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der Burgkirche: Aeiet U.
Taxe erg und Butzbach 2. Nov. 1847.
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Intelligenz-Blatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
Hund die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Amtlicher Theil
Der Großherzoglſch Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg
an die Großh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes.
Betreffend: Die Vertheilung von Prämien auf Aweckmüffe angelegte Dungſtätten pro. 1847.
Sie werden zur öffentlichen Kenntniß bringen, daß wenn Jemand im Jahr 1847 eine Dungſtaͤtte ſo zweckmäßig angelegt, daß er glaubt, bei Verlooſung deßfallſiger Prämien concurriren zu können, und baldigſt ſein deßfallſiges Geſuch dahier vorbringen möge.
Grünberg am 4. November 1847.
Ouvrier.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Hungen an ſämmtliche Ortspolizeibehoͤrden des Kreiſes.
Betreffend: J. U. S. gegen Maria Albohn zu Hattenrod wegen Vagabundirens.
Rubricatin ſteht durch gerichtliches Erkenntniß unter polizeilicher Aufſicht, hat ſich aber von ihrem Wohnort, auf den ſie beſchränkt iſt, entfernt. Sie werden dieſelbe im Be— tretungsfall gefänglich hierher führen laſſen.
Hungen am 3. November 1847. I d. Sſcha af, Großh. Heſſ. Kr.⸗Sert.
Pädagogiſche Bilder oder die moderne Erziehung in der Familie und Kleinkinderſchule, in der Nähe und Ferne betrachtet von J. Fölſing und C. F. Lauckhard, 1847.
Vater, Mutter, Kind. (Schluß.) Wer die Urſachen auſſuchen wollte, aus denen der immer fühlbarer werdende Mangel des ächten, chriſtlichen Familienlebens hervorgeht, der würde ſie in vielen modernen
reden, wenn wir darauf halten,
Zuſtänden und Lebensverhältniſſen finden. Es iſt die in ſchrecklichem Maße überhandnehmende Genußſucht, die Be— quemlichkeit, die Putz- und Zerſtreuungsſucht, die Rohheit des Herzens und die Beſchränktheit, welche den Segen des guten Familienlebens und ſeine entſchiedene Einwirkung auf die Kinder nicht gelten laſſen will; es iſt,— ſprechen wir's nur geradezu offen aus— der Mangel an dem frommen Sinne, der unſere Zeit charakteriſirt. Wir brauchen der krankhaften Kopfhängerei nicht das Wort zu daß die Eltern ihren Kin⸗ dern durch das eigene Beiſpiel einen frommen, chriſtlichen, gläubigen Sinn einzupflanzen berufen ſind.
Die Familie iſt das natürliche Vorbild des größeren Zuſammenlebens der Menſchen in der Gemeinde und im Staate. Nur auf einem guten Familienleben hatte der Staat allezeit die ſicherſte Grundlage. Wenn hier, im kleinen Vereine, jedes Glied ungeſtraft der Willkuͤhr und Selbſtſucht, den eignen Launen und Anſprüchen ruͤckſichtslos folgen darf; ſo wird auch der größere Verein, die Gemeinde, der Staat, die Menſchheit, keine guten Bürger, keine guten Menſchen und Chriſten von hier aus zu erwarten haben. Keine Nach— ſicht, kein Friede, kein Edelmuth, keine Aufopferung, keine vernünftige Einſicht, die, dem Ganzen zum Beſten, vom Eignen und Einzelnen abſieht, wird zu hoffen ſein. Aber an Trägen, Selbſtſuͤchtigen, an Unzufriedenen und Rohen, an aberwitzigen Flachköpfen und frivolen Holzherzen werden wir keinen Mangel haben.
Die Ehe gründet ſich auf Einheit und Uebereinſtim— mung. Dieſe Einheit aber beſtehet und erhält ſich nicht von ſelbſt. Sie will errungen und feſtgehalten ſein durch Selbſt— verläugnung und„ Wo man ſich hierzu nicht bequemen mag, da kann kein Friede und keine Ruhe im Hauſe ſein. Wenn der Vater ſtraft und die Mutter das geſtrafte Kind, wenn auch nur mit Mienen und Blicken in Schutz nimmt, oder gar ſtreichelt und hätſchelt; da reißt das Eine nieder, was das Andere aufgebaut. Widerſtrei— tende Anſichten über die Erziehung dürfen nie vor den Kin— dern verhandelt werden.


