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Auch äußerlich angewendet, hat ſich der Senf, außer der längſt bekannten rothmachenden Eigenſchaft, als wirkſam gezeigt, die Trockenheit des Gehörganges zu heilen. Man ſoll, ſchreibt ein Ungenannter im Allg. Anz. d. Deutſch. 1819 S. 854 die Ohrlappen mit warmem Waſſer, worin— nen Senkmehl gekocht worden iſt, täglich/ Stunde lang vor dem Schlafengehen, baden, oder mit einem in gedachtes Waſſer eingetguchten Flanell ⸗Lappen langſam reiben und ſomit erwärmen. Nach dem Abtrocknen ſoll man unter die Schlafmütze auf die Ohren ein Stück trocknen, etwas er— wärmten Flanell⸗Lappen binden und eine Zeitlang damit fortfahren. Einſender hat dadurch in ſechs Wochen den trocknen Gehörgang verloren und gelbes Ohrenſchmalz wie— der erhalten.
r Ortenberg, Ende October.
Am 28. October war eine anſehnliche Geſellſchaft im Darmſtädter Hofe in Ortenberg zu einem Feſtmahle ver— ſammelt. Es galt, unſerm ſcheidenden Hrn. Landrichter Mosler“) noch einen Beweis von Anhänglichkeit und Aner— kennung ſeiner Verdienſte um den hieſigen Landgerichtsbezirk zu geben. Staatsdiener, Geiſtliche in großer Anzahl, faſt alle Bürgermeiſter des Bezirks, Honoratioren und Bürger aus Ortenberg, Bekannte und Freunde des Scheidenden aus der Umgegend, ſelbſt vom hohen Vogelsberge her, hatten ſich zu dieſem Zwecke vereinigt. Nachdem Kammerdirector Langermann im Namen der Verſammelten dem Gefeierten in einem Toaſte für ſein verdienſtvolles Wirken gedankt und die beſten Wünſche für die Zukunft ausgeſprochen hatte, wurde demſelben von dem Bürgermeiſter der Stadt Orten— berg eine von den Gemeinderäthen der Stadt unterzeichnete Adreſſe überreicht, in welcher ihm auch von Seiten der Bürgerſchaft auf eine herzliche Weiſe der aufrichtigſte Dank ausgeſprochen wurde für das viele Gute, das er in ſeiner Stellung 20 Jahre hindurch gewirkt, für die Liebe und Auf— opferung, mit der er ſein mühevolles Amt verwaltet.— In ſichtlicher Rührung dankte der Scheidende.— Ein Ständ— chen, dem Gefſeierten vom hieſigen Singverein mit Muſik gebracht, beſchloß den Tag.— Ungern ſehen wir einen Mann aus unſerer Mitte ſcheiden, der in einer ſo langen Reihe von Jahren ſich die allgemeine Achtung und Liebe erwarb. Er war uns ein gerechter, zugleich aber auch ein menſchenfreundlicher Richter, ein gewiſſenhafter und pünkt⸗ licher Beamter, ausgezeichnet durch Offenheit gegen Jeder⸗ mann, ein treuer Freund, Jedem zugänglich, der ſich an ihn wandte. Möge der Allmächtige ihn auch in ſeinem neuen Wirkungskreiſe dem Vaterlande noch lange erhalten! N(Gr. Heſſ. Ztg.)
) Bekanntlich iſt derſelbe nach Butzbach verſetzt worden und, wie wir vernehmen, daſelbſt auch ſchon mit ſeiner Familie angekommen. Die Redaktion.
Kirchenbuchs⸗Auszug vom September 1843. Ulrichſtein. Getraute:
5. Der aus dem Unterthansverbande nach Amerika ent— laſſene Chriſtian Freymann aus Lich und ſeine Verlobte, Jakobine Schultheis, des vormaligen hieſigen Bürgers und Porzellanhändlers Conrad Schultheis unverhei⸗
rathete Tochter, welche ebenfalls mit ihren Kindern auswanderte.
5. Der Korbmacher Johannes Mohr, des hieſigen Amts⸗ beiſaſſen und Korbmachers Caſpar Mohr und ſeiner Ehefrau Eliſabetha, geb. Himmelmann, unverheuratheter Sohn und Chriſtina Katharina Roth, des Gemeinds— beiſaſſen Chriſtian Roth zu Köddingen unverheurathete Tochter.
Getauft e:
21. Dem Ortsbürger zu Kölzenhain und Muller auf dem zur hieſigen Pfarrei gehörigen Selgenhof Johannes Dietz, Georgs Sohn, ein Sohn, Johannes, geb. den 25. Auguſt.
28. Dem hieſigen Bürger und Ackermann Johannes Birx eine Tochter, Anna Eliſa, geb. den 6. d. M.
28. Dem hieſigen Bürger und Ackermann Conrad Schar⸗ mann ein Sohn, Heinrich, geb. den 6. d. M.
30. Dem hieſigen Bürger und Schuhmacher Ludwig Joſt Zwillingsſoͤhne, Conrad und Heinrich, geb. den 29. d. M.
Beerdigte: Keine.
Nachruf
an
den Großhrzgl. Heſſ. Landrichter, Herrn Muhl von Groskarben, jetzt Stadtrichter zu Gießen,
von den Bürgern und Einwohnern des Landgerichtsbezirks Groskarben. Den 12. November 1845.
Die Trauer herrſcht in unſerm ganzen Kreiſe; Getroffen hat uns ſchmerzlicher Verluſt. Von allen Seiten dringen Wünſche, heiße, Für Dich, der fern jetzt weilt, aus jeder Bruſt. Du Edler, der gerecht und mild gerichtet, Der auch den Aermſten nimmer hat bedrückt, Der jeden Streit gern in dem Keim vernichtet, Du biſt vielleicht auf immer uns entrückt.
Wohl Wen'ge gibt's, Verehrter, die Dein Scheiden, Das ſchmerzliche, nicht tief betrübet hat, Wer kann uns zürnen, wenn wir ſie beneiden, Wo Du jetzt weilſt, am Lahnesſtrand die Stadt? Der biedre Sinn des gütigen Beamten, Dein klarer Blick, dem Volkswohl nur geweiht, Die ſeltne Menſchenliebe— ſie entflammten Uns alle heiß mit ew'ger Dankbarkeit.
Wohl brachten wir Dir durch ein ſchwaches Zeichen)
Die Huldigungen unſ'rer Liebe dar,
Dir, dem nur Wenige man kann vergleichen, Den ſtolz wir unſer nannten manches Jahr; Doch lauter ſpricht die bange Abſchiedsklage, Daß man Dich, Edlen, nimmermehr vergißt, Und hier, wenn je, bewähret ſich die Sage, Daß Volkesſtimme Gottesſtimme iſt.
So lebe wohl, Du Mann voll Herzensguͤte, Erſt hart geprüft vom neidiſchen Geſchick, Das Dir geraubt die hoffnungsvolle Blüthe,— Bald lächle wieder Dir der Sonne Blick! Denk' unſrer, wie wir Deiner ſtets gedenken, Dein neues Amt, es ſei an Freuden reich! Der Himmel mög' Dir alles Gute ſchenken Und uns ein Herz, das Deinem edlen gleich!—
*) Ein ſilberner Pokal.


