Durgkirch irche: rah, egkirche 1 Purcz 4. ce Ha, kirche 5
ntelligenz⸗Olatt
für die
Provinz Oherheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Sonnaber
* Zur Wetterauer Chronik.
Der Verluſt, der unſerer Stadt Friedberg ſchon ſeit einem Jahre ungefähr gedroht hatte, hat ſie jetzt wirklich betroffen— der treue Seelenhirte, der mehr als 53 Jahre über das Wohl ſeiner Vaterſtadt in verſchiedenen geiſtlichen Aemtern, die er bekleidete, gewacht hatte, Herr Kirchen— rath G. Pilger iſt nicht mehr hie auf Erden, ſondern iſt in die Wohnungen des großen Vaterhauſes Gottes einge— gangen. Nach langer, oft auch ſchmerzhafter, ſtets mit glei⸗ cher Ruhe und Ergebung in Gottes heiligen Willen getra— gener Krankheit ſtarb er am Oſterſonntage Morgen, wäh— rend die Glocken zur Kirche riefen. Ein ſchöner Tod!— zu ſterben umgeben von den Seinen und geliebt von den Seinen, zu ſterben mit vollem Bewußtſein, aber ohne Furcht vor der herannahenden großen Stunde, ſondern voll gläu— biger Zuverſicht in Gottes Barmherzigkeit und Gnade, zu ſterben am Oſterfeſte und jenſeits zum ewigen Leben aufzu⸗ erſtehen an demſelben Tage, wo wir uns der Auferſtehung unſeres Herrn und Meiſters mit Loben und Danken erinnern, ein ſchöner Tod für einen Geiſtlichen— zu ſterben, wenn die Glocken läuten und von ihnen, denen er ſo häufig während der Wanderſchaft gefolgt war, nun auch in die Heimath gerufen zu werden.— Die unverholenſte Theilnahme an dem vorgefallenen ſchmerzlichen Ereigniſſe ſprach ſich na⸗ mentlich bei der Beerdigung der irdiſchen Reſte des hinge— gangenen Lehrers aus. Eine unabſehbare Menſchenmenge begleitete am Dienſtag Nachmittag um 4 Uhr unter dem Geläute aller Glocken die Leiche und den eigentlichen Trau— erzug, der, gebildet aus Civil- und Militär-Beamten, Corporationen und Bürgern der Stadt und angeführt von den Geiſtlichen, deren eine große Anzahl in Amtskleidung erſchienen war, in ſchicklicher Ordnung ſich zum Friedhofe bewegte.— Dort angekommen ſangen die Mitglieder des Singvereins aus dem Liede 696. die beiden letzten Verſe. Darauf hielt Herr Profeſſor Dr. Sell, die Worte der Schrift, Hebr. 13, 7. zu Grunde legend, die Grabrede, welche die vielen Verdienſte des ehrwürdigen Verſtorbenen verdienter Maßen hervorhob und das Andenken an den geſchiedenen Seelſorger den Gliedern der Gemeinde empfahl, daß ſie es im Segen behalten ſollten. Nach der Rede ſang nochmals der Singverein mehrſtimmig das herrliche Lied:„Auferſtehn, ja auferſtehn“(Nr., 267.) worauf die Verſammlung mit dem Segen des Herrn entlaſſen wurde und meiſt in der frühern Ordnung ſich in die Stadt zurückbegab.
Möchten die Manen Pilgers von Allen, zu denen er während ſeines langen Lebens die Lehre oder den Troſt oder die Zurechtweiſung oder die Strafe des Evangeliums gebracht hat d. i. aber die ganze Stadt und ein großer Theil des die Stadt umgebenden Landes, dadurch geehrt werden, daß ſie ſich— wie der Verſtorbene ſtets es em⸗ pfahl und wofür er die Kraft ſeines Lebens dahingab— immer eifriger beſtreben, zu werden ein heiliges Prieſtervolk, das da fleißig iſt in guten Werken und— träge zu thun, was wider Gott ſtreitet; ein ſolcher Dank wäre beſſer, als die reichſten andern Gaben und eine ſolche Liebe ſtünde höher, als alle dem Lebenden und dem Todten bewieſene Ehre, darum laſſet uns zum Guten das Beſſere, zu dem Hohen das Höhere hinzufügen, laſſet uns zum Dank und aus Liebe gegen den Verſtorbenen himmelan ſtreben, damit er dereinſtens alle die Seinen wieder bei ſich ſieht und deren keines iſt verloren gegangen.
Die zu Friedberg beſtehende Localſection des Gr. Heſſ. Gewerbvereins.
Nach der, in Nr. 19 dieſer Blätter von dem Vorſtand der hieſigen Lokalſection über einen, obigen Gegenſtand be⸗ handelnden Artikel, ausgesprochenen Rüge, ſcheint Herr Soldan denſelben nicht ſo aufgefaßt zu haben, wie er ge— meint war, und wie er auch von Allen, die der Verfaſſer deſſelben, ſelbſt in öffentlicher Sectionsſitzung, darüber urtheilen hörte, verſtanden worden iſt. Weit entfernt, den Verein im Geringſten verdächtigen zu wollen, beabſich— tigte der Verfaſſer vielmehr, die Aufmerkſamkeit des hieſigen Gewerbſtandes mehr auf denſelben zu lenken, weil er, mit einem großen Theile der demſelben Angehörigen in häufiger Berührung ſtehend, ſich überzeugt hat, daß, obgleich Meh— rere derſelben ſich bei dem Vereine betheiligt haben, doch noch Viele, die hierzu eben ſo gut Urſache hätten, zurückge— lieben ſind, was wohl hauptſächlich, wie er hier wieder— holen muß, daher kommt, daß es denſelben entweder an dem rechten Sinn für dergleichen fehlt, oder ſie den Zweck und Wirkungskreis des Vereins gar nicht kennen, und war bei der Hinweiſung hierauf eben ſo wenig an eine Einwirkung auf das, was der Einzelne thun oder laſſen ſollte, gedacht, als durch das über den Zu- und Abgang von Mitgliedern Geſagte auf einen Verfall des Vereins hingedeutet wurde.


