Ausgabe 
24.3.1847
 
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Intelligenz-Glatt

ö für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

W 24.

Amtlicher Theil. Polizei befehl.

Zu Verhütung der ſeither mehrfach vorgekommenen Mlßbräuche und zur möglichſten Erhaltung der noch vor handenen Vorräthe an Kartoffeln zur Nahrung für die Menſchen wird auf höchſte Peranlaſſung hiermit verfügt:

1. denjenigen Branntweinbrennern, deren Brennereien noch im Betrieb ſind, wird hierdurch der Ankauf von Kar⸗ toffeln, ſowohl im Inlande als im Auslande, ohne Rückſicht auf den Zweck wozu der Ankauf ſtatt finden ſoll, auf ſo lange, als ihre Brennereien im Betrieb ſind, gänzlich unterſagt.

2. Branntweinbrenner, welche dem Verbote unter Nr. 1. entgegenhandeln, werden mit einer Geldbuße von fünf Gulden für jedes angekaufte Malter Kartoffeln be⸗ ſtraft und außerdem die gegen das Verbot angekauften. Kartoffeln zum Vortheil der Armenkaſſe der Gemeinde, in welcher der betreffende Branntweinhrenner wohnt, weggenommen. 1 Vorſtehender Polizeibefehl iſt von den Localpolizeibe⸗

hörden noch beſonders bekannt zu machen, und von den⸗ ſelben und den Gendarmen und Officianten ſtrengſtens zu überwachen und Zuwiderhandlungen zur Anzeige zu bringen.

Friedberg, Grünberg und Hungen

den 19. März 1847. Küchler. Ouvrier.

Follenius.

Die Branntwein- und Bierfabrication im Verhältniß zur Landwirthſchaft mit beſonderem Hinblick auf die Mäßigkeitsvereine. Von Adminiſtrator Weller in Wölfersheim.

(Schluß.)

Verfährt man nicht einſeitig, wenn man bei Unter uchung einer Sache nur den ſchaͤdlichen Mißbrauch und licht auch den nützlichen Gebrauch vor Augen hat? wenn man, entgegen demabusus non tollit usum,/ das Gute mit dem Schlechten zugleich in Kehricht wirft, das Kind nit dem Bade ausſchüttet?Man müßte, wie Burdach roniſch ſagt, wenn man ſich der geiſtigen Getränke enthielte im nicht in Trunkſucht zu verfallen, dann eben ſo ſich vor

111847.

allen wohlſchmeckenden Nahrungsmitteln huͤten, um vor Schwelgerei ſicher zu ſein, oder ſich die Erholung im ruhigen Anſchauen der Natur oder der Werke der Kunſt ver ſagen, um ſich nicht dem Müßiggange zu ergeben, oder auf den Genuß einer Wanderung verzichten und ſich in ſeiner Wohnung einkerkern, um nicht Vagabund zu werden, oder in ein Trappiſten-Kloſter ſich begraben, um nicht in die Ausſchweifungen der Eitelkeiten der Welt zu verfallen! und fährt derſelbe Schriftſteller im Verfolg ſeiner Darſtellung weiter fort:Es liegt eine unwürdige Ironie in jener An ſchauung des Lebens, ein bitterer Hohn der Menſchheit, wiſche den Branntwein, ſelbſt in ſeinem Mißbrauche, dar⸗ zußellen ſucht, als die Hauptquelle, aus welcher Armuth, moraliſche Verſunkenheit und geiſtige Verdumpfung entſprungen ſeien. Warum finden wir dieſe grauenvolle Trias denn auch in jenen Ländern, wo der Branntwrin faſt nicht gekannt iſt, warum hat ſich denn der Verbrauch deſſelben gerade in jenen Zeitperioden geſteigert, wo allgemeine Calamitäten, namentlich der Krieg mit ſeinen, gerade die niedere Volks⸗ klaſſe hart bedrängenden Folgen ſich gezeigt haben. Das Elend hat die Verzweifelnden zum Branntwein geführt, nicht umgekehrt, wenigſtens nur im Einzelnen. Die Branntwein peſt iſt nur ein Symptom in der großen Entwickelungskrank⸗ heit der Menſchheit! Wer das Leben, nicht des einzelnen Menſchen, ſondern der Menſchheit von einem hoͤheren Stand punkte erfaßt, wer ſich den freien ungetrübten Blick der rein menſchlichen Weltanſchauung errungen hat, wenn nicht die Knechtſchaft des Buchſtabens und der Rückſichten das Auge verſchleiert, der muß hierzu ſein feierliches Ja ſagen, oder Wehe dem, der aus Menſchenfurcht die heilige Wahrheit des Geiſtes verläugnet!/Darum ſind denn auch eure Entſagungsvereine ein erfolgloſes Palliativ, eine heil loſe Stümperei an dem kranken Organismus der Menſch heit! Heillos, weil ihr die Unwahrheit auf euer Panier geſteckt habt, daß der Branntwein ein Gift ſei, heillos, weil ihr den hochgeſtellten Schlemmer nicht ächtet, weil er in Wein und Champagner ſchwelgt, während ihr den Armen wie Unmenſchen verdammt, daß er ſein Elend im Brannt- weinrauſche vergeſſen wollte, heillos, weil ihr auch den mäßigen Genuß dieſes Erheiterungsmittels ihm verbietet und das nothwendige Erquickungsmittel ihm vorenthaltet, heillos endlich und nochmals heillos, weil ihr abzieht dadurch von der ernſten Hülfe! Erfolglos aber iſt das Mittel, wie jedes Pallativ, welches dem Uebel ein Blatt abreißt, ſtatt es an der Wurzel zu ergreifen, erfolglos, weil ihr ſelbſt die Ur⸗