Ausgabe 
8.9.1847
 
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Parteien vergleichen,deſſen chaldaiſche) Stammform pschar auslegen, ausdeuten bedeutet. Unſer jüdiſch⸗deutſches pscho⸗ res geht alſo wohl auf den nicht ganz ehrlichen Gewinn, den einer heimlich aus einem Vergleiche, welchen er zu wege bringt, für ſich zieht.

26. kapore oder kapores,) in welchen Wörtern der Ton auf dem langen o liegt und die erſte und die letzte Sylbe kurz ſind, bedeutet: zu Grunde gerichtet, ver dorben, entzwei, todt, wie unſer aus dem Franzöſiſchen ſtam mendes caput. Unſere Juden gebrauchen meiſt kappôre, welches ſie geboͤre ausſprechen. Es iſt das jüdiſch-rabbi⸗ niſch Wort Kapparah, welches gemein-jüdiſch kapporo ge⸗ leſen wird und die Verſöhnung, das Verſöhnungsopfer bedeu tet, aber dann bei den Juden ehemals gebraucht wurde, wann einer am großen Verſöhnungstage(langen Tage) ſeine Suͤnden einem Nichtjuden auferlegen wollte mit den Worten: Sei Du meine kappore!was ſo viel bedeutet als: Sei Du mein Sühnopfer(für meine Sünden)! Trage Du meine Sünden und büße für ſie! d. i. Stirb Du für mich, der ich für meine Sünden ſterben ſollte. Inſofern iſt dann kappôre(kapparah) ein auferlegter Fluch und bedeutet auch bei unſern Juden ſo viel alsgebührende Strafe kapores iſt das hebräiſche: die kapporeth, welches unſere Juden kappores ausſprechen; es bedeutet ebenfalls Ver⸗ ſoͤhnung, Sühnopfer. Das Stammwort iſt hebräiſch kipper vergeben, entſündigen.

27. ſchachern bedeutet von Juden: umherziehend Kleinhandel treiben. So ſchreibt man das jüdiſch ausge ſprochene schächere, von hebräiſch sachar umherziehen, insbeſondere in Handelsgeſchaͤften, um einzukaufen oder zu verkaufen, woher auch hebräiſch sachar Erwerb durch Klein⸗ handel, welches unſer: der Schacher in der Bedeutung jüdiſcher Kleinhandel durch Umherziehen- iſt.

28. ſich ſchmadden bedeutet von Juden: durch die Taufe ein Chriſt werden. So ſchreibt man das jüdiſch ausgeſprochene sich schmadde. Dieß iſt das chaldäiſche Wort schmad, welches vertilgen, vernichten, aber dann

im Talmud und bei den Rabbinenvom jüdiſchen Glauben

abfallen bedeutet, gleichſam in dem Sinne which ſelbſt vertil⸗ gen, ſich ins Verderben ſtürzen /) Er hat ſich geſchmadd't, d. i. er iſt ein Chriſt geworden, bedeutet alſo urſprünglich: er hat ſich vertilgt oder ins Verderben geſtürtzt.

29. mauſcheln, d. i. die Hände übervortheilend in einer Sache haben, heimlich etwas in einer Sache machen wie es nicht ſein ſoll ß). Wir Wetterauer ſprechen das Wort mouschele aus. Es kommt von jüdiſch mouschel d. i. hebräiſch möschel Herr, dem Mittelwort von he bräiſch maschal Herr ſein, herrſchen. Die Juden ſagen mouschel ſein für Herr ſein, Gewalt haben, und wer etwas zu ſeinem Vortheil heimlich in einer Sache zu machen weiß, iſt gleichſam oben und hat die betreffende Sache ſo zu ſagen in ſeiner Gewalt.

30. uzen, d. i. zum Beſten haben. Der z iſt: 1) das Zum,-Beſten-haben; 20 das womit man jemand zum Beſten

) Was chaldäiſche Sprache iſt, wiſſen wohl viele Leſer aus der Bibel, z. B. Daniel Cap. 1. V. 4. ö

*) Wer kennt nicht kapores aus des Dichters Bürger Weibern von Weinsberg?

ae) So ſteht kappôra z. B. im Judenliede über den Frankfurter Leb⸗ kuchenbäcker Vincenz Fettmilch in Schudt's jüdiſchen Merkwürdig⸗ keiten 3. Thl. S. 27. Vgl. auch über die Nappafan 2. Thl. 2. Abthl. S. 301 304. 0

) So nennt der berühmte Rabbi Kimchi den vom 945 Glauben

Abgefallenen als einen gleichſam als ſeine Seele, Verdorbenen mschummad.

) Vgl. Schmeller's baieriſches Wörterbuch 2. Thl. S5. 641.

hat. uz und uzen(wetterauiſch uze geſprochen) ſind weit verbreitete Wörter, in der Juden⸗ und in der Volksſprache ſehr üblich, kommen aber wahrſcheinlich erſt in jüngerer Zeit im Deutſchen vor und ſind allem Vermuthen nach hervor gegangen aus hebräiſch uz d. i. einen drängen.

31. beduche(mit langem u), d. i. ſtill in ſich ge⸗ kehrt, ſtill bedacht fuͤr ſich. Z. B. beduche da ſtehn, ſitzen ꝛc. ꝛc.; ein beduchener Mann, eine beduchene Frau ꝛc. ꝛc. Man ſagt auch beducht(ebenfalls mit langem u) in gleicher Bedeutung.) Beduche iſt jüdiſch, von he bräiſch batüach d. i. Vertrauen habend, ſich ſicher fühlend, dem Mittelwort von batach vertrauen, ruhig und ſicher ſein.

32. beſäbeln, d. i. beſchmutzen. Wetterauiſch be ſäwele, jüdiſch besäiwele, von hebräiſch sebel Koth, Schmutz.

33. Makke, d. i. die Beſchädigung, der Fehler an einer Sache. Z. B. das Kleid, Geſchirr ic. ꝛc. hat'n Makke. Von hebräiſch makah der Schlag, Plage, Wunde, woher auch die Mehrzahl Makkes d. i. Schläge, hebräiſch makoth,

welches unſere Juden mäkkos leſen und makkes ſprechen.

34. mezern(das erſte e wird lang geſprochen), d. i. quälen.Einen mezern iſt ihn um etwas quälen. Unſere Juden ſprechen das Wortmäizere, die Ehriſten i⸗ zern, aus. Es iſt abgeleitet von hebräiſch mézar, welches Bedrängniß bedeutet und von hebräiſch zarar drängen, ver⸗ folgen, abſtammt.

35. Die Iſche, d. i. die verwachſene weibliche Perſon. Die Chriſten aber gebrauchen das Wort immer mit Herab ſetzung. Es iſt jüdiſche Ausſprache von hebräiſch ischah d. i.Weib jedes Alters und Standes und verehelicht oder nicht /, abgeleitet von hebräiſch isch der Mann.

36. Der Aette, d. i. der Vater, und die Memme, d. i. die Mutter. Chriſten gebrauchen in der Wetterau dieſe beiden Ausdrücke immer nur von Juden, z. B. Was macht Dein Aette? Deine Memme? u. ſ. f. Sie ſind aber beide nicht hebräiſch, ſondern Aette iſt aus dem griechiſchen und ſpäter-lateiniſchen Worte atta d. i. lieber

Vater, welches bei den alten Deutſchen ebenfalls atta und

atto, ato lautete), und Mäm me iſt das griechiſche und lateiniſche Kinderwort mamma d. i. Mutter. Bei den Juden in der Bibel hieß der Vater av) und die Mutter cem, welche aber bei unſern Juden gar nicht mehr gehört werden.

W.

Der pfeifende, pfiffige Lumpen ſammler.

Da kommt er her, freudig trabend hinter ſeinem mit einem großen, breiten Lumpenſacke gezierten Schubkarren. Bunte Bilder hängen auf ſeiner Schulter. Nun raſtet er, ſetzt ſich ganz bequem auf ſeinen weichen Sack, zieht ſeine Pfeife aus der Taſche und zeigt ſeine Meiſterſchaft. Die ihm Begegnenden bleiben ſtehn, die in den Häuſern Woh nenden öffnen haſtig die Fenſter, zu ſehen, was es da gäbe. Und ſiehe, es iſt ein Lumpenſammler, der ſtatt Schnüre Bilder zum Austauſche bietet. Hat er ſchon durch ſein

*) Dieß iſt das auch im Rotwelſchen vorkommende betücht(Schmel⸗ lers bairiſches Wörterbuch 1. Thl. S. 358.) Es iſt aber ganz verſchieden von dem niederdeutſchen beducht, niederländiſch beducht und bedocht d. i. bekümmert, bange zu Muthe.

un) Daher ſagen noch die Kinder in Baiern und Schwaben zum Vater Atte, Att, Aette, und das lautet dort gar nicht jüdiſch, wie bei uns Wetterauern.. Au) 891 1 ja Abba d. i. Vater aus der Bibel: Mark. 14, 16. a

r.