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Das Ausgehen der Dorfer Helmannshauſen und Kleinaltenſtadt.
Bei Altenſtadt und zwar ziemlich dicht an dem Orte waren in alter Zeit noch zwei unſtreitig kleine Dörfer ge— legen, welche nebſt Altenſtadt, Oberau, Rommelhauſen und Hoͤchſt an dem ſogenannten Altenſtädter Markwalde mitbe⸗ rechtigt waren und neben Keichen, Heldenbergen, Buͤdesheim, Rendel, Kleinkarben, Großkarben, Okarben, Hulſchhofen, Kloppenheim, Ilbenſtadt, Altenſtadt, Oberau, Rommelhauſen und Rodenbach das Keicher Gericht bildeten, wozu auch noch Dorfelden, Höchſt, Aſſenheim, Burggräfenrode gehör⸗ ten. Dieſe beiden Dörfer hießen Helmannshauſen“) und Kleinaltenſtadt(wohl zu unterſcheiden von Altenſtadt ſelbſt), von welchen gegenwärtig keine Spur mehr vorhan— den iſt, außer daß noch der Name: die Helmannshäußer Gaſſe vorkommt, welche auf die bei Altenſtadt an der Nid⸗ der gelegene Muhle ſtößt, und dann der Name: das Klein⸗ altenſtädter Feld, welches ebenfalls bei Altenſtadt nach der Nidder zu liegt, irre ich nicht, in der Richtung gegen Lindheim. Der Boden dieſer Dörfchen gehört Altenſtadt an, nnd ihre früheren Bewohner oder deren Reſte haben ſich alſo wohl mit denen von Altenſtadt einſt vereinigt. Es fragt ſich aber: Wann ſind dieſe Orte ausgegangen? Man iſt gewöhnlich verſucht, das in frühere Zeit fallende Aus— gehen der Orte bei uns in die Zerſtörung des dreißigjähri— gen Krieges zu ſetzen, wo die Einwohner der Wetterau zum Theil erſchlagen, zum Theil verhungert waren, zum Theile in Schaaren von Hunderten vom Hunger faſt aufgezehrt umherirrten“), denn ihre Dörfer waren von den Kaiſer⸗ lichen verbrannt. Aber nicht alle ausgegangenen Dörfer kommen auf Rechnung jenes furchtbaren Religionskrieges, ſondern viele, deren Namen ſich noch erhalten haben, waren ſchon vor ihm nicht mehr. So auch jene beiden Dörfchen. In dem Altenſtädter Markweisthum vom Jahr 1485 kommen ſie noch vor, aber nicht mehr als beſtehende Dörfer, welche bewohnt ſind; als ſolche ſind genannt Altenſtadt, Oberau, Rommelhauſen und Höchſt. Helmanshauſen und Kleinalten⸗
*) Helmanns hauſen wird im Altenſtädter Markweisthum von 1485. Helmanshausen geſchrieben, welches älterdeutſch Helmaneshüsen lauten würde, d. i. zu dem Wohnfitz(den Häuſern) des Helmann (Heilmann), welcher der erſte freie Anſitzer und Beſitzer des Ortes geweſen ſein ürfte.
*) So heißt es nach dem für uns Wetterauer ſehr böſen Jahre 1635., nachdem durch die unglückliche Schlacht der Schweden bei Nörd⸗ lingen ihr Schutz von der Wetterau gewichen war und die kaiſer⸗ lichen, racheſchnaubenden und mordſüchtigen Horden über fie gekom⸗ men waren, im Altenſtädter Markbuch am ½ Obtober 1637. „Da der gemeine Mann, wie landt Kundig, mehren theils hungers Noth halber dahin ſterben, die noch Wenig lebente Aber fich Vnder fremter Herrſchaft Vffhaltent.“ So ſah es zu Altenſtadt, Oberau, Höchſt und Rommelhauſen aus. Altenſtadt ſelbſt war verbrannt und zerſtört(Vgl. Intelligenzblatt 1844. Nr. 18. S. 70.)— In einem andern Buche heißt es:„Als ich dieſes hörete, ſahe ich ferner ſtill⸗ ſchweigend zu, wie man[bei einer Gaſterep] Speiſe und Trank muth⸗ willig verderbte, unangeſehen, der arme Lazarus, den man damit hätte laben können, in Geſtalt vieler 100 vertriebener Wet⸗ kerauer, denen der Hunger zu den Augen heraus guckte, vor unſern Thüren verſchmachtete, weil nautim Schenck war.“ Dieß ſchreibt ein Augenzeuge während des dreißigjährigen Krieges, der aus Gelnhauſen gebürtige Chriſtoph von Grimelshauſen, in ſei⸗ nem unter dem angenommenen Namen German Schleifheim von Sulsfort gedruckten Roman Simpliciſſimus(in welchem er treu ſeine Erlebniſſe niederlegte) 1. Thl., 1. Buch, Cap. 30.
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ſtadt ſind angeführt als Orte,(gleichſam als noch ihren alten Ortsnamen führende Plätze) wohin die Häfner auch fahren und ihre mit Markwaldurholz gebrannte Waare zum Verkaufe ausbieten ſollen, gleichwie unter der Linde zu Al— tenſtadt und auf dem rauhen Rain zu Höchſt. Was aber insbeſondere fur das Ausgegangenſein beider Dörfchen ſpricht, iſt, daß in dem Altenſtädter Markbuch, welches von 1540 anfängt, eine Menge Rugen(Bußen) von Einwohnern der Orte Altenſtadt, Oberau, Höchſt und Rommelhauſen, auch benachbarter Orte, wie Engelthal, Sternbach ꝛc. ꝛc. aufge⸗ ſchrieben ſind, aber nicht eine einzige von einem Helmans— häuſer und Kleinaltenſtädter, ja die Orte werden nicht ein einzigesmal genannt. Daraus folgt, daß dieſelben unmög— lich mehr dageweſen ſein können. Nun aber ſind ſie noch unter den Dörfern, welche zu dem Keicher Gericht gehören, in dem aus dem Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts ſtammenden Gerichtsweisthum genannt“). Hieraus folgt, daß ſie zu der Zeit noch da geweſen ſein muͤſſen; denn wozn wären ſie dann, wie die andern Dörfer, mit dieſen zu nen— nen geweſen? Es ergibt ſich alſo, daß Helmanshauſen und Kleinaltenſtadt zwiſchen den Jahren 1400 und 1485 ausge⸗ gegangen ſein werden. Uebrigens hatte Kleinaltenſtadt da⸗ durch Bedeutung, daß es, wie ein Gerichtsort und Alten— ſtadt ſelbſt, eine Linde beſaß, unter welche eben jene Häfner feil bieten mußten und welche alſo noch 1485 ſtand. Gieng ſie aber vor dem dreißigjährigen Kriege nicht zu Grunde, ſo wird ſie in dieſem abgehauen woͤrden ſein, wie die zu Altenſtadt. W.
*) Das Weisthum ſteht in Orths Rechtshändeln S. 687 ff. Für Hel⸗ manshauſen iſt daſelbſt Helmerschhusen geſchrieben. Ob der Ab⸗ ſchreiber des Weisthums nicht falſch geleſen hat? Den Namen Hel⸗ manshauſen im Altenſtädter Markbuch habe ich ſelbſt geleſen.— Wie ſteht im Altenſtädter Flurbuch und wie ſagt man in Altenſtadt: Helmanshauſen oder Helmerſchhauſen? Die Redaction des Intelligenzblattes wird wohl die Mittheilung darüber gerne anneh⸗
men. Helmerſchhauſen wärs altdeutſch Helmärshüsen und Hélmär ein Mannsname.
Fleiſch⸗ Verkauf.
Im Jahre 1844 wurden in Friedberg von den Metz⸗ gern geſchlachtet: 350 Ochſen, 123 Kühe, 29 Rinder, 5 Stiere, 854 Hämmel, 194 Schaafe, 7 Ziegen, 947 Kälber und 2102 Schweine. Dr. Ritzel, Thierarzt und Fleiſchbeſchauer.
Kirchenbuchs⸗Auszug vom Januar 1845. Lich. Getraute:
21. Der hieſige Ortsbürger und Maurer Johann Georg Rau, ein Wittwer, und Marie Katharine Eiſe, des hieſigen Bürgers und Zimmermeiſters Georg Philipp Eiſe, ehelich ledige Tochter.
Getaufte:
19. Dem hieſigen Ortsbürger und Leinwebermeiſter Hermann Philipp Eiſe, ein Sohn, Johann Daniel, geb. den 2. Januar.
23. Dem hieſigen Ortsbürger und Fuͤrſtlichen Kutſcher Johannes Pitlick eine Tochter, Marie Sibylle, geb. den 10. Januar.
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