Ausgabe 
24.7.1844
 
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Zum Schluſſe kann ich mich nicht enthalten, eines⸗ theils zum Beweiſe für den geneigten Leſer, daß auch andere Leute dieſelbe Anſicht von den Lebensfreuden, namentlich wie ſie das Haus gibt, hatten, anderntheils als einen Unterricht wie man ſich des Lebens freuen könne, und noch dazu ohne große Koſten einen Brief mitzutheilen, welchen im Jahr 1782 Matthias Claudius, der Wandsbecker Bote, an ſeinen Freund Andres geſchrieben hat. Er ſteht im Aten Theile ſeiner ſaͤmmtlichen Werke.

Neue

Hab' eine neue Erfindung gemacht, Andres, und ſoll dir hier ſo warm mitgetheilt werden.

Du weißt, daß in jeder gut eingerichteten Haushal⸗ tung kein Feſttag ungefeiert gelaſſen wird, und daß ein Hausvater zulangt, wenn er auf eine gute Art und mit einigem Schein des Rechts einen neuen an ſich bringen kann. So haben wir beide, außer den respektiven Geburts⸗ und Namenstagen, ſchon verſchiedene andere Feſttage an unſern Höfen eingeführt, als das Knospenfeſt, den Wider ſchein, den Maimorgen, den Grünzüngel, wenn die erſten jungen Erbſen und Bohnen gepflückt und zu Tiſch gebracht werden ſollen u. ſ. w.

Nun iſt wohl wahr, daß der Sommer und ſonderlich das Frühjahr viel ſchön ſind. Gleich wenn der Winter ſchnee aufthaut und man den bloßen Leib der Erde zum erſtenmale wieder ſieht, fangt ſich dieſe Viel Schönheit an und geht dann mit immer größern Schritten fort, bis Blu⸗ men und Blätter aufgeblühet ſind und der Menſch vor dem vollen Frühling ſteht. Und gewiß lehret uns der Frühling Gott und ſeine Güte ſonderlich; denn, wie Freund Fritz ſagt, was ſo zu Herzen geht, muß aus irgend einem Her zen kommen. Und alſo ſind die Frühling's- und Sommer⸗ Feſttage gar ſehr am rechten Ort, ich habe nichts dawider. Es iſt mir aber doch immer ſchon vorgekommen, daß im Herbſt und Winter auch was zu machen wäre, nur habe ich die Sache noch nie recht ins klare bringen konnen.

Geſtern aber, wie das mit den Erfindungen iſt man findet ſie nicht, ſondern ſie finden uns geſtern, als ich im Garten gehe und an nichts weniger denke, ſchießen mir mit einmal zwei neue Feſttage aufs Herz, der Herbſt ling und der Eiszäpfel, beide gar erfreulich und nützlich zu feiern.

Der Herbſtling iſt nur kurz und wird mit Brat äpfeln gefeiert. Nemlich: wenn im Herbſt der erſte Schnee

Erfindung.

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fällt und darauf muß genau Acht gegeben werden, nimm neh 74 man ſo viel Aepfel, als Kinder und Perſonen im Hal i ſind und noch einige darüber, damit, wenn etwa noch a dad dritter dazu käme, keiner an ſeinem Antheil verkürzt würde, cee en die e thut ſie in den Ofen, wartet, bis ſie gebraten ſind und iht ee 5 ſie dann. 4A

1 1 Cin So ſimpel das Ding anzuſehen iſt, ſo gut nimmt ſiſße 415 1 aus, wenn's recht gemacht wird. Daß dabei allerlei ver fa nünftige Diskurſe geführt, auch oft in den Ofen hinein ge ben guckt werden muß u. ſ. w. verſteht ſich von ſelbſt. 5 . Kefebaung keine!

Und ſo viel vom Herbſtling.* .

Der Eiszäpfel will nun wieder ganz anders trakttt e ſein und hat ſeine beſonderen Nücken. Mancher denkt wolf, e wenn er Eiszapfen am Dach ſieht, könne er nur gleich 4 feiern; aber weit gefehlt, es wird mehr dazu erforden.] oeffentliche Der Eiszäpfel kann durchaus ohne einen Schneemann nicht) die Orne gefeiert werden und dazu muß erſt Schnee ſein und dam unden i Ern Thauwetter kommen, daß der Schneemann gemacht werden en Lud

I. 5 Schwe U kann und wenn er gemacht iſt und vor dem Fenſter ſteht, muß J 10 Geundtent es wieder frieren, daß Eiszapfen am Dach werden, einer 495 don 165 fe. halben Elle lang, nicht länger und nicht kürzer u. ſ. w.( les Cees de Das ſind die Präliminär-Artikel und die conditio sine f, wetden dhe qua non. 00 Kreittalhs Was ſagſt du nun? Gelte, das iſt'n intrikates Feſtl une 1 Es geht auch mancher Winter darüber hin, ohne daß einz det, bre

; 5 10 zu Stande kommen kann. Wenn nun aber obige Umſtände en 2 Menden r

alle eingetreten ſind und ſonſt kein merkliches Hinderniß in ce ſchemig an Wege ſteht, ſo kannſt du denn zwiſchen drei und vier Uhr Nach ung 7* mittags das Feſt angehen laſſen, das NB. von Anfang bis A gate 7 zu Ende mit trockenem Munde gefeiert wird. Nach vier, runderg den. wenn's dunkel geworden iſt, wird eine Laterne in den hoh

len Kopf des Schneemanns gethan, daß das Licht durch N

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die Augen und den Mund herausſcheint und dann geht Groß und Klein auf und ab in dem Zimmer und ſieht aus dem Fenſter unter den Eiszapfen hin nach dem Schnee mann, und denkt dabei an einen andern Schneemann, ein jeder nach dem ihm der Schnabel gewachſen iſt und das iſt das höchſte Moment der Feier.

Lebe wohl, lieber Andres, und feiere fleißig alle Feſt tage und heilige Abende, bis der rechte heilige Abend anbricht.

Den 3. Oktober 1782. Dein ꝛc. . 8 5 8 2 8 egen Militärvert Wer wünſcht ſich nicht den kindlich-heitern einfaͤltig- nn können, daf

frommen Sinn, der ſich in dieſem Briefe eines unſerer größ⸗. Eoumſſonen ten Volksſchriftſteller ausſpricht? e, deſe aber bis

ſünmer⸗ u. Schlo Neiteregſer 0700 da we Godens in hieſiger

immer- und Sch At fl. 20 kr., ſez Aoſchlagt, auf de In die Wenigſenel len, ſo ſetze ich Ait dem Anfügen

I Bedingungen 1

0 feats, des Vorn et und mit der

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

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Edietalla dung. 936) Die Wittwe und Kinder des ver ſtorbenen Johannes Unger, Fuhrmann in Oberohmen, haben, da eine Inventur des Nachlaſſes eine Ueberſchuldung derſelben nach gewieſen hat, um eine Zuſammenberufung der Chirographargläubiger zum Zweck einer gütlichen Vereinbarung und Abwendung eines Concursverfahrens dahier angeſtanden.

Sämmtliche bekannte, wie unbekannte Gläu biger, werden demzufolge aufgefordert, ihre Anſprüche ſelbſt oder durch gehörig auch zu Vergleichsabſchluß Bevollmächtigte im Termin

Samſtag den 24. Auguſt, Vorm. 9 Uhr, dahier zur Anzeige zu bringen, und an den Vergleichsverhandlungen Theil zu nehmen.

Von nicht erſcheinenden bekannten Gläubi⸗ gern wird im Ausbleibensfalle Beitritt zum

Beſchluſſe der Mehrzahl der Glaͤubiger ange nommen, und etwa nicht erſcheinende unbe kannte Gläubiger bleiben im vorgeſteckten Falle unberückſichtigt. Grünberg den 23. Juni 1844. Gr. Heſſ. zum Landgericht daſ. gehöriges Patrimonialgericht der Fhr. Riedeſel zu Eiſenbach. Werl e

Oeffentliche Aufforderung. (963). Oberheſſen hat über das Vermögen der Ge⸗ brüder Markus und Liebmann Heß zu Einarts hauſen den förmlichen Concursprozeß erkannt und das unterzeichnete Gericht mit deſſen Lei tung beauftragt. Es werden daher alle die jenigen, welche an das Vermögen der genann ten Gebrüder Heß irgend Anſprüche bilden zu können vermeinen, hiermit aufgefordert, dieſelben um ſo gewiſſer im Termin

Mittwoch den 14. Auguſt l. J., Vormittags 9 uhr, entweder in Selbſtperſon oder durch mit geeig⸗

neten Vollmachten verſehene Vertreter anzu,

J Gewerkes, in d

zeigen und zu begründen, als ſie ſonſt ohne cen Bureau auf vorgängige Erlaſſung eines Präcluſiv⸗Dekretes hn eingelegt sei als ſtillſchweigend von der Maſſe ausgeſchloſſen fac dem Ablauf det

werden angeſehen werden.

Zugleich ſoll im vorbeſtimmten Liquidations- Termin zur Beilegung des Gantes die Güte angelegentlichſt verſucht, im Entſtehungsfalle aber zur Wahl eines Maſſe-Curators, Gläu bigerausſchuſſes und der Feſtſetzung der dem Letzteren zu ertheilenden Befugniſſe geſchritten

Laubach den 2. Juli 1844. Gr. Heſſ. Gräfl. Solmſ. Landgericht daſ⸗ Brumhard.

Fumſſonteröffnun,

lutzbach den 15

Gr. Heſſ. Hofgericht der Provinz werden, weßhalb alle nicht perſönlich erſchei⸗ Aäßbinder⸗Art nende Gläubiger bei Ausfertigung der ihren caſerne Mandatarien auszuſtellenden Vollmachten hier⸗ 1) Das dus auf gehörige Rückſicht zu nehmen haben. in in der be

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Bekanntmachung. ile deßf

(96) Die hinterlaſſenen Kaspar Schepp's Wade, 155 1 Kinder und ihr Stiefvater Kaspar Aff U. indem von Veitsberg beabsichtigen zum Behufe der unge Wen Erbauseinanderſetzung eine Uebereinkunft, durch 0 feen

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