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gulden vor ſich hinbrummen:„Weiß ſchon, dummes Zeug“ und in ſolche, die aus ſelbſtbewußter Menſchenliebe dem armen Orgelmännchen auch einen Kreuzer ſchenken. Dieſen Theil des gebildeten Volkes nennen Sie„den humanen, den echt⸗chriſtlichen.„ Bravo] Vor chriſtlicher Volks⸗ bildung ziehe ich den Hut ab, gerne auch vor Ihnen, wenn Sie als Vertreter derſelben in guter Abſicht auftreten. Lei⸗ der aber haben Sie der chriſtlichen Volksbildung ſelbſt einen ſehr ſchlechten Dienſt damit erwieſen. Sie haben da auch ein wenig Antipathie gezeigt. Sie, der Repräſentant einer echt⸗chriſtlichen Volksbildung, vergeſſen, daß dieſe eine bibliſche Grundlage haben muß.„Warum nur bibliſche Bilder! Warum nur bibliſche Perſonen!“ rufen Sie aus. Soll denn vielleicht die echt-chriſtliche Bildung aus den ſchriftſtelleriſchen Werken der alten Römer, Griechen, Indier, Chineſen geſchöpft werden!— Aber er⸗ götzlich iſt es, daß Sie bei Ihrer chriſtlichen Bildung fragen: „Warum will denn der Herr Verfaſſer jenes Ar- tikels nur Huß, Guſtav Adolpf, den Reichstag zu Worms, Luther und Philipp den Großmüthigen und andere bibliſche Perſonen in Anſchauung ge— bracht wiſſen? ꝛc.“
Da habe ich wirklich meinen Augen nicht trauen können! Alſo Huß und Philipp der Großmüthige ſind bibliſche Per⸗ ſonen! Vielleicht erfuͤhre man durch Sie, in welchem Kapitel die Bibel von dem Reichstag zu Worms erzählt. Ronge und der Pabſt, ich will noch hinzufügen, Uhlich und Hengſtenberg, das ſind wohl auch bibliſche Perſonen!— Ich nehme es keinem Gebildeteu übel, der in einer ſchwachen Stunde die Begriffe„bibliſch“ und„kirchenhiſtoriſch“ ver⸗ wechſelt; aber ſo ein echt-chriſtlicher Kritikus dürfte es doch eigentlich nicht thun.—„Sind denn nur bibliſche Bilder ein Hebel für echte Bildung?“ fragen Sie. Hätte ich dieß behauptet, ſo könnte immer noch Vieles dafür geſagt werden. Aber Sie leſen ja ſelbſt, daß alle Männer, welche der Deutſche mit Stolz ſeine Landsleute nennt, gezeigt werden ſollen; warum ſoll ich denn mit aller Gewalt Moſen und die Propheten, die Evangeliſten und Apoſtel als Landsleute der Deutſchen betrachten! Das iſt doch wahrlich nicht ech t-chriſtlich, daß Sie Sich Ent⸗ ſtellungen der Art erlauben! Aber auch der Oberheſſiſchen Polizei haben Sie einen ſchlechten Dienſt erwieſen. Ich habe das Zutrauen zu den Männern, welchen die Hand⸗ habung der Polizei in den Kreiſen Friedberg, Grünberg und Hungen(Fuͤr dieſe Kreiſe, nicht für den Kreis Friedberg allein, iſt doch dieſes Blatt zunächſt beſtimmt und dann für die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen.) zuſteht, daß ſie ſich freuen, wenn das Publikum ſagt:„Erkennet, daß die Ge— „ſinnung des Volkes eine beſſere geworden iſtz wir „haben unſere Sang- und Klangvereine und Leſe⸗ „geſellſchaften, da ekeln uns die Mordgeſchichten „an; wir haben jetzt Turnergeſellſchaften, darum „ſchickt die Seiltänzer weg, welche kleine Kinder „aufkaufen und durch Mißhandlungen dieſe zu „Kunſtſtücken abrichten, die nur rohe Menſchen „mit Vergnügen ſehen werden!“ Aber Sie, mein Herr, ſcheinen es nicht gerne zu ſehen, wenn die Polizei die öffent— liche Meinung ehrt.— Was wollen Sie wohl eigentlich mit der polizeilichen Trias:„Recht, Geſetz, Humani— tät?— Es war durchaus nicht nothwendig, daß Sie der Polizei des Kreiſes Friedberg eine Lobrede hielten, da ich dieſelbe nicht angegriffen habe. Wenn Sie aber behaupten, daß„die polizeilichen Anordnungen namentlich im Kreiſe „Friedberg auf Recht, Geſetz und Humanitat beruhen“, ſo beweiſt dieß noch nicht, daß man die Mordgeſchichtler polizeilich ſchützen müſſe. Wenn die Ortspolizeibehörden ſich nicht die Mühe geben wollen, die Lieder zu leſen, welche
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von den Mordgeſchichtlern abgeſungen werden, ſo erfahren ſie freilich nicht, daß in denſelben Recht, Geſetz und Humanität lächerlich gemacht werden. Wenn die Mord⸗ geſchichtler typographiſche Erzeugniſſe unter 20 Bogen ohne Cenſur, ſowie ohne Angabe des Druck- und Verlegortes verbreiten dürfen, die Buchhändler aber nicht, ſo ſtreitet die⸗ ſes gegen die verfaſſungsmäßig garantirte Gleichheit vor dem Recht und Geſetz. Wenn den Mordgeſchichtlern darum erlaubt wird, vor jedes einzelne Haus zu ziehen, weil ſie ein Patent gelöſt haben, und die Hausbeſitzer, welche ihre eignen Ohren und die ihrer vielleicht kränklichen Familienangehörigen ſchonen wollen, den Mordgeſchichtlern erſt einige Kreuzer geben müſſen, damit ſie nur ſchweigen, ſo iſt dies eine merkwürdige Humanität. Die übrigen Bettler werden verwieſen; warum ſollen die Mordgeſchicht— ler patentiſirte Bettler ſein!— Ueberaus unglücklich ſind Sie, mein Herr, in der Wahl des Princips, das eine gute Polizei haben ſoll:„Leben und leben laſſen.“— Aber ich bitte Sie, Herr E.—, Sie halten doch Etwas auf Schiller und ſollten daher wiſſen, daß derſelbe dieſes Princip ſehr verdächtigt hat. Der erſte Jäger ſagt in Wal— lenſteins Lager Auftr. 6. Denn der Tilly verſtand ſich auf's Commandiren,
Dem eignen Körper war er ſtrenge,
Dem Soldaten ließ er Manches paſſiren;
Und gings nur nicht aus ſeinen Caſſen,
Sein Spruch war: Leben und leben laſſen.
Alſo, eine Principienverwandſchaft zwiſchen den ober— heſſiſchen Polizeibehörden, und dem Zerſtörer von Magde⸗ burg. Das iſt arg. Es iſt nur gut, daß die Achtung, in welcher die Chefs der Polizeibehörden ſtehen, durch Ihre po⸗ lizeilichen Glaubensbekenntuiſſe nicht erſchüttert werden kann. Dieſelben ahnen wohl, daß an manchen Orten die Sitten⸗ polizei bloß eine Abtheilung in der Regiſtratur iſt, weil ſie zu uͤben mehr Einſicht und Charakter erfordert, als Straßen-, Feuer⸗, Feld⸗ ꝛc. ꝛc. Polizei. Wenn daher das Publikum den Weg wählt, durch dieſes Blatt auf manche Gebrechen aufmerkſam zu machen, ſo findet es ſich in dem Vertrauen, das es in die einſichtsvollen Kreisbehörden ſetzt, nicht ge— täuſcht; und dieſes Vertrauen iſt ein wichtigeres Lob, als wenn Sie einige Dutzend polizeilicher Principien aufſtellten.
Sie ſcheinen auch nicht recht begriffen zu haben, was unter dem„beſſeren Theil des deutſchen Volkes“ zu ver⸗ ſtehen ſei. Darum hören Sie: das ſind Diejenigen, die durch Geſinnung und That dem Namen des deutſchen Vol⸗ kes Ehre machen wollen. Sie verſuchen eine merkwürdige Beweisführung:„Wenn die geputzten Herren und Damen, „welche als Zuſchauer einer öffentlichen Hinrichtung applau⸗ „diren, zum beſſeren Theil des deutſchen Volkes gehören, ſo „iſt dieſer den Mordgeſchichten nicht abhold.“ Der Schluß wäre richtig, wenn der Vorderſatz richtig wäre. Die Mit⸗ glieder der ſ. g. höheren Stände, welche ſich an dem Kopf⸗ abſchlagen amuͤſiren, ſind nur Prachtausgaben des deutſchen Poͤbels; denn Lorgnette, Schleierhüte und wohlduftende Waſſer ſind keine ſichre Zeichen einer tüchtigen Geſinnung, es wäre denn der Spruch wahr: Kleider machen Leute. Der beſſere Theil des deutſchen Volkes iſt auch nicht immer reich genug, um ſich ſauber geſtochene Kupferſtiche von Haydn ꝛc. zu kaufen, hatte auch nicht immer Gelegenheit, durch Schulunterricht mit der deutſchen Geſchichte vertraut zu werden; darum gönnen Sie ihm die Wachsfigurenkabi⸗ nette! Wer die„todesſtarren füchterlichen Wachsfiguren/ nicht ſehen will, kann ja draußen bleiben. a
Nun, mein Herr, leben Sie wohl und entſchuldigen Sie, wenn ich ſo ſpät geantwortet habe. Von Ihrer Billig⸗ keit hoffe ich um ſo mehr Nachſicht, da Sie ſelbſt die ſchoͤnſte
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