Ausgabe 
24.7.1844
 
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Intelligenz-Blatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Rentamtmann des Bezirks Schotten

an die Herrn Bürgermeiſter der Orte Altenhain, Feldkrücken, Kolzenhain, Heckersdorf, Sellnrod, Wohnfeld, Ulrichſtein

und Großeneichen. Betreffend: Erhebung der Feldſtrafen für die dritte Periode 1844.

Die Erhebregiſter über die Feldſtrafen von der 3. Periode(20. März bis 20. Mai) liegen vor und es können an den bekannten Zahltagen Mittwoch und Donnerſtag Feldſtrafen dahier bezahlt werden.

Ausnahmsweiſe werden bis zur Mahnung, den 15. Aug., auch Dienſtags Feldſtrafen erhoben.

Sogleich nach dem 15. Aug. muß gegen die in Rück⸗ ſtand gebliebenen Feldſtrafſchuldner das Zwangsverfahren eintreten.

Sie wollen dies im Intereſſe der Beſtraften in Ihren Gemeinden bekannt machen laſſen.

Schotten am 18. Juli 1844.

Prätorius.

» Lebensfreuden. (Fortſetzung und Schluß.)

Liegſt du nach einem Tage voll Arbeit und Mühe auf deinem Lager und läſſeſt, ehe ſich deine Augen zum Schlafe ſchließen, noch einmal an dir vorübergehen, was der Tag dir gebracht, was du an ihm gethan und gelaſſen, prüfeſt die verborgenſten Falten deines Herzens und gibſt dir Rechen⸗ ſchaft von den geheimſten Regungen und Gedanken, von jedem Worte, das über deine Lippen gekommen, von allen deinen Thaten und du haſt ein gut Gewiſſen, du kannſt in Wahrheit dir das Zeugniß geben, daß du deine Pflicht gethan, daß du dem Guten nachgeſtrebt, daß du das Böſe, wenn es dich etwa verſucht hätte, bekämpft, daß du deinem Nächſten beigeſtanden und aufgeholfen in allerlei Noth des Lebens durch Rath und That, o dann wirſt du nicht dran denken, daß du, ehe du zu Bette giengſt, ein ſpärliches Mahl zu dir nahmſt, daß dein Lager härter iſt,

ch, den 24. Juli

als das deines reichen Nachbarn, die Töne wilder wüſter Luſt, die von den Straßen oder aus Wein- und Spielhäuſern zu dir dringen, werden in dir das Verlangen, Genoſſe ſolcher Freude zu ſein, nicht wecken, du haſt die höhere Freude, die Freude empfunden, die dem Menſchen das Bewußt⸗ ſein, treu geweſen zu ſein in ſeiem menſchlichen Berufe, unmittelbar gibt.

Und welche Freude kann und muß dein Haus dir bieten, wenn ein zufriedenes Herz in deinem Buſen wohnt und die Schuld dir nicht grau malt, was grün iſt! Wenn du vom Felde, oder überhaupt von den Geſchäften deines Berufes zurückkehrſt und bringſt deinem Kinde einen Apfel mit, den du gefunden, oder ein Stückchen Brod, über das die Vögel geſungen, oder ſonſt etwas, und auf der Thüre deines Hauſes ſteht, wenn du heimkommſt, dein Weib und hat dein Kleinſtes auf dem Arme, und dein Weib lacht dir entgegen und das Kleine ſtreckt die Aermchen nach dir aus und die Größern kommen auch hervor, und das Eine nimmt dich an der Hand, das Andere klettert an dir hinauf, Alle aber freuen ſich, daß du da biſt und führen dich frohlockend zur Suppe, die die Mutter bereitet, und nun vertheilſt du deine Gaben, und ſiehſt neue Freude in den Augen deiner Kinder glänzen wie wollteſt du da nicht ſagen: es iſt doch eine rechte Freude! wie wollteſt du da beklagen, daß du an Glücksgütern vielleicht weniger empfangen haſt, als viele Andere? wie wollteſt du uber deine magere Koſt mur ren, da du deine Kinder jetzt eben erſt durch ein Stückchen Brod ſo hoch erfreuteſt? Und dann die tauſend anderen An- laͤſſe zur Freude, die das Haus dem zufriedenen Menſchen gibt wenn das Kind zum erſtenmal ſich auf die Bein chen ſtellt, wenn es zum erſtenmal die Namen: Vater! Mutter! ſpricht wenn es zum erſtenmale aus der Schule kommt und ſagt, ich habe dieß und das gelernt wenn es zum erſtenmale das Nachtmal halt; und alle Jahre, wenn des Vaters, oder der Mutter, oder der Kinder Ge burtstag iſt, oder zu Oſtern, oder zu Weihnachten, oder ſonſt bei einer allgemeinen feſtlichen Veranlaſſung,an der, eben weil ſie allgemein iſt, jeder Einzelne Antheil nimmt wer kann da ſagen: es ſeien ihm die Freuden des Lebens verſagt? Es kommt nur darauf an, daß man, was Einem zur Freude geboten wird, auch als ſolche erkennt und auf nimmt und wenn du keine Lebensfreude haſt, ſo mußt du nicht Gott, den Herrn, verklagen, als ob er dir keine ge geben hätte, ſondern dein eignes Herz, das nicht im Stande iſt, die dargebotene Freude zu genießen.