Ausgabe 
22.10.1845
 
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* 332 K.

auf Tilgungsrente, welche nach oben mit 6 prCt. 2028 beträgt, noch ein Gewinn von 332 fl. Ja ſelbſt bei einer Verzinſung mit 3 ½ prCt. des Anlehns, von welchem, obiges Beiſpiel angenommen, in 34 Jahren 1100 fl. e 1000 zuſammen 2190 fl. aufgewendet werden müßten, während bei 6 prCt. . 2028 zu bezahlen wären, gewinnt der Schuldner in die⸗ ſem Falle immer noch die Summe von 162 fl.

Dieſer Vortheil bei Kapitalanlehn auf Tilgungsrente (Amortiſation) erklärt ſich daraus, daß das, was der Schuld ner über die Zinſen hinaus bezahlt, auf Zinſeszinſen zu 4 ¼ prCt. angelegt erſcheint. Der Schuldner kann alſo ſelbſt die kleinſten Beträge, welche in Ermanglung einer ſolchen Gelegenheit gewöhnlich nicht aufgeſpart, ja ſehr häu⸗ ſig verſchleudert werden, auf eine höchſt vortheilhafte Weiſe zinstragend machen, was bei der gewöhnlichen Verzinſung der Kapitalien nicht möglich iſt. Die Sache verdient aber namentlich da, wo der Zinsfuß nahe zu auf 5 und ſelbſt auf 5 prCt. ſteht, die höchſte Beachtung.

Es darf daher nicht unerwähnt bleiben, daß die all⸗ gemeine Rentenanſtalt bei Darlehn auf Tilgungsrente halb⸗ jährige, ja ſelbſt vierteljährige Zahltermine dem Schuldner zur Erleichterung geſtattet und das Kapital zu keiner Zeit, auch dann nicht, wenn der Zins fuß im All⸗ gemeinen, zu ihrem Nachtheile, ſteigen ſollte, kündigen kann, es ſey denn, daß der Schuldner mit der vertragsmäßigen Zahlung im Rückſtande bliebe, oder daß der Werth der Unterpfänder um ½ oder mehr ſich vermindere. Der Schuldner wird alſo in ſeinem Tilgungs plan nicht unterbrochen, er erſpart folglich auch die Koſten und den Zeitverluſt, welche bei einer Kündigung von Seite des Gläubigers mit einer anderweitigen Kapitalaufnahme verbunden ſind, während er ſelbſt hier jederzeit, wie es ſeinen Verhältniſſen angemeſſen erſcheint, größere Zahlun⸗ gen auf das Kapital bewerkſtelligen, oder den Reſt deſſel⸗ ben auf einmal abtragen darf. Der große Nutzen dieſer Anſtalt iſt unverkennbar; er dürfte vorzüglich dem ſo wich⸗ tigen Mittelſtande zu gut kommen und es bleibt daher im Intereſſe des letzteren zu wünſchen, daß die hier dargebotene Gelegenheit, ſich mittelſt eines regelmäßigen kleinen Zu ſchuſſes zu den Zinſen allmählich von Kapitalſchulden zu befreien, von Gemeinden, Corporationen und Privaten, welche in dem Falle ſind, Anlehn zur Abtragung anderer Schulden oder zu ſonſt irgend einem Zwecke zu machen, immer mehr benutzt und dadurch ihre ſegenreiche Wirkſam keit eine immer größere werde.

Der Wohlthätige Einfluß ſolcher Anſtalten auf Ver beſſerung der Creditverhältniſſe eines Landes und Hebung des Nationalwohlſtandes läßt ſich erkennen, wenn man er fährt, welche ungeheure Summen für dieſe Zwecke in an dern Ländern, wirkſam ſind, wo ähnliche Anſtalten ſchon ſeit Jahren wirken. So hat die Verſorgungsanſtalt im Groß

herzogthum Baden vom Monat Juli 1837 bis Ende 1843 an 2,860,000 fl. Kapitalien auf Tilgungsrente zu verſchie⸗ denen Zwecken ausgeliehen, namentlich zur Abtragung an derer Schulden, zu Ankauf oder Errichtung von Gebäuden, Ankauf von Grundſtücken, für landwirthſchaftliche Zwecke, Ablöſung von Grundlaſten und zur Erweiterung und Ver⸗ beſſerung von Gewerbsanlagen. Und doch gewährt letztge nannte Anſtalt nicht die Vortheile für den Anleiher, welche unſere vaterländiſche Rentenanſtalt darbietet, da jene aus ſolchen Darlehn 5 prCt., dieſe aber nur 4/ prCt. Zinſen zieht, woran jedoch der Verluſt an Zwiſchenzinſen in Ab⸗ zug zu bringen wäre, wenn man den reinen Gewinn der Anſtalt berechnen wollte.

Orthographie wetterauiſcher Woͤrter. (Fortſetzung von Nr. 81 d. Bl.)

46) Auch in der Wetterau, wie in Oberheſſen, auf dem Weſterwalde ꝛc., hört man die Wörter: der Ulrich, d. i. das Weheſein zum Erbrechen, dann das Erbrechen ſelbſt als Folge eines Trinkgelages oder doch des Zuviel trinkens, und Ulrich rufen oder, was daſſelbe iſt, ulrichen, d. i. Ueblichkeit empfinden zum Erbrechen, dann ſich er⸗ brechen in Folge eines Trinkgelages oder des Zuvieltrinkens. Die wetterauiſche Ausſprache iſt: Ullerich, Ullerich ruffe), ulleriche, letzteres ein von dem Hauptworte Ullerich abgeleitetes Zeitwort. Zu Grunde liegt der AusdruckUlrich rufen, welcher als vollſtändige Redens⸗ art, wie ſie noch in alten Urkunden und Schriften vorkommt, Sanct Ulrich anrufen, Sanct Ulrich rufen lautet; dieſe vollſtändige Redensart hat natürlich auch die Bedeu tungſich erbrechen, wie unſerUlrich rufen. Der berühmte, 1591 geſtorbene Fiſchart gebraucht in dieſer Redens⸗ art ſogar die Abkürzung von Ulrich(altdeutſch: UVodalrich, Uodilrich), nämlich Uetz, und ſagt:dem Uetzen ruffen*). Nun fragt es ſich aber, wie kam die Redens⸗ art Sanct Ulrich anrufen(rufen) auf und daß man Ueblichkeit und Erbrechen nach einem Trinkgelage ſchlechthin den Ulrich nannte? Das iſt alſo zugegangen. Die alten heidniſchen Deutſchen hatten eine Art Ehrentrinkens bei feſt⸗ lichen Opfern und Gelagen, indem ſie die Becher auf das Andenken eines Gottes oder der Götter leerten. Das nann ten ſie das Minnetrinken(d. i. Andenkentrinken, Liebesge dächtnißtrinken). Nachdem ſie aber Chriſten geworden waren, behielten ſie dieſe Sitte inſofern bei, daß ſie nun das An⸗ denken Chriſti, der Jungfrau Maria und der Heiligen tran ken*) und dadurch ihrer Liebe und ihres Segens theil

*) Uller ich ruffe iſt in der ſüdöſtlichen Wetterau(. B. zu Alten⸗ ſtadt ꝛc.) nicht gebräuchlich, wie man ſchon an ruffe fieht. Dem dort würde man ſagen:Ullerich roufe. Das aber kommt, ſo viel ich weiß, nicht vor.

2) Siehe Vilmar in der Zeitſchrift des Vereins für heſſiſche Geſchichte 4. Bd. S. 96, wo dieſer Gelehrte den Ausdruck Ulrich in der oben gegebenen Bedeutung beſpricht.

rar) Siehe Jacob Grimms deutſche Mythologie S. 5255