Ausgabe 
10.11.1847
 
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. 376.

Die Familie iſt gleichſam ein Körper, deſſen Lebens- pulſe die Eltern ſind. Alle Glieder wirken zuſammen, daß das Ganze lebe und gedeihlich fortbeſtehe, Vater und Mut ter wirken aber auf verſchiedene Weiſe zur Erziehung mit. Verſchieden, nicht widerſprechend, ſo daß Eins dem An dern entgegenarbeitete, ſondern ſo, daß ſich Beide ergänzen.

Der Vater repräſentirt die Strenge, die Mutter die Milde.

Beide ſind durch die Liebe und ihre Kinder Eins. Die Liebe des Vaters iſt anderer Art, als die der Mutter. Dieſe iſt eher geneigt zu verwöhnen, ſtraft aber auch bisweilen härter. Der Vater ſcheint vielleicht kälter, iſt aber auch ſeltener ungerecht. Er pflegt ſeine Liebe weniger zu zeigen, als die Mutter. Dafür zeigt aber auch ein Mann ſeltener kleine Schwächen, als eine Frau. Daher iſt die Furcht der Kinder vor dem Vater und ihre Achtung vor ihm gewöhn lich größer. Wo Nachſicht nöthig iſt und Verzeihung, da ſtecken ſich die Kinder lieber hinter die Mutter, weil die Frauen ſchwächer ſind, als die Männer.

Wetterauer Sagen.

X. Vetter Metz.)

In der Gambacher Gemarkung nach Holzheim hin iſt der Ehlborn), welcher ein beſonders gutes Waſſer hat, nach welchem zu Gambach die Sterbenden zu verlangen pflegen. Wenn alſo Kranke Waſſer aus dem Ehlborn

fordern, ſo ſieht man das als ein Vorzeichen des nahen

Todes an, und der ihnen aus dieſem Born gereichte Trunk iſt, wie die Leute ſagen, gleichſam die letzte Oelung. In der Nähe des Brunnens iſt der Pahrgarten*), an welchem Wieſen liegen. Das Feld neben dieſem Garten aber heißt das Alſtädter Feld, weil es zu einem ausgegangenen Dorf Alſtadt gehörte. Von dieſer Gegend hat ſich folgende liebliche Sage erhalten:

In früherer Zeit, wann junge ledige Burſche auf dem Alſtädter Feld gezackert hatten und vier Uhr hielten, ſetzten ſie ſich an den Ehlborn und tranken daraus. Wie ſie nun ſo da waren, ſahen ſie nach den Wieſen am Pahr garten und ſprachen leiſe: Sie iſt noch nicht da! Sie kommt noch nicht! Erſchien noch nichts, dann fingen ſie an zu ſingen:

Vetter Metz, Bring mir'n Plätz! 5 A w

) Metz iſt der Verkleinerungsname des altdeutſchen weiblichen Namens Madalhilt, Wie aber zu dem weiblichen Namen Metz hier das männliche AnredewortVetter als freundliche Begrüßung kommt, kann ich nicht erklären.

) Siehe Ph. Dieffenbachs Auszug aus dem Tagebuch einer in Auf⸗ trag des hiſtoriſchen Vereins unternommenen Reiſe. Dritte Ab⸗ theilung. Seite 100..

ie) In der Volksausſprache Pärgoahrde geſprochen. Man hört auch: Pahrdsgarte.

1) Das Plätz iſt ein flacher, dünner, mit Butter mürb gemachter

und mit Zucker und Zimmet beſtreuter Waizenkuchen. Zu Altenſtadt nennt man ihn Platz, ſonſt in der Wetterau auch Zuckerkuchen. Ich konnte übrigens das Liedchen nur ſo weit erfahren, als ich es oben mitgetheilt habe.

Wenn ſie aber das Liedchen ausgeſungen hatten, ſo erſchien in jenen Wieſen ein ſchön und fein gekleidetes Mäd chen, wunderlieblich anzuſehen, mit einem Plätz, trug ihn, indem es über Wieſen und Feld dahinſchwebte, zu einem Pfluge und legte ihn auf die Rehhörner desſelben. Dann

ſchwebte das Mädchen geſchwind wieder weg nach den

Wieſen, verſchwand, kam, wie das erſtemal, wieder mit einem Plätz und legte ihn auf die Rehhörner eines andern Pfluges, und ſo iſt es hin und her geſchwebt, bis es auf die Rehhörner eines jeden Pflugs einen Plätz gelegt hatte und keine mehr da waren. Dann verſchwand es da, woher es mit den Plätzen gekommen war, und ließ ſich für diesmal nicht wieder ſehen. Die Burſche aber blieben mäuschenſtille ſitzen und warteten, bis die Metz fertig war, dann gingen ſie hin zu ihren Pflügen und ließen ſich die Plätze recht gut ſchmecken. Konnte jedoch einer nicht ſo lange warten,

bis ſie fertig war und auf alle Rehhörner Plätze gelegt

hatte, und ging hin an ſeinen Pflug und holte ſich den Plätz, ſo kam ſie nicht wieder und die andern Rehhörner blieben fur dasmal alle leer.

W.

Kirchenbuchsauszuͤge vom September 1847. Ulrichſtein.

Getraute: Keine.

Getaufte:

5. Der Margaretha Suppus, des Bürgers und Acker⸗ manns Konrad Suppus zu Sellnrod unverheurathete Tochter ein Sohn, Auguſt, geb. den 9. Auguſt.

12. Dem hieſigen Bürger und Schmied Konrad Appel III. eine Tochter, Katharina Juſtine Eliſe, geb. den 27. Auguſt.

Beerdigte: Keine.

% Max lt Nen ich

Grünberg, am 6. November 1847.

Aufgefahren] Verkauft..

Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe

(Mltr.)(Mltr.) fe. kr. Wien 200 170 11 30 Noe 160 150 8 10 e 120 100 6 40 Bifi 70 50 4 50 Roggenmehl. Kartoffell,¶. 5 5

NB. In Grünberg wurde das Malter Waitzen zu 200, Korn 190, Gerſte 170, und Hafer 120 Pfund gerechnet.

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