Ausgabe 
1.8.1886
 
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den Tag gelegt, sie haben durch Schmachten und Kokettiren, durch Lächeln und Schmollen so unverhohlen ihre Absicht auf mich ge kennzeichnet, daß ich angefangen habe, Damengesellschaft zu meiden. Es kostet mich wahrhaftig kein Opfer, unbeweibt zu bleiben.

Ah! Du bist ein Frauenhasser! rief Weber,jetzt wächst meine Hoffnung, Dich bald in den Hafen der Ehe einlaufen zu sehen. Die Weiberfeinde verfallen am sichersten und gewöhnlich am plötzlichsten dem göttlichen Wahnsinn, wie Du es nennst, und über ihrem Haupte schwebt dann meistens in der Ehe ein zierlicher Pantoffel. Glück auf dazu! 4

O dies prophetische Gemüth! lachte Heddenheim.Es könnte Dich aber doch vielleicht täuschen. Er zog die Uhr heraus.So angenehm es sich mit Dir plaudert, so muß ich doch fort, meine Zeit ist um..

Ich begleite Dich; vorläufig habe ich ja hier nur die eine Pflicht, meinem Behagen zu leben, scherzte Weber, während sie auf die Straße traten.Ich bin ja überdies auch solch ein Barbar, das ehrwürdigste Haus dieser ehrwürdigen Stadt, welches der Firma Heddenheim gehört, nicht zu kennen.

Ich bedaure, es Dir auch jetzt nicht vorstellen zu können, erwiderte Konrad,ich gehe nicht nach Hause, sondern in das Hötel Englisches Haus zu einer Dame, der ich meinen Besuch versprochen habe und die mich wahrscheinlich schon seit einer halben Stunde erwartet.

A a ah!

Du irrst, alter Hans, wenn Du dahinter irgend welches interessantes téte-A-téète witterst. Diese Dame ist eine alte Frau von Hartwitz, die Besitzerin eines 1 Meile von hier gelegenen Gutes, so eine Art Original, hier allgemein wegen ihrer Ab sonderlichkeit verschrieen. Ich werde für meine Verspätung wahr⸗ scheinlich einen Verweis mir gefallen lassen müssen.

Aber mein Himmel, warum gehst Du zu der alten Person hin! Lasse sie doch zu Dir kommen, wenn sie etwas von Dir will! rief Weber. 5

Höflichkeit, mein Lieber, nichts als Höflichkeit! Mein Onkel schätzte die Frau, die das übrigens in vollem Maaße verdient und hat ihr in geschäftlichen Angelegenheiten vielfach zur Seite gestanden; auch ich habe sie damals kennen gelernt. Nach meines Onkels Tode hatte die Verbindung aufgehört; sie hielt mich vielleicht für zu jung, um mir ihr Vertrauen zu schenken, schaltete er lächelnd ein,sie war auch, glaube ich, lange verreist. Gestern nun erhielt ich einen Brief von ihr, mit der Mittheilung, daß sie heute hier im Englischen Hause sein würde und meinen Besuch in einer Geschäftsangelegenheit erbitte. Da sind wir bereits am Ziel. Nun adieu, my boy, auf Wiedersehen in meinem Hause.

Sie verabschiedeten sich mit einem Händedruck und Weber schlenderte die Straße entlang, während Heddenheim in das Haus

eintrat. (Fortsetzung folgt.)

Mutter und Sohn.

Novellette von Cordelia, deutsch von Konrad Telmann. (Fortsetzung.)

Von einer Seite beruhigt, begannen neue Sorgen für sie; wenn sie gewußt hätte, wo er sich befand, wäre sie ihm nachgefolgt, hätte die Kraft in sich gefühlt, Männerkleidung anzuziehen und Soldat zu werden, um sich nicht von ihm zu trennen, auch wäre sie durch aus nicht die erste Frau gewesen, die sich auf die Schlachtfelder hinausgewagt hatte; sie wußte ja, daß er nichts mit sich genommen hatte außer etwas Geld, und dachte an die Entbehrungen, die er würde ertragen müssen und die für ihn, der an gewisse Unbequem⸗ lichkeiten nicht gewöhnt war, leicht verhängnißvoll werden könnten.

Wenn sie sich zu Tische setzte, erregten die saftigen Speisen ihren Widerwillen, indem sie daran dachte, daß Mario vielleicht das Brod und die Suppe mangeln würde; wenn sie sich auf ihr weiches Bett niederstreckte, eilte ihr Geist zu dem Feldlager unter freiem Himmel hinüber, zu den von einem Strohbündel gebildeten Betten, zu den Steinen anstatt der Kopfkissen und zu ähnlichen Mißlich⸗ keiten des Soldatenlebens.

In ihrer Phantasie ging sie alle die Geschichten wieder durch,

die sie von den Strapazen der Soldaten und den Gefahren des Krieges hatte erzählen hören. Sie lebte nun nicht mehr, sorgte nicht mehr für ihre Kleidung, machte keine Besuche, empfing Nie⸗ manden, und schien in wenigen Tagen um zehn Jahre gealtert zu sein.

Auch Valeria fühlte die gleichen Erregungen mit und beweinte im Stillen ihren Bruder und Mario, der eine so hohe Stellung in ihrem Herzen einnahm. Sie litt hundertmal mehr darunter, daß sie ihren Schmerz verbergen und dem Vater ein lächelndes Gesicht zeigen mußte, den die Abwesenheit des Sohnes zusammen mit den rheumatischen Schmerzen, die ihm den Gebrauch seiner Füße raubten, jeden Tag verstimmter und mißmüthiger machte.

Valeria ertrug das ganz geduldig, wie eine Heilige, aber wenn sie keine Briefe von ihrem Bruder erhielt, in denen immer einige artige Worte auch von Mario waren, fühlte sie sich so unglücklich, daß sie am liebsten den ganzen Tag hätte weinen mögen. Ihr einziger Trost war, des Morgens, wenn der Vater noch zu Bette lag, sich in die nahegelegene Kirche zu begeben und dort für die Abwesenden, für die Gesundheit ihres Vaters und für die Be freiung Venetiens zu beten. Ihr war's, als thue sie mit ihren Gebeten gleichfalls etwas für ihr Vaterland. Es war ja alles, was sie thun konnte.

Zuweilen begegnete sie in der Kirche auch Frau Klara und be griff dann besser als irgend ein Anderer die Qual des Mutter⸗ herzens. Wenn sie unruhig war, weil sie keine Nachrichten von Arrigo erhalten hatte, hätte sie sie gern gefragt, ob denn auch sie nichts wisse, aber wenn sie schon daran war, wagte sie es doch wieder nicht.

Auch Frau Klara war jener Gedanke oft durch den Kopf ge⸗ gangen, und wenn sie das junge Mädchen in der Blüthe ihrer Jahre neben sich sah, die sich in Schwarz kleidete, die vielleicht mit Thränen in den Augen für die Rettung des gleichen Wesens betete, das ihre ganze Seele und ihr Herz beschäftigte, dann bereute sie es, so ungerecht gegen sie gewesen zu sein und sie dauernd so ungerecht behandelt zu haben.

Wenn ich ihm erlaubt hätte, sie zu heirathen, sagte sie sich im Innern,so würde er sicherlich nicht fortgegangen sein. Wenn man ein Weib hat, so ist das schon ganz etwas anderes und ich, die ich nicht die Hälfte seiner Liebe verlieren wollte, werde sie vielleicht ganz und gar verlieren. Der Herr hat meinen Egoismus hart bestraft.

Und bei diesen Gedanken rannen ihr die Thränen über die Wangen.

Eines Tages, als Valeria sie nahe bei sich stehen sah, bot sie ihr ihren Sessel, den Frau Klara auch annahm, indem sie ihr in zutraulicher Art dankte. Mit jenem Tage fingen sie wieder an, sich zu grüßen, und wenn es allen Beiden an Nachrichten über die Ab- wesenden fehlte, fanden sie sich in der Kirche genau um die gleiche Stunde und auf demselben Platze zusammen, wie zwei Liebende, die sich eine Verabredung gegeben hatten, und nun daran festhielten, nicht auszubleiben. Und sie sahen sich genau so an wie Liebende, sie hatten Neigung mit einander zu sprechen und wagten es nicht, sie lasen sich wechselseitig die Gedanken ab, die ihnen durch den Kopf gingen, und verstanden sich, ohne ein Wort zu sagen.

Einmal wagte es Frau Klara, sie um Nachrichten über ihren Vater zu fragen, und ob sie nicht von Arrigo wisse.

Der Papa ist immer krank, antwortete das Mädchen,und von Arrigo erhalten wir sehr selten Nachrichten. Man weiß, daß die Regierung alle Briefe unterschlägt, die von außerhalb kommen, und es ist ein Wunder, wenn von Zeit zu Zeit einer anlangt.

Dann öffnete sie den Mund, um gleichfalls etwas zu fragen, aber sie hatte nicht den Muth dazu.

Es ist auch schon eine Weile her, seit ich einen Brief von meinem Sohn erhalten habe, erwiderte Frau Klara.

An jenem Tage blieb die Unterhaltung dabei stehen und sie ver⸗ ließen sich Beide etwas zufrieden gestellter darüber, daß sie das Eis gebrochen hatten.

Inzwischen wurde der Krieg erklärt, und ihre Herzen begannen wieder zu erzittern. An jedem Augenblick während des Tages dachten sie an das, was man im Felde that; wenn manchmal ein Lächeln ihre Lippen umspielte, so bereuten sie das wie ein Vergehen und dachten:Ich lächle, und vielleicht in diesem Augenblick kann er von einer Kugel getroffen sein. Bei diesen Gedanken erschauerten sie, verwünschten den Krieg und blieben in Angst, bis ein Brief kam, um sie für einige Tage wieder zu trösten.

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