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zur nächſten Muſternng verwieſen wurden, in die vorer⸗ wähnten Gemeindeliſten eingetragen werden. Grünberg am 4. Januar 1847. 2 Ouvrier.
Die bei der vorigen zur nächſten Muſterung Ver⸗ wieſenen ſind: f
Otto Kraft von Altenhain, Balthaſer Kappes von Atzenhain, Johann Georg Erdmann von Bernsfeld, Johan⸗ nes Scharch von Ermenrod, Heinrich Weil von da, Wil⸗ helm Heinrich Erb von Geilshauſen, Johannes Damm von Göbelnrod, Johann Georg Erb von da, Peter Hopp von Großlumda, Johann Kaspar Sprankel daſelbſt, Anton Martin Karl Nagel von Grünberg, Chriſtian Walther da⸗ ſelbſt, Heinrich Formhals von Londorf, Rothſchild Meyer daſelbſt, Johannes Keil, Joh. Georg Sohn, von Nieder⸗ ohmen, Johann Konrad Tröller von Oberohmen, Wilhelm Sohl von Rüdingshauſen, Joh. Adam Anneberg von Rup⸗ pertenrod, Konrad Dauppert von Ulrichſtein, Johannes Momberger von Wohnfeld, Peter Kempf von Zeilbach.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg
an die Grßh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes.
Betreffend: Verordnung, den Betrieb und die Beaufſichtigung des Gewerbes der Mäkler mit Getraide, Hülſenfrüchten und Kartoffeln— nun die Anſtellung verpflichtete Mäckler. In Gemäßheit der in der Rubrik genannten Verord⸗ nung vom 4. d. M. iſt für Jeden der das Gewerbe eines Mäklers treiben will, meine Erlaubniß nöthig, welche nur bei hinreichender Befähigung d. h. wenn derſelbe im Leſen, Schreiben und Rechnen erfahren iſt und bei gutem Rufe ertheilt werden kann. Sie haben deßhalb beim Vorlegen derartiger Geſuche ſich über dieſe Punkte zu äußern und noch weiter anzugeben, welche Gebühren ſeither den Mäk⸗ lern bezahlt worden ſind. Friedberg den 29. December 1846. Küchler.
Weiblicher Liebesmuth und Glaubensmuth.
(Aus der„Spinnſtube für 1847 von W. O. v. Horn.“ Nachfolgende Erzählung wird den Wunſch rechtfertigen, daß dieſer zweite Jahr⸗ gang der Spinnſtube, welcher für 45 kr. in jeder Buchhandlung zu haben iſt, dieſelbe allgemeine Verbreitung finden möchte, welche ſich der erſte Jahrgang zu erfreuen hat.
Hört man ſo reden von den Thaten der Menſchen oder lieſet hin und wieder, wie der oder jener etwas Großes gethan, ſo ſollte man glauben, die Männer hätten allein den Muth und die Kraft in Pacht genommen und die Frauen ſeien bloß da, zu dulden und zu leiden. Iſt's nicht ſo, liebe Leſer? Aber wir wiſſen es doch recht gut, daß die aufopfernde Liebe einer guten Mutter am Kranken⸗ bette ihres Kindes; daß die Entbehrungen und die hingebende Geduld eines Weibes für ihren, ſolche Aufopferungen oft nicht einmal anerkennenden Mann mehr Muth und Kraft er⸗ fordert, als der Soldat aufzubieten braucht, um im Kampfe gegen den Feind zu gehen. Wohin ſollte es mich führen, ſolche Thaten des Weibes zu nennen? Viele, ja wahrlich, recht viele Beiſpiele könnte ich aufführen von ſolchen tapfern Frauen in ihrem ſtillen, häuslichen Kreiſe, und es fällt mir da gerade eins ein, wo eine Frau mit ihrem Verdienſte fünf Kinder und einen langeleidenden Gatten ernährte, und einer andern wackeren Hausfrau gedenke ich, welcher die Fran⸗ zoſen(was haben die uns nicht all für Unheil gebracht!)
in den Neunziger Jahren alle ihr Weißzeug(Linnengeräthe) wegplünderten, daß ſie und die Ihrigen nur noch ein Hemd, nämlich das auf dem Leibe übrig hatten, die jede Nacht bis drei Uhr Morgens ſaß und ſpann, um zu erſetzen, was die Unholde geraubt, und dieß viele Jahre fortſetzte mit einer Ausdauer, welcher kein Mann fähig geweſen wäre. Da heißt's: Hut ab!— Aber bei den zwei edlen Frauen, von denen ich Euch jetzt erzählen will, heißt's auch ſo, und um ſo mehr, als bei ihnen ſelbſt der Muth der Liebe und des Glaubens die engen Grenzen des häuslichen Lebens über ſchritt und heraustrat in die Gebiete, in denen ſonſt nur der Mann zu walten und zu herrſchen pflegt.
f Die Erſte heißt: Johanna Sebus, und das iſt ein Namen, den ich mit Ehrfurcht nenne, und den Ihr, liebe wrd ohne Zweifel auch bald mit innigen Gefühlen nennen werdet.
Da drunten im Clever Lande, wo der Rhein durch ein ſich weit auf ſeinen beiden Ufern ausdehnendes, flaches Land langſam dahin fließt und ſich recht breit zwiſchen den Ufern ausdehnt, ſind dieſe Ufer durch Dämme oder Deiche erhöht, damit nicht das Waſſer, wenn es anſchwillt, die Felder und Orte überſchwemme und großen Schaden verurſache.
Leider trifft es ſich aber häufig, daß bei Eisgängen oder im Frühlinge oder im Herbſt und Winter die Fluth anſchwillt, das Waſſer nicht nur über dieſe Dämme ſteigt, ſondern bei heftiger Gewalt, und vom Eiſe unterſtützt, die Damme durchbricht, und dann mit verheerender Macht auf das Flachland ſich ergießt, und, ſo weit das Auge reicht, Alles in einen See verwandelt. Es iſt ein entſetzlicher Anblick, wenn man dann nur die Kronen der Bäume über das Waſſer hervorſtehen ſieht, oder die oberen Stockwerke und Dächer der Häuſer und der Kirchthürme. Wie es da⸗ bei den armen Menſchen geht, deren Vorräthe in Scheunen und Kellern verderben, deren Vieh nicht ſelten ein Opfer der Fluth wird— wie groß die Gefahr ſelbſt für ſie iſt— elendiglich zu ertrinken, das mögt Ihr Euch ſelber vorſtellen, aber Gott danken, wenn Eure Wohnung keine Fluth er⸗ reicht!— N
Wer ſich des Winters von 1809 noch erinnert, der weiß, daß der ſich tüchtig geſchüttelt hatte. Der Schnee lag hoch genug, um Schritt vor Schritt bis halbwegs der Waden hinein zu brechen, und die Eisdecke über die Bäche und Flüſſe war ſo hart gebacken, daß man drüber laufen konnte mit gutem Gewiſſen,— ja ſelbſt mit einem ſchlechten, und die Juden ihr Sprüchlein für ſich behielten: daß das Waſſer keine Balken habe.— Dennoch trat in der erſten Hälfte des Januars Thauwetter ein und die ſtarke Eisdecke des Rheines ſetzte ſich in Bewegung. Die ſtarke Strömung wälzte mit ſchauerlichem Geräuſche die gewaltigen Eisblöcke und Eisſchollen über einander hin. Da mußten die Dämme wehrhaft ſein, wenn ſie Widerſtand leiſten ſollten, und im Cleverlande waren ſie leider ſchlecht; denn unter der Fran⸗ zoſenherrſchaft bekümmerte man ſich nicht viel um die Damme und das Wohl des Landes überhaupt, menn man nur Geld herauspreſſen und die jungen Burſche holen und auf die Schlachtbank der ewigen Kriege ſchleppen konnte.
Das Waſſer ſtieg eben ſo unerwartet ſchnell, als hoch; 0
denn im Oberlande lag hoher Schnee, der ſchnell abging. Bald wurde oberhalb der Stadt Cleve die niedere Gegend ganz unter Waſſer geſetzt und eben ſo die ganze untere Stadt, ja es ſtieg die Fluth in der Stadt ſo hoch, daß viele Häuſer mit ihren erſten Stockwerken ganz im Waſſer ſtanden. War es hier ſchlimm, wo doch die Häuſer höher gebaut ſind, ſo ſtand es auf dem Lande noch viel ärger. Die armen Bauern ſaßen mit ihren Weibern und Kindecn auf den Firſten ihrer Dächer in Näſſe und Kälte. Ihr Vieh war ertrunken, ihre Vorräthe zerſtört, für ſie ſelbſt keine Rettung; denn
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