Ausgabe 
1.8.1886
 
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geschickte Hand diese Tableaur anmuthig gruppirt hat.

Der große Cäsar, todt und Lehm geworden, Verstopft ein Loch wohl vor dem rauhen Norden. O, daß die Erde, der die Welt gebebt,

Vor Wind und Wetter eine Wand verklebt!

Dieser Stoßseufzer des schwermüthigen Hamlet auf den um⸗ nachteten Gräbern von Helsingör wird zu Schanden gemacht durch die Pharaonen-Mumien. Wäre der edle Dänenprinz an Stelle heimathloser Beduinen jenem Sonnenstrahl gefolgt, der in die Felsengräber von Der⸗el-Bahari hineinleuchtete, so würde er viel⸗ leicht den Text seiner Rede dahin abgeändert haben:

Der große Ramses, todt und wohl gebettet, Schlief drei Jahrtausende in diesen Felsenkammern.

O, daß Kultur uns hat sein Bild gerettet Muß uns zum Jubeln stimmen, nicht zum Jammern.

Ja, die Sonne der Kultur ist's, welche durch Zauberfäden die Jahrtausende verbindet. Sie ist Arachne, die kunstvolle Spinnerin, welche ein unsichtbares Netz um den ganzen Erdball schlägt. Zu den zauberkräftigsten Sonnenfäden der Kultur aber gehört die Photographie. Sie ist ein Lieblingskind des Lichts, von dem Mephisto mit Recht sagt:Von Körpern strömt's, die Körper macht es schön. Drei Jahrtausende liegen zwischen den Grab⸗ kammern der Pyramiden und den Dunkelkammern der Photographen, aber Dank der glücklichen Kulturentwicklung der Menschheit ließ sich eine Verbindung herstellen zwischen Ramses und den Kindern des neunzehnten Jahrhunderts. Der Ehrfurcht der Alt-Egypter vor den Todten und den Göttern haben wir die wunderbaren Tempel, Grabdenkmäler und die Mumien zu danken, welche als Ueberreste einer' untergegangenen Welt die Länder des Nil schmücken. Der Wissensdrang der modernen Kulturmenschheit aber hat das Lichtbild erfunden, mit dessen Hilfe sich Tausende von Abbildern dieser Mo⸗ numente und Reliquien in alle Welt senden lassen. Die Photo graphie dient aber nicht nur der Alterthumsforschung, sie erweist sich auch als die nützlichste Helferin der Himmelskunde. Längst haben amerikanische Photographen, wie Rutherford, und Deutsche, wie Klein und Vogel, Mondbilder hergestellt, längst hat Professor Vogel den Flammenkranz der Sonne photographisch dargestellt und den Messungen der Himmelskörper durch Aufnahmen von Sonnen⸗ und Mondfinsternissen Vorschub geleistet, nun ist es gar gelungen, weite Theile des Firmaments photographisch aufzunehmen. Alte Gemälde und Statuen werden durch die Photographie in weitesten Kreisen bekannt, und die Prachtbauten der modernen Zeit Tausenden und Abertausenden vor's Auge geführt. Die Photographie entlastet den Forscher und Zeichner und giebt zahllosen Künstlern die Mittel an die Hand, Bildnisse in Erz oder Oel von berühmten Persönlich keiten nach dem Tode derselben zu schaffen. Wir besitzen ausgezeichnete Porträtbüsten des Dr. Nachtigal und Ernst Dohm, von Bildhauern geschaffen, die den Verstorbenen bei Lebzeiten nur einmal und flüchtig begegneten. Auch die Maler finden in der Photographie eine be⸗ deutende Stütze und viele Kenner behaupten, daß es dem Brüsseler Maler Jan Verhas niemals gelungen wäre, sein Kolossal-Gemälde Die Schulrevue mit solcher Vollendung auszuführen, wenn ihm nicht ein photographisches Momentbild zur Hand gewesen sei. Neuer⸗ dings versucht es gar Nadar in Paris, photographische Bilder aus der Vogelschau herzustellen, indem er sich mit seinem Apparat einem Luftschiff anvertraut und von der Gondel aus große Naturszenerieen aufnimmt. Diese Photographieen aus der Vogelperspektive sollen an Klarheit und Schärfe den Atelierbildern durchaus nicht nachstehen.

Die weitaus größte Bedeutung aber hat die Porträt⸗Photographie erlangt. Auf diesem Gebiete waren lange Zeit amerikanische Photo graphen, wie Wilhelm Kurz und Nora, oder französische, wie Nadar, den Deutschen überlegen. In der Neuzeit aber machten die Letzteren gar gewaltige Anstrengungen und es scheint, als hätten dieselben heute bereits ihre ausländischen Rivalen überflügelt. Photographische Bildnisse von Theodor Prümm, Vogelsang, Scharwächter, A. Vassel oder W. Höffert erscheinen mir ungleich idealer in der Auffassung und auch technisch vollkommener als jene des berühmten Nadar zu Paris.

In Berlin erregen während der letzten zwei Jahre die Bilder des kgl. preußischen und kgl. sächsischen Hofphotographen W. Höffert berechtigtes Aufsehen. Die prachtvollen Schaukästen dieser Firma in der Leipziger Straße werden in der Regel von einer Menschen⸗ schaar dicht umdrängt. Die Bilder sind anscheinend sorglos, in wirrem Durcheinander ausgelegt, aber bald bemerkt man, 1 10

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der Fülle der Erscheinungen lösen sich bald eine Menge reizvoller Gestalten, von denen jede Einzelne ihren besonderen Zauber ausübt. Hier schwebt uns ein junges Mädchen, hold wie der Frühling, auf der Schaukel entgegen, dort zeigt ein Nubier im vollen Schmuck der Waffen grinsend die Zähne, hier blickt ein zartes Kinderantlitz in der Pose eines Raphael'schen Engels derMadonna del Sisto zu uns auf, dort sehen wir eine Gruppe Landsknechte im reich ausgestatteten, gut abgetönten Prunkgemach. Sofort fällt die Eigen⸗ art der Höffert schen Bilder jedem Beschauer in's Auge. Mit der Plastik der Gestalten vereinigt sich auf diesen Bildern ein seltsam weicher, duftiger Ton und ein Glanz, der völlig poetisch wirkt.

Die Schaukästen Höfferts verlockten uns dieser Tage zu einem Besuch der auf dem Leipziger Platz Nr. 12 gelegenen Geschäfts⸗ räume und wir fanden Empfangssalons von so prächtiger Aus stattung, Ateliers mit so sinnreichen Einrichtungen, daß wir uns fast in den Palast des New-Vorker Photographen W. Kurz ver⸗ setzt glaubten. Die Firma Höffert ist bemerkenswerth um ihrer geschäftlichen Organisation willen. Sie wurde vor 20 Jahren in Dresden begründet, besitzt aber heute Filialen in fast allen großen Städten Deutschlands. Jedes dieser Zweiginstitute wird durch eine ausgezeichnete Kraft geleitet und Herr Höffert, der gleich hervor ragend als Geschäftsmann wie als Künstler ist, sieht sich in den Stand gesetzt, alle neuen Fortschritte und Errungenschaften auf dem photographischen Gebiete zu prüfen und das wahrhaft Werthvolle in seine zahlreichen Ateliers einzuführen. An der Spitze des Berliner Geschäfts steht Herr Erich Sellin, ein junger Photo graph, welcher sich weit in der Welt umgethan hat und der mit der eingehendsten Kenntniß der Technik echt künstlerische Auffassungs gabe verbindet. Sellin hat das gefürchtete Instrument, den Kopf halter, welches man auch als eisernes Rückgrat bezeichnete, aus den Ateliers verbannt, und bittetdas Objekt die Haltung anzunehmen, welche ihm am bequemsten ist. Der Photograph gleicht in diesem Punkte jenen genialen Schauspielern, welche zu dem Mitspielenden sagen:Betreten Sie die Scene, von welcher Seite Sie immer wollen, ich werde Sie schon treffen. Der Fortfall des Zwangs hat die Folge, daß die meisten Bildnisse die Person in ihrer natürlichsten Haltung wiedergeben. Die vornehm ausgestatteten Empfangsräume enthalten eine Fülle des Sehenswerthen. Da sind die reizendsten Kindergestalten alles Momentaufnahmen. Eine halbe, ja eine Viertelsekunde genügte dem Photographen, um das Abbild des Kindes zu erhaschen. Daß dies möglich ist, verdankt die Firma Höffert ihren lichtempfindlichen Platten, die sie in eigener Fabrik in Dresden für alle Geschäfte präpariren läßt. Das Experiment der lebens⸗ großen Ausführung der Porträts gelingt hier so gut, wie in Paris und Newyork. Da ist ein lebensgroßes Bild des Kaisers, dort eines der Königin von Sachsen, hier ein anderes vom Prinz-Regenten von Braunschweig, und alle diese Aufnahmen nach der Natur geben die Persönlichkeit mit voller Treue wieder. Ah, hier tauchen all' die heitern drolligen Gestalten aus demMikado wieder auf! Da ist der putzige Ko-Ko, dort der verdrossene Pu- ha, hier die kichernde Gruppe der»Three little girls from schoole, dort der abenteuernde Sohn des Mikado. Alle diese Personen der Sullivan schen Operette sind in brillanten Bildern wiedergegeben. Die eigentliche Domäne Sellins aber scheint die Frauenschönheit zu sein. Berühmte und unberühmte Beautes in so glücklicher Auffassung darzustellen, daß Idealbilder entstehen, das ist seine Stärke. Wir hätten gar zu gern den Lesern eine dieser jugendfrischen holdenLichtgestalten in unserer Illustration den Ramses-Photographieen gegenübergestellt um des Kontrastes willen aber welcher Stichel könnte die weichen Schatten, die feinen Konturen und den heiteren Glanz dieser Bilder wiedergeben! Nein, wir wollen Höffert's Frauenbildnisse nicht durch den Holzschneider verleumden lassen.

Und all' diese Wunder führt der Sonnenstrahl als williger Diener des Kulturmenschen aus derselbe Sonnenstrahl, der in den Spalt egyptischer Felsengräber hineinleuchtete. Aber der Photo⸗ graph bedarf auch der Sonne nicht mehr. Das elektrische Licht bildet ihm einen Ersatz für den verhüllten oder untergetauchten Sonnenball. Nun, wenn Helios seine Gaia nicht mehr mit den Strahlenarmen umschließt, bleibt vielleicht die Sehnsucht zurück und die Elektrizität ist am Ende nichts anderes, als ein Strom sehn süchtiger Gefühle oder selige Sonnentrunkenheit, die den fruchtbaren Leib der Mutter Erde durchschauert. R. E.

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