Ausgabe 
30.10.1844
 
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A 342* 5 Heil der

in unſerm Kreiſe manches ſchwankende Urtheil werde befe⸗ ſtigt und mancher Sorgloſe werde aufgeruͤttelt werden.

Es heißt:

Laurahütte den 1. Oktober. Was eine Zeitlang wie Fabel, wie Mähre an unſer Ohr geklungen, daß der Biſchof Arnoldi von Trier ein Kleidungsſtück, genannt der Rock Chriſti, zur Verehrung und religiöſen Schau ausge⸗ ſtellt, Ihr habt es ſchon gehört, Chriſten des 19. Jahrhun⸗ derts, Ihr wißt es, deutſche Männer, Ihr wißt es, deutſche Volks⸗ und Religionslehrer, es iſt nicht Fabel und Mähre, es iſt Wirklichkeit und Wahrheit. Denn ſchon ſind, nach den letzten Berichten, fünfmalhunderttauſend Menſchen zu dieſer Reliquie gewallfahrtet, und täglich ſtrömen andere Tauſende herbei, zumal, ſeitdem erwähntes Kleidungsſtück Kranke geheilt, Wunder gewirkt hat. Die Kunde davon dringt durch die Lande aller Völker, und in Frankreich haben Geiſtliche behauptet:Sie hätten den wahren Rock Chriſti, der zu Trier ſei unecht. Wahrlich hier finden die Worte Anwendung:Wer über gewiſſe Dinge den Ver ſtand nicht verlieren kann, hat keinen zu verlieren. Fünf⸗ malhunderttauſend Menſchen, funfmalhunderttauſend ver ſtändige Deutſche ſind ſchon zu einem Kleidungsſtücke nach Trier geeilt, um daſſelbe zu verehren oder zu ſehen Die Meiſten dieſer Tauſende ſind aus den niederen Volksklaſſen; ohnehin in großer Armuth, gedrückt, unwiſſend, ſtumpf, abergläubiſch und zum Theil entartet, und nun entſchlagen ſie ſich der Bebauung ihrer Felder, entziehen ſich ihre Gewerbe, der Sorge für ihr Hausweſen, der Erziehung ihrer Kinder, um nach Trier zu reiſen zu einem Goͤtzenfeſte zu einem unwürdigen Schauſpiele, das die römiſche Hie chie aufführen läßt. Ja, ein Götzenfeſt iſt es, denn viele Tauſende der leichtgläubigen Menge werden verleitet, die Gefühle, die Ehrfurcht, die wir nur Gott ſchuldig ſiid, einem Kleidungsſtücke zuzuwenden, einem Werke, das Men⸗ ſchenhände gemacht haben. Und welche nachtheiligen Folgen haben dieſe Wallfahrten? Tauſende der Wallfahrer dar

ben ſich das Geld ab für die Reiſe und für das Opfer,

das ſie dem h. Rock, d. h. der Geiſtlichkeit ſpenden, ſie bringen es mit Verluſten zuſammen oder erbetteln es, um nach der Rückkehr zu hungern, zu darben oder von den Anſtrengungen der Reiſe zu erkranken. Sind dieſe äußeren Nachtheile ſchon groß, ſehr groß, ſo ſind die moraliſchen noch weit größer. Werden nicht Manche, die durch die Reiſekoſten in Noth gerathen ſind, auf unrechtmäßige Weiſe ſich zu entſchädigen ſuchen? Viele Frauen und Jungfrauen verlieren die Reinheit ihres Herzens, die Keuſchheit, den guten Ruf, zerſtören dadurch den Frieden, das Glück, den Wohlſtand ihrer Familie.

Endlich wird durch dieſes ganz unchriſtliche Schau⸗ ſpiel dem Aberglauben, der Werkheiligkeit, dem Fanatismus und was damit verbunden iſt, der Laſterhaftigkeit Thor und Angel geöffnet. Dieß der Segen, den die Ausſtellung des heil. Rockes verbreitet, von dem es im Uebrigen ganz gleich iſt, ob er echt oder unecht.

Und der Mann, der dieſes Kleidungsſtück, ein Werk, das Menſchenhände gemacht! zur Verehrung und Schau

öffentlich ausgeſtellt hat, der die religibſen Gefühle. 15. Walen leichtgläubigen, unwiſſenden oder der leidenden Menge 1 G de ei leitet, der dem Aberglauben, der Laſterhaftigkeit daduß e eigen! Vorſchub leiſtet, der dem armen hungernden Volke Et 52 5 daß S und Geld entlockt, der die deutſche Nation dem Spott y Ine, le übrigen Nationen Preis giebt, und der die Wettewe liche z ken, die ohnehin ſehr ſchwer und duͤſter über unſern Ham elbe il unver tern ſchweben, noch ſtärker zuſammenzieht, dieſer Man en 50 155 iſt ein Biſchof, ein deutſcher Biſchof, es iſt der Bist Aldertta* 15 Arnoldi von Trier. erz 5 Biſchof Arnoldi von Trier, ich wende mich darm e J an Sie und fordere Sie Kraft meines Amtes und Beruf b l als Prieſter, als deutſcher Volkslehrer und im Namen er e ſch Chriſtenheit, im Namen der deutſchen Nation, im Nann dn Ee dert der Volkslehrer auf, das unchriſtliche Schauſpiel der Au 109 0 0 ſtellung des heil. Rockes aufzuheben, das erwähnte gh rend Hul 1 dungsſtück der Oeffentlichkeit zu entziehen und das Aerge ih Wer e, gut niß nicht noch größer zu machen, als es ſchon iſt! J bitter Denn wiſſen Sie nicht, als Biſchof müſſen E fil iu.. es wiſſen, daß der Stifter der chriſtlichen Religion eee eien er nen Jüngern und Nachfolgern nicht ſeinen Rock, ſonden kei dene 8 ſeinen Geiſt hinterließ? Sein Rock, Biſchof Arnoldi un Jen rice Trier! gehürt ſeinen Henkern! Wiſſen Sie nicht, a el, ats 7 Biſchof muſſen Sie es wiſſen, daß Chriſtus gelehm Faber den Gef Gott iſt ein Geiſt und wer ihn anbetet, ſoll ihn im Ge 3 1 und in der Wahrheit anbeten? Und überall kann er un L den Tezel d ehrt werden, nicht etwa blos zu Jeruſalem im Tempel, Sie aber, u dem Belge Garizim oder zu Trier beim heil. Rocke. Wiſſt der 5 von Tr Sie uicht, als 2 iſchof muͤſſen Sie es wiſſen, en deutschen Na das Evangelium die Verehrung jeden Bildniſſes, jede M than werde. S liquie, ausdrücklich verbiete 42 Wr die Chriſt en der Apo 6 8

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eine Neliguie 5 konnten deren doch viele haben 10 in ihn Kirchen duldeten? daß die Verehrung der Bilder und N liquſen heidniſch iſt, und daß die Väter der erſten 3 Jah, hunderte die Heiden deßhalb verſpotteten? z. B. heißt Edict (div. inst. II. C. 2.) die Bildniſſe ſollten doch eher, wer A 9 ſie Leben hätten, die Menſchen verehren, von denen ſie a zen Kirche im macht ſind, nicht umgekehrt.(Nec intelligunt hemius alba 0 ineptissimi, quod si sentire simulacra et moveri pos ren gegangen iſt sent adoratura hominem fuissent, a quo sunt expo e due. Endlich, wiſſen Sie nicht, als Biſchof müſſen El Weßfalſtge e Eintrag auch dieß wiſſen, daß der geſunde kräftige Geiſt in Fe 105 deutſchen Völker ſich erſt im dreizehnten und vier zel a 4 Jahrhundert durch die Kreuzzüge zur Reliquienverehtuſg erniedrigen ließ, nachdem man in ihm die hohe Idee, weſh die chriſtliche Religion von der Gottheit giebt, durch allen 1375 Fabeln und Wundergeſchichten, aus dem Morgenlande ga der e bracht, verdunkelt hatte? Sehen Sie, Biſchof Arnolh Hansea von Trier, dieß wiſſen Sie und wahrſcheinlich beſſer, a0 1455 0 5 ich es Ihnen ſagen kann, Sie kennen auch die A 0 e 1000 welche die götzenhafte Verehrung der Reliquien und di e abt be Aberglaube überhaupt für uns gehabt hat, nämlich Deutſih. Kar lands geiſtige und äußere Knechtſchaft, und dennoch stell fh t Sie Ihre Reliquie aus zur offentlichen Verehrung! Dot 4 1 110 wenn Sie vielleicht dieß Alles nicht wußten, wenn Ei ge 4

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