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„ Intelligenz⸗Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Ich bitte wiederholt gefälligſt zu beruͤckſichtigen,
alfgenommen werden können, welche bis längſtens Sonntag Abend in
Mittwoch, den 1. Mai
daß nur ſolche Inſerate in das Mittwochs erſcheinende Blatt
meinen Händen ſind, und daß alle Inſerate,
wlche bis längſtens Mittwoch Abend bei mir anlangen, in dem Samſtags erſcheinenden Blatte Aufnahme finden.
Carl Bindernagel.
Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an ſaͤmmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Verminderung der Maikäfer.
Mit Bezug auf mein Ausſchreiben vom 24. d. M. in Je. 33 des Intelligenz Blattes v. d. J. weiſe ich die Gr. Lürgermeiſter derjenigen Gemeinden, welche Waldungen biitzen, hiermit an, auf Requiſition der Forſtbehörde, zum (nſammeln der Maikäfer in den Waldungen die erforder⸗ chen Leute auf Taglohn zu ſtellen, damit die Vertilgung derſelben unter Aufſicht der Forſtbehörde bewirkt werden könne.
Friedberg den 26. April 1844.
Nenn
Bekanntmachung.
Aus dem Regierungsblatt Nr. 14 iſt nichts zu pu⸗ biciren. Hungen den 23. April 1844. Der Großh. Heſſ. Kreisrath des Kreiſes Hungen In Verh. des Kreisraths Schaaf, Gr. Kreisſecretair.
Zur wetterauer Chronik.
Friedberg am 27. April 1844. Heute Morgen fand in inſern Mauern eine Feſtlichkeit Statt, wie nicht allein wir ſie joch nicht geſehen haben, ſondern wie ſie überhaupt ohne frü⸗ leres Beiſpiel iſt. Es wurden nemlich in der hieſigen Synagoge zwei taubſtumme Geſchwiſter, Johanna und Meier Leopold von Gettenau, konfirmirt. Seide waren, das Mädchen ſeit 6, der Knabe ſeit 5 Jahren nder hieſigen Taubſtummenanſtalt und hatten zuerſt mit nen chriſtlichen Schülern zugleich den vorbereitenden, dann on Herrn Lehrer Cahn, der ſich mit vieler Bereitwillig— eit dem Auftrage unterzog, den confeſſionellen Religionsunter— icht empfangen und gerne entſprach der Großh. Rabbine,
Herr Dr. Levi von Gieſſen, dem Wunſche des Gr. Direk⸗ tors der hieſigen Taubſtummenanſtalt, die beiden Confir⸗ manden dadurch für ihr Wohlverhalten und ihren Fleiß zu belohnen, daß er ſie mittelſt feierlichen Aktes in die Ge⸗ meinde der erwachſenen Israeliten aufnehmen möge. Feier⸗ lich und wahrhaft erhebend war aber die Handlung in der That. Zuerſt hielt Herr Dr. Levi, ausgehend von der frũ⸗ heren und jetzigen Lage der taubſtummen Confirmanden und ſtets wieder auf ſie zurückkommend, eine geiſtreiche Predigt über Sprüchw. 4, 4, aus welcher Schriftſtelle er, die Worte vortrefflich für ſeinen Zweck benutzend, den Hauptſatz nahm: „wer den Glauben Israels hat, der kann ſich nicht mehr unglücklich fühlen.“ Nachdem dieſer Hauptſatz, wie geſagt, auf geiſtreiche würdige Weiſe in drei Theilen abgehandelt war, folgte eine kurze Anſprache des Rabbinen an die bei⸗ den Taubſtummen ſelbſt, woran ſich dann die Prüfung der Kinder, auch von Herrn Dr. Levi angeſtellt, knüpfte. Laut und deutlich, wenn auch mit kaum verhaltenen Thränen, gaben die Kinder Antwort auf die an ſie gerichteten Fragen, und wie man Viele ſah, die ihre Rührung nicht verbergen konnten, ſo prieſen gewiß alle in ihrem Herzen den Herrn der Heerſchaaren, der die Zungen der Stummen wunderbar gelöſt und ihren Mund geöffnet hat. Nach der Prüfung legten dann die Confirmanden ihr Glaubensbekenntniß ab, worauf Herr Direktor Roller, von Herrn Levi dazu auf— gefordert, einige Worte väterlicher Ermahnung voll tiefen Gefühls und heiligen Ernſtes an die Kinder richtete. Die ganze Feier ſchloß die Einſegnung der Confirmanden und
der Segen für die Gemeinde.— Es waren nur wenige
Chriſten bei dieſer Feier zugegen Einſender dieſes wünſchte, ö 8 oͤuges U 1 2 2
es möchten— wiewohl der Raum in der Synagoge ſehr
beſchränkt iſt— mehrere angewohnt haben; gewiß hätten ſich alle mit ihm überzeugt, daß auch in den Synagogen von den jüdiſchen Geiſtlichen das Volk nur zur Gottesfurcht und Liebe gegen Jedermann ermuntert wird und daß, wenn man ſo fortſaͤet, wie man angefangen, und ſo überall ſäet, wie man es heute hier gethan, gewiß in der nächſten Zu⸗ kunft ſchon die ſchönſten Früchte ſolcher Saat müſſen zur Reife kommen.


