Auch iſt wohl in jeder Gemeinde ein Mann, der hin⸗ reichende Kenntniß hat, um wenigſtens vorerſt für Anſaaten zu ſorgen und die erſte Begründung einzuleiten, bis für weitere Ausbildung der Lehrer und Aufſeher Rath geſchafftt iſt.
Wir zählen hierbei, außer der gütigen Unterſtützung der Herrn Kreis- und Landräthe und Geiſtlichen, nament— lich auch auf die thätige Mitwirkung und Unterſtützung der Herrn Volksſchullehrer, welche zu unſerm großen Danke ſich ſchon in größerer Anzahl bei den Beſtrebungen unſeres Vereins betheiligt haben, und durch deren Ernſt und Eifer dieſe Beſtrebungen gerade für die Volks-Jugend, wie wir gerne anerkennen, vorzüglich mit gefördert werden könnten.
Der Vorſtand glaubte aber hierbei nicht ſtehen bleiben zu dürfen, dieſe Idee nur angeregt zu haben; er glaubte es Lehrern und Kindern ſchuldig zu ſein, zugleich eine An⸗ leitung zu geben, worin jene, wie dieſe über die nothwen⸗ digſten Bedürfniſſe und Vorausſetzungen bei ſolchen Beſtre— bungen einfach und faßlich belehrt, und die hier und ander⸗ wärts gewonnenen Erfahrungen in Bezug auf Feld und Garten— ſo wie über die Behandlung und Beſchäftigung der Kinder überhaupt im Feld und Haus, zum Gemeingut fuͤr alle ähnliche Anſtalten niedergelegt und allen Förderern und Begründern ſolcher Anſtalten das Mittel geboten ſei, ſo oft ſie es wunſchen und bedürfen, Rath zu holen und Belehrung zu finden. Dazu möchte die hier angekündigte Schrift dienen, wovon jährlich nicht mehr als höchſtens 3—4 Bogen erſcheinen ſollen, welche Bemitteltere mit jähr— lich höchſtens 12—15 kr. vergüten, Unbemittelte aber un⸗ entgeltlich erhalten ſollen.
Indem wir uns vorerſt auf dieſe Ankündigung der Schrift und erſte nähere Anregung der Sache beſchränken, und das Erſcheinen der Zeitſchrift ſelbſt möglichſt zu fördern gedenken, werden wir uns freuen, wenn dieſe neue Anre⸗ gung der Sache bei den verehrlichen Mitgliedern unſeres Vereins Anklang findet und uns darüber ihre güͤtige Theil— nahme zu erkennen gegeben wird, um darnach den Umfang der Auflage dieſer Schrift näher beſtimmen zu können.
Möchte darum dieſe Schrift mit dazu dienen, in glei⸗ cher Weiſe den Segen über alle ähnliche in unſerem Lande noch entſtehende Anſtalten zu verbreiten, der über einer gleichen, mit ganz geringen Mitteln dahier vor 20 Jahren im dürftigſten Boden begründeten, und nun in glücklichem Flore beſtehenden Anſtalt ſichtbar waltet!
Darmſtadt den 31. October 1847.
Der Vorſtand des Centralvereins der Wohl— thätigkeits-Anſtalten.
Die Garnſiederei als Vorbereitungsmittel für die Be— reitung einer qualitätsreichen Leinwand. Von Karl Lutz, Bleichinhaber in Weil der Stadt.
Zu Hervorbringung einer dauerhaften und ſchönen Leinwand gehört naͤchſt der vernunftgemäßen Anpflanzung des Flachſes und Hanfes, ſowie deren Veredlung zu Spinn⸗
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material durch entſprechendes Röſten, Brechen, Reiben,
Schwingen und Hecheln, auch neben guter Drehung der
gleichförmig und im Verhältniß zu ihrer Qualität nicht allzu fein ausgezogenen Faſern beim Spinnen unſtreitig das Sieden(Putzen, Reinigen) des Garns, weil ſolches zu
dem feſten Zuſammenſchlagen des Schluſſes auf dem Web⸗
ſtuhle hauptſächlich beiträgt. Dieſes Reinigen des Garns wird jedoch häufig nach altherkoͤmmlicher Weiſe dadurch ſchädlich ausgeführt, daß man die Garne unmittelbar in einem eiſernen oder kupfernen Keſſel mit Aſchenlauge kocht, wobei es nicht ſelten vorkommt, daß dieſelben durch das feſte Anliegen an dem heißen Metall ſtellenweiſe verbrennen, Kochflecken erhalten und ſich verwirren. Das beſte und ein— fachſte Verfahren, leinenes Garn zu ſieden(putzen), beſteht aber in Folgendem:
Die Garne werden bundweiſe in einen hölzernen Zuber
(Kufe) eingeſchichtet und mit warmer Holzaſchen- oder auch Pottaſchenlauge üͤbergoſſen, und zwar ſo, daß die Fluͤſſig⸗ keit über dem Garn zu ſtehen kommt; nach dieſem beſchwert man daſſelbe und läßt es drei Tage an einem temperirten Orte ſtehen. Man öffnet jetzt den Spund, läßt die Lauge ablaufen, waſcht das Garn im Waſſer aus und trocknet es an Stangen. Statt der Lauge kann man ſich auch des warmen, mit Kleie vermengten Flußwaſſers mit beinahe ebenſo günſtigem Erfolg bedienen. Die ſo eingeweichten (fermentirten) Garne werden jetzt trocken in einen erhöhten Zuber, welcher hart an einem Waſchkeſſel“) ſteht und mit einem Zapfen oder Hahn verſehen iſt, eingelegt und abermals mit warmer Aſchenlauge eingenetzt und gebeucht, indem man mit dem Ablaſſen und Wiederaufgießen ſo lange fortfährt, bis die Lauge gehaltlos geworden und deßhalb rauh anzu⸗ fühlen iſt, wozu ſechs heiße und acht ſiedende Uebergießungen hinreichen mögen. Die Flüſſigkeit wird den folgenden Tag abgelaſſen und das Garn mit kaltem, dann warmem Waſ— ſer rein ausgewaſchen, aufgehängt und halbtrocken an Stan⸗ gen mehrmals geſchuͤttelt. f
Bei ſchwarzen gröberen Garnen kann man dieſe Beuche
nochmals wiederholen und hiebei das erſtmals zu unterſt
gelegene Garn auf die Oberfläche bringen. Werden der Lauge auf 20 Pfund Garn 6 Loth Seife zugeſetzt, ſo hat man einen noch beſſern Erfolg; die Garne nehmen dadurch einen gelinden weichen Angriff an und werden für das Ver⸗ arbeiten auf dem Webſtuhl um ſo tauglicher. Will man man hingegen eine äußerſt qualitätsreiche Leinwand(Leder⸗ leinwand) fertigen, ſo iſt es am zweckmäßigſten, wenn man die Garne ganz oder wenigſtens halb gebleicht zum Weben übergibt; ſolche Leinwand iſt namentlich für Geſchäftsleute ſehr zu empfehlen. Auch bemerke man ſeinem Weber, daß er ſeine Zeichen beim Zetteln nicht mit Oelfarbe machen und nicht in die Mitte der Leinwand richten ſolle, weil dieſe Verunreinigung ſich in der Bleiche ſelten verliert und weil ja leicht auflösbare Farbſtoffe, als Kohle ꝛc., den näm⸗ lichen Dienſt erweiſen. N 7 (Rieke's Wochenblatt, Nr. 13, 1847.)
) In eigens eingerichteten Garnſiedereien oder Bleichen bedient man ſich mit gutem Erfolg des engliſchen Dampfapparats.
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