähriges Kind von der sterbenden Groß— mutter übergeben worden. Seitdem hatte sie den Schatz gehütet, getragen nicht mehr, er war in seiner Fassung veraltet und zu reich und blendend für ihren einfachen Geschmack. Von Zeit zu Zeit ließ sie das funkelnde Gestein mit Wohlgefallen durch ihre Finger gleiten und dachte daran, wie sie einst Ellinor das Familien— erbtheil gerade so übergeben werde, wie die Großmutter mit zitternden Händen gethan. Heiße, brennende Thränen fielen auf das Erbstück, das die lange Reihe der Baronessen von Manners ge— schmückt. Und nun war es die Letzte der Manners, die verzweifelnd das Gefunkel in den Sammet zurückwarf mit dem unumstößlichen Vorsatz, das Erbstück zu verkaufen. Die erlöschenden Augen der alten Dame, die schon erkaltenden Hände, kalt wie die Steine, die ihr das Halsband in die Kinderhände drückten, Alles stand mit niederschmetternder Lebendigkeit vor Julia's Seele, als sie mit dem Etui aus dem Zimmer eilte. Es war ein Diebstahl, den sie an ihrem Kinde beging; aber mußte es nicht sein, um Unglück und Schmach zu verhüten?
Als sie in der Stadt ankam und den Wagen in der Vorstadt ließ, um ihre Schritte zu einem Juwelenhändler zu richten, da dachte sie erst an die Schwierigkeit der Ausführung. Was konnte man nicht Alles vermuthen, welches Mißtrauen mußte sie erregen, wenn sie ein Prachtstück feil bot, das wie aus einer andern Welt zu kommen schien. Sie blieb unschlüssig stehen und überlegte. Einen Augenblick kam ihr der Gedanke, dem Lord das Halsband
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