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erfüllte ſie im Drang der ſchwierigſten Verhältniſſe, mit
einer Ausdauer und zugleich mit einer Umſicht und Klug⸗
heit, die um ſo bewundernswürdiger war, als ſie von aller äußern Bildung entblößt, eben aus der armen Dorf— hütte in die Stadt gekommen. Kein Wunder, daß dieſer Charakter,„„edel und in Unſchuld und Einfalt, bis zur
Erhabenheit großherzig,““ entſchiedenen Einfluß auf den
Knaben übte, daß das anſchauliche Bild ſolcher Liebeskraft in einem ſchlichten Bauernmädchen ihn lehrte, welche Schätze in der reinen Menſchennatur liegen und ſich aus ihr ent⸗ falten, wenn ſie nicht durch Kunſt oder Künſtelei verdorben ward. In der That dankte er dadurch dem Babeli mehr, als durch die äußerſte Sparſamkeit und Schonung der Kleider, welche das Mädchen den Kindern immer ein— ſchärfte. 5
Ueber Kartoffeldüngung. (Aus der Didaskalia Nr. 66.)
Bei der gegenwärtigen ſchweren und bedrängten Zeit gibt man ſich allenthalben Mühe, durch Zuſatz von Surro⸗ gaten billigeres Brod zu liefern, durch chemiſche Mittel an⸗ gefaulte Kartoffeln genießbar zu machen u. ſ. w. Alle dieſe Beſtrebungen ſind gut und löblich, aber es wird ſich bald herausſtellen, daß die dadurch bezweckte Abhülfe nicht be⸗ langreich und durchgreifend iſt.— Bei weitem wichtiger iſt es, den Bau der Kartoffeln wieder empor zu bringen und der Fäulniß derſelben, die wir, wenn ſie einmal eingetreten iſt, nur ſehr ſchwer hemmen können, mit allen Kräften vor⸗ zubeugen.
Nach den vorliegenden Erfahrungen finden ſich, unter im Uebrigen gleich bleibenden Umſtänden, ſtets auf ſtark mit animaliſchem Dünger gedüngten Feldern die meiſten faulen Kartoffeln, und ich hege die feſte Ueberzeugung, daß man durch ein zu ſtarkes Düngen mit ſtickſtoffhaltigem Dün⸗ ger die Kartoffeln wie zu einem übermäßig üppigen Wachs⸗ thum, ſo zu einer allmäligen Entartung gezwungen hat; denn faſt bei allen Fruchtfolgen und bei jeder Art der Feld⸗ wirthſchaft werden die Kartoffeln in das friſch gedüngte Land geſetzt. Bei Fortführung dieſes der Kartoffel offen⸗ bar nicht zuſagenden Verfahrens werden wir daher aller Wahrſcheinlichkeit nach auch bei künftigen Ernten die trau⸗ rigen Erſcheinungen der letzten Jahre leider wiederholt ſehen.
Ich kann daher nicht umhin, einen Verſuch zur Kennt⸗ niß eines größeren Publikums zu bringen, der— unter meiner Leitung im vergangenen Sommer auf dem Hof Geis— berg dahier angeſtellt— einen ſehr günſtigen Erfolg hatte und geeignet iſt, meine oben ausgeſprochene Anſicht auf's kräftigſte zu ſtützen und ſomit Hoffnung auf baldige Beſei⸗ tigung des Uebels zu erwecken.
Ein Meter⸗Morgen Landes, der mehrere Jahre nicht gedüngt worden war, wurde, unter Anwendung von rein mineraliſchem Dünger, mit virginiſchen Kartoffeln bebaut. — Hinſichtlich der Wirkung ſpricht ſich der Jahresbericht über die Verſuchsfelder des herzogl. naſſ. landwirthſchaft⸗ lichen Vereins, ſiehe Nro. 52 des landwirthſchaftlichen Wo⸗ chenblattes für das Herzogthum Naſſau, alſo aus:
f„Der Erfolg war, daß der Ertrag jenem dieſer Sorten in anderen Jahren nicht nachſtand, und daß kranke Kartof⸗ feln auf dieſem Grundſtück nicht gefunden wurden.“
Hierzu muß noch bemerkt werden, daß andere benach⸗ barte Grundſtücke, welche nach gewöhnlicher Art gedüngt werden, beträchtlich durch die Kartoffelfäule gelitten hatten, vergl. im oben angeführten Blatt Pag. 410. Ich kann alſo dieſe Art der Kartoffeldüngung mit Recht zur Nachah⸗ mung uud Prüfung empfehlen.
Den Dünger kann Jedermann mit geringer Muͤhe und unbedeutenden Koſten ſelbſt bereiten. Fur einen Meter⸗
Morgen braucht man 100 Pfd. Dieſe erhält man durch inniges Zuſammenmiſchen von 20 Pfd. Buchenholzaſche, 15 Pfd. gebrannten und gemahlenen Knochen(ſogenanntem gebrannten Hirſchhorn), 10 Pfd. Gyps, 15 Pfd. Soda oder Kochſalz und 40 Pfd. gebranntem zerfallenem Kalk.— Beim Setzen der Kartoffeln wird in die für die einzelnen beſtimmten Grübchen die jeder Kartoffel zukommende Menge des Düngers(welche man durch Diviſion mit der Anzahl der auf einen Meter-Morgen zu ſteckenden Kartoffeln in 3200 Loth findet, und für die man ſich ein kleines Mäß⸗ chen macht) geſchüttet, ein wenig Erde darüber geſtreut und dann die Kartoffel wie gewöhnlich eingelegt. Wiesbaden den 27. Februar. Prof. Dr. Freſenius.
Die Setzkartoffeln beteffend. Herr Pfarrer Flick in Peterweil hat berejts in Nr.
17 d. Bl. von 1835 unter obiger Rubrik, auf mehrjährige
Erfahrung geſtützt, nachgewieſen, daß wenn ganze Kartof⸗ feln geſetzt werden, die Erndte bedeutend ergiebiger iſt, als wenn blos Kartoffelſtücke dazu verwendet werden. Er ſchreibt in dieſer Beziehung aufs Neue:„Ich möchte gerade jetzt vorzugsweiſe anrathen, wo möglich nur ganzer, wenn auch kleiner, wiewohl völlig reif gewordener Kar⸗ toffeln zum Setzen ſich zu bedienen; da, wo man jedoch mit ſolchen nicht ausreichen ſollte, die Kronkeime doch wenigſtens nicht allzukärglich abzuſchneiden, ſo wie beſonders noch dar⸗ auf zu ſehen, daß kein erhitztes oder gar ſchon angefaultes Kartoffelſtückchen zur Einlage verwendet werde. Daß hier⸗ bei die Keime möglichſt nach Oben gelegt werden müſſen, verſteht ſich wohl von ſelbſt: aber Das glaube ich hier noch beſonders anfügen zu müſſen, daß zerſtuͤckte Kartoffeln nur in— in der Regel mittelſt früherer Aufackerung— gehörig gelockerten Boden gelegt werden dürfen; indem bei allen⸗ fallſiger trockener Witterung faſt ſammtliche— zumal ſpär⸗ lich— zerſtückte Kartoffeln, welche hohl zu liegen kommen, verdorren, ſomit ihre Keimfähigkeit verlieren; während da⸗ gegen ſelbſt auch nur kleinere ganze Kartoffeln wohl einen ganzen Monct über in der trockenſten Erde zum Theil ſelbſt nur halb bedeckt liegen können, ohne daß deren Keimkraft weſentlich dadurch vermindert würde.“
Vorzügliches Mittel alle Samenarten recht fruchtbar zu machen.
Man nehme 3 Maas Urin von Rindvieh, 5 Loth Kochſalz, 3 Loth Salpeter, fuͤlle das Ganze in ein Kochge— ſchirr und laſſe es 1½ Stunde ſieden. Jetzt wird das Ganze vom Feuer genommen und in noch heißem Zuſtande 7, Pfund ungelöſchter Kalk zugeſetzt, welcher aber friſch ſein muß und nicht an der Luft zerfallen ſein darf. Das Gamze wird nun, wie man in den Haushaltungen die Lauge bereitet, durchgeſeiht und der beliebige Samen darin ein⸗ geweicht, wieder etwas abgetrocknet und ausgeſäͤet. Den Ueberreſt kann man zum Begießen benutzen.
Bei Anwendung obigen Mittels bittet man um gütige Mittheilung des Erfolges durch dieſes Blatt.
Uebungs⸗Aufgaben für das ſchriftliche Rechnen in Volks⸗ ſchulen. Von einem Vereine von Lehrern in der Wetterau. 1., 2. und 3. Stufe. Friedberg(Bin⸗ dernagel) 1846.
Hierüber enthält das Decemberheft des in Offenbach erſcheinenden Schulblatts folgenden Aufſatz:


