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Intelligenz Blatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M 90. Sg
Die Großherzoglich Heſſiſchen Kreisraͤthe der Kreiſe Friedberg u. Gruͤnberg an ſammtliche Bürgermeiſter dieſer Kreiſe.
Betreffend: Den Wiederverkauf von Zuchtſtieren aus dem Canton Bern.
Nach einer Benachrichtigung des Präſidenten des land⸗ wirthſchaftlichen Vereins für die Provinz Oberheſſen ſind von den im Canton Bern angekauften Zuchtſtieren dem Verein von Oberheſſen 3 Stück zugefallen, dieſe ſollen
Montag den 24. November, Vormittags 9 Uhr, vor dem Trappiſchen Gaſthauſe zu Friedberg an Ge⸗ meinden oder an Lente, welche für Gemeinden Faſel unter— halten, meiſtbietend verſteigert werden.
Hiervon geben wir Ihnen für den Fall Nachricht, daß Ihre Gemeinden einen ſolchen Zuchtſtier zu erwerben wünſchen.
Friedberg u. Grünberg am 8. November 1845.
Küchler. Ouvrier.
ni fal tiges.
Die Heilkräfte des Senfs.(Von Dr. Schrei⸗ ber in Ruhla.)— Der Genuß des Senfs, ſchreibt dieſer Arzt, hat ſich mir an Perſonen, welche an Schwäche des Gedächtniſſes und an Kopfſchwindel litten, deren Urſache in einer zerſtorten Verdauungskraft zu ſuchen war, immer als ein heilſam wirkendes Mittel erwie⸗ ſen. Einen braven Mann befreite ich durch den Genuß des Senfs von einem chroniſchen Kopfſchwindel, wel⸗ cher viele Jahre den Gebrauch der beſten Heilmittel ver⸗ ſpottet hatte, völlig, und ſo, daß dieſes Uebel in, einer Zeit von 16 Jahren nicht wiederkehrte.— Ich verordnete ihm, Senf in Verbindung mit Salzfleiſch, friſch und der⸗ gleichen des Vormittags als Frühſtück, und zur Mittags- mahlzeit als Beimiſchung ſolcher Zugemüſe zu genießen, welche leicht zu Blähungen geneigt machen und denen die Natur eigenthümlich das Animaliſche verſagt hat.
end, den 15. November 1845.
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Die Bereitungsart des Senfs, ſo wie ich ihn in be⸗ nannten Fällen als Beimiſchung der Speiſen verordnete, iſt folgende: Ein Pfund feiner gepülverter Senf wird mit einem Noͤſſel kochenden Weineſſig übergoſſen, mit einem höl⸗ zernen Spatel oder Quirl wohl durcheinander gerührt, ſo, daß das Senfmehl völlig vom Weineſſig durchdrungen wird und keine Klumpen mehr bleiben. Das Anbrühen des Senfs geſchieht in einem ſteinernen, nicht mit Silberglätte glaſirten Topfe, weil der Eſſig dieſelbe auflöſt und dadurch den Senf vergiftet. Ueber dieſes Gemiſch gießt man etwas kalten Weineſſig, damit von der Hitze die Oberfläche keine Kruſte bekommt und ſtellt den Topf eine Nacht hindurch auf eine warme Stelle. Tags darauf wird dieſem ein Pfund Syrup oder Zucker, 2½ Quentchen gepulverter Zimmt, 1½ Quentchen Gewürznelken, 3 Quentchen Nägelein⸗ pfeffer,/ Quentchen Kardamonen,% Quentchen Magis⸗ nuß, das Gelbe von einer Zitrone und nach Belieben guten Braueſſig zugeſetzt, je nachdem der Senf mehr oder weniger flüſſig werden ſoll. Man verwahrt dieſen Senf in ſteiner— nen, mit Kork verſtopften Flaſchen zum Gebrauch auf.
Dieſe Zubereitung des Senfs iſt der gewöhnlichen, blos durch Uebergießen des Senfs mit Weineſſig oder Moſt, weit vorzuziehen, indem derſelbe, wenn er an einen kuͤhlen Ort aufbewahrt wird, dem Verderben nicht ſo leicht unter— worfen iſt.
Mellin und andere Aerzte loben den fortgeſetzten Gebrauch des Senfs als ein den Magen verbeſſerndes und den Schwindel heilendes Mittel, und Kaliſſen gab in dem Faulfieber zu Kopenhagen 1779 und 1780 ſeinen Kranken, wenn bei denſelben ſich Betäubung und Schwäche einfand, alle Stunden ein Quentchen engliſches Senfpulver und dazwiſchen eine kleine Gabe von der Fieberrinde. Die Sterblichkeit wurde dadurch ſehr vermindert.
Fritze heilte mit weißem Senfſamen, ein Quentchen Morgens in kaltem Waſſer genommen, und einige Wochen fortgeſetzt, lange anhaltende Magenbeſchwerden und Schwin— del, und ſtellte damit das verlorene Gehör wieder her.


