der Ulrich
„ ulrichen
haftig zu werden glaubten. Beſonders trank man im Mit⸗ telalter zu Ehren und Andenken des Apoſtels Johannes, der heiligen Gertrud und des heiligen Ulrich; jenen beiden zu Ehren tranken vornehmlich Scheidende, Reiſende und Friedliebende, zu Ulrichs Ehren aber Schwerbeängſtigte und die in Noth und Gefahr waren. Denn man hatte den Glauben, wer aus oder über des heiligen Ulrich hinterlaſſe— nem vergoldeten Silberkelche, den er einſt bei der Meßhand— lung zu Schloß Firmion bei Botzen in Tyrol gebraucht hatte, ihm(dem heil. Ulrich) zu Ehren tränke, dem werde wunderbar von ſeinem Uebel geholfen; wer aber dieſe Wun— der verachte, der werde ſchwer geſtraft. So leerte man gern bei Gelagen und Gaſtmahlen die Becher zu Ehren und Liebesgedächtniß des heiligen Ulrich, der um Hilfe angeru— fen, von den größten Beängſtigungen(maximis angustiis) und Nöthen befreit und(nach den Wundererzählungen von ihm) ſelbſt den Trunk, der über Gebühr geſchah, geſegnet hatte; aber den Verächter dieſes Ehrentrinkens ſtrafte er hart als einen Frevler an ihm“). So mußte es denn wohl auch dem, der einem Trinkgelage beigewohnt und zuviel getrunken hatte, ergehen, wenn er nicht zu Ehren und zum Liebesgedächtniß des heiligen Ulrich getrunken hatte, und nun, beim Erbrechen, rief er in ſeinen Nöthen Sanct Ulrich um Befreiung an. Die Redensart kam zuerſt in Süd⸗ deutſchland auf““), wo Ulrich, welcher 973 als Biſchof von Augsburg geſtorben und 993 vom Papſte Johannes XV. heilig geſprochen worden war, als ein gar beiiebter und angeſehener Heiliger verehrt wurde und man viel Wunder von ihm erzählte. Später gab man dem Erbrechen ſelbſt den Namen des Ulrich, gleichwie man den Namen des heiligen Valentin(Sanct Velten) aus Umbrien, wel⸗ chen Heiligen man als Hilfsheiligen gegen unheilbare Krank— heit bei der fallenden Sucht anrief, geradezu für dieſe Krank⸗ heit ſelbſt ſetzte! xe). Ja, der oben genannte Fiſchart ge⸗ braucht den Namen Uetz(d. i. Ulrich) ohne Weiteres ſelbſt von dem, der ſich erbricht, z. B.„Halt den kopf dem Vtzen.“ Uebrigens merkt Dr. L. Diefenbach in ſeiner Sammlung wetterauiſcher Wörter an, daß man auch(wohl in der Gegend von Laubach) ſcherzhaft für„ſich erbrechen ⸗ ſage:„nohch Ulrichſtan gihn/(die n an den beiden letzten Wörtern ſind ſtumpf zu ſprechen) d. i. nach Ulrich⸗ ſtein gehn. Dieſe Redensart lag als Scherz nur wegen des Namens Ulrich nahe und iſt ohne alle weitere Be— deutung.
„) Man ſehe die Acta Sanctorum mensis Julii, 2. Bd. S. 85. 88. 89-90. 134. und 126— 127(wo das 10. 11. 12. u. 13. Mira⸗ kel nachzuleſen ſind, in deren einem erzählt iſt, wie ein Weißbecker, Namens Luitnot, zu Bopfingen gezwungen wird, über Gebühr zu trinken; da er es aber zu Ehren des heiligen Ulrich thut, ſo wird er unverwundbar für den Tag).
) In Bagern iſt noch üblich: den heiligen Ulerich oder Uler an⸗ rufen. S. Schmellers baperiſches Wörterbuch 1. Thl. S. 46. e) So z. B. in des Marburgers Gilhauſen Comödie Grammatica (Gedruckt 1597) S. 73:„Geh, ehe ich dir Sankt Velten fluch d. i. die fallende Sucht anwünſche. Desgleichen in des Gießener
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Schuppius Schriften S. 982:„wünſchte er ihm alle 8. Veltin!“
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Kirchenbuchs⸗Auszug vom September 1845. Butzbach.
Getraute:
Heinrich Chriſtoph Diehl, hieſſger Bürger und Schrei⸗ nermeiſter, des verlebten Bürgers und Schreinermei⸗ ſters Chriſtoph Dietrich Diehl nachgelaſſener ehelich le⸗ diger Sohn und Katharina Bachmayr, des Ortsbür⸗ gers und Webers zu Fornbach, königlich balriſchen Landgerichts Pfaffenhofen, Andreas Bachmayr ehelich ledige Tochter.
28.
D
Getaufte:
„Dem Bürger und Inſtrumentenmacher Jakob Marguth ein Sohn, Johann Georg Wilhelm, geb. den 10. Aug.
8. Dem Bürger und Wagnermeiſter Johann Wilhelm Bruckhof ein Sohn, Johann Wilhelm, geb. den 24. Aug.
11. Dem Bürger und Bäckermeiſter Gernand Sauerbier ein Sohn, Auguſt, geb. den 13. Aug.
28. Dem Bürger und Schreinermeiſter Heinrich Chriſtoph Diehl ein Sohn, Wilhelm, geb. den 9. Sept.
30. Dem Bürger und Schreinermeiſter Gernand Bang ein
Sohn, Jonas Emil, geb. den 10. Sept.
Beerdigte:
13. Heinrich Wilhelm Seulburger, Bürger und Metzger— meiſter dahier, alt 56 Jahre, 9 Monate und 28 Tage, 1 den 11.
15. Eine uneheliche Tochter, Johanna Louiſe, alt 24 Tage, den 14.
22. Maria Hartman, gebürtig von Burggemünden, Kreiſes Alsfeld, ſtarb auf der Durchreiſe den 21., alt 22 Jahre.
25. Ein ungetaufter unehelicher Sohn, alt 8 Tage, 5 den 23.
27. Johannes Bock, des hieſigen Bürgers und Bäckermei— ſters Johann Georg Bock ehelicher Sohn, alt 10 Jahre, 11 Monate und 22 Tage, f den 25.
29. Eliſabeth Binding, des verlebten Oberwachtmeiſters in der 2. Schwadron des Garderegiments Chevaux— legers Ernſt Ludwig Binding hinterlaſſene eheliche Toch— ter, alt 7 Jahre, 7 Monate, t den 26.
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Guſtav⸗ Adolf Stiftung. Einladung.
Den 12. November ſollen in Darmſtadt drei neue Mitglieder zum engern Verwaltungsrathe des Großh. Heſſ. Hauptvereins der Guſtav⸗Adolf⸗Stiftung gewählt werden. Damit nun bei dem in Darmſtadt vorzunehmenden Wahl- acte der Wetterauer Zweigverein gehörig vertreten werde, erſcheint es nothwendig, einen eigenen Deputirten zu dem— ſelben abzuordnen. Es werden darum alle Mitglieder des genannten Zweigvereins eingeladen, Mittwoch den 22 Oktober, Morgens um 10 Uhr, ſich auf dem Rath— hauſe zu Friedberg zur Wahl eines Deputirten gefälligſt einfinden zu wollen. 5
Dr. Cröß mann, L. Matthias, Vorſitzender. Secretär


