Ausgabe 
5.6.1844
 
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andern Zweck, und zwar den vornehmſten, welchen die Mäßigkeitsvereine zu erreichen trachten, den der Bew a h rung betrifft, ſo iſt auch dieſe, die Bewahrung vor der Trunkenheit, nur bei gänzlicher Enthaltſamkeit zu erzielen. Jeder mäßige Branntweingenuß verführt nur zu leicht zu unmäßigem. Kein Getränk reizt und erſchlafft in höherem Grade die Nerven, als der Branntwein, und dieſer fordert daher bei fortgeſetztem Genuſſe ein immer größeres Maß zur Befriedigung. Wie aber, wenn der Branntweinteufel einmal Beſitz von dem Menſchen genommen hat, dieſer ſich nicht mehr in ſeiner Gewalt hat, ſondern auch, bei erwachen dem Gewiſſen, ſich willenlos immer weiter fortgeriſſen ſieht auf dem Laſterwege, das lehrt in vielen beklagenswerthen Beiſpielen die Erfahrung. Mit Recht ſagt daher Zſchokke in der Branntweinpeſt(S. 83):Nur Entſagung rettet. Entſagung iſt in jeder Beziehung leichter, als Mäßigung. Wer dem Teufel erlaubt, ihn blos bei einem einzigen Haupthaar zu nehmen, den zieht er unvermerkt mit dem Kopf und dem Leib nach ſich. Den Branntwein mäßig trinken wollen, heißt, nur mäßig ſündigen wol⸗ len! Das Laſter der Trunkenheit ſchleicht behend der Luſt am Trinkglaſe nach. Darum handelte Hans in Nro. 27. des Intelligenzblattes allerdings klug, indem er in Zei ten einlenkte und dem Branntwein gänzlich entſagte, ehe er ein Säufer wurde. Nur möchten wir die Art und Weiſe ſeines Verfahrens keineswegs empfehlenswerth, ſondern viel mehr ein gefährliches Wagſtück nennen; denn bei ſeiner all mähligen Entwöhnung ſetzte er ſich ohne Noth immer neuen Verſuchungen aus. Dr. Grießelich ſagt in ſeinerGe ſundheitslehre(Karlsruhe 1843): Dem Gewohnheitstrinker langſames Abgewöhnen anzurathen, wäre nicht beſſer, als etwa dem Verbrecher den langſamen Pfad zur Beſſerung zu empfehlen. Nein, ſchnelles Entſagen iſt nothwendig.

Gewiß, nur Entſagung, ſchnelle Entſagung, ver mag unſer Geſchlecht von jener Peſt, die im Finſtern ſchlei chet, von jener Seuche, die im Mittag verderbet, von der Branntweinpeſt zu retten und zu bewahren. Mit einem ſo gefährlichen Feinde, wie der Branntwein iſt, darf man auch nicht die geringſte Gemeinſchaft unterhalten. 13 Jahre(von 1813 bis 1826) hatten die Mäßigkeitsvereine in Nordamerika keine Erfolge, ſo lange ſie nur dem über mäßigen Genuſſe zu ſteuern ſuchten und den mäßigen ge⸗ ſtatteten. Erſt, als man den Grundſatz der gänzlichen Ent haltſamkeit annahm, zeigten ſich überall die geſegnetſten Wirkungen. Millionen von Menſchen leben jetzt jenſeits des Weltmeers, ohne einen Tropfen des Giftwaſſers zu trinken, und befinden ſich ganz wohl dabei. Wer ſich dar über weiter belehren will, leſe die gründliche Schrift von Baird über die Nordamerikan. Mäßigkeitsgeſellſchaften, woraus in Nr. 7 des Intelligenzblattes mehrere beherzigens werthe Notizen mitgetheilt ſind. Wozu nun nochmals Ver ſuche(mit Beſchränkung auf mäßigen Genuß) unternehmen, die überall, wo man ſie machte, auch in Deutſchland miß lungen ſind? daher iſt auch meines Wiſſens unter den bei Weitem meiſten Mäßigkeitsvereinen jetzt nur eine Stimme darüber, daß nur eine gänzliche Enthaltſamkeit von allen gebrannten Waſſern zu dem erwünſchten Ziel führt. Dafür ſprach man ſich auch auf der erſten großen Hauptverſammlung aller deutſchen Mäßigkeitsvereine im Auguſt vorigen Jahrs zu Hamburg mit Entſchiedenheit aus. Zu weiterer Belehrung über einen Gegenſtand, der die ganze Aufmerkſamkeit jedes Menſchenfreundes in Anſpruch nehmen muß, empfehlen wir die trefflichen Schriften des deutſchen Pater Mathew, des Paſtor Böttcher in Hannover, insbe beſondere deſſenGeſchichte der Mäßigkeitsgeſellſchaften in den norddeutſchen Bundesſtaaten(Hannover 1841). Dort kann man leſen, daß in 3 Jahren(18371840) durch die

land, fügen wir aus der bereits erwähnten Schrift von

gt und, deutſchen Enthaltſamkeitsvereine an 5000 Säufer bekehrt unn beach worden ſind. Wer indeſſen von unſern lieben Mitbürgern uutug u deal nicht viel Geld für Schriften ausgeben kann, der wolle nur Aunkeit* Hill, den Aufſatz im dießjaͤhrigen Landkalender-üwber Brannteſſhe Ni. 1 weinvergiftung und Mäßigkeitsvereine/ leſen und f ſud he 9 beherzigen. Das dort Geſagte, welches nur Wahrheit ent, arch 1 al N hält, iſt ſchon geeignet, die Augen zu öffnen und die Her, chen a

zen zu erwärmen. Den dort mitgetheilten ärztlichen Zeug, niſſen, namentlich den beherzigenswerthen Worten von Hufe,

Grießelich nur noch Einiges bei, indem wir nur be dauern, daß der Raum des Intelligenzblattes einen aus führlicheren Auszug nicht geſtatten wird. Dr. Grießelichſf ſagt:Für das gewöhnliche Leben iſt der Branntwein jeden, falls zu verbannen; wer ihn täglich trinkt, trinkt böſe Arz nei; man ſollte ihn nicht eau de vie(CLebenswaſſer) nen nen, wie die Franzoſen thun, ſondern eau contre la vie (Todeswaſſer). Es iſt höchlich zu bedauern, daß der Ver⸗ brauch von Branntwein ſo ſehr überhand genommen hat; aber e nicht genug zu rühmen ſind die Anſtrengungen jener in

en Gebe Norddeutſchlands Schnapsländern mitunter ſehr ausgedehn, alen in 0 1 ten Vereine, deren Mitglieder ſich verbindlich machen, keine nd Beſellgung gebrannten Waſſer zu trinken. Es iſt ſchmählich, daß die wenden. koſtbare Kartoffel(denn Kartoffelbranntwein iſt der am meiſten verbreitete) ihrem Zwecke als Nahrungsmittel entzogen wird, 8 Unterſtützt nur die Mäßigkeitsvereine auf alle Weiſe, iht Leſer, und helft dadurch der Menſchheit zu mehr Ehre, dem Ein Beiſ

der Schnaps führt nicht allein zu leiblichem Uebel, zu allen den Suchten, ſondern vornehmlich zum Abſterben für Alles, was im Manne ſonſt edel iſt und am Ende zum Selbſt mord; lehrt und beherzigt Böttcher's Hauskreuz und Zſchokkes Branntweinpeſt.

Um nun nochmals auf den Aufſatz in Nro. 27 det Intelligenzblattes zurückzukommen, ſo ſtimmen wir mit der dort angeführten Aeußerung des von uns ſehr hoch geach teten Oberconſiſtorialraths Claus Harms inſofern überein,

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daß auch wir gerne anerkennen, daß, wenn allenthalben ein Woſſtzen daß

lebendiger Glaube waltete, die Mäßigkeitsvereine überflüſſſg tl zu Auen

würden; ſo lange dieß aber noch nicht der Fall iſt, halten von ich mehre

wir die Vereine für ganz beſonders geeignet, die Gemüthn] W

zu einem chriſtlichen Leben zu erwecken und dafür empfäng⸗.

lich zu machen. Bekannte Wenn der Einſender in Nr. 27 die Anſicht ausſprichl, 1

die Mäßigkeitsvereine ſollten für Herbeiſchaffung anderer kräftigender und dabei wohlfeiler Getränke ſorgen, ſo glaubt auch ich, daß die Anlegung von guten Bierbrauereien zur Bekämpfung des Branntweinübels viel beitragen würde, muß aber die Sorge für dergleichen Anſtalten als außer

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halb des Bereichs der Wirkſamkeit der Vereine gelegen, ern baureargkunntel kennen, ſo lange dieſe dazu nicht die Mittel in Händen haben,

Solches wollen wir der Sorge einer erleuchteten Staate] dhe, regierung oder wohlhabender Menſchenfreunde überlaſſen, 8 a

Wenn der Verfaſſer in Nr. 27 weiter ſagt, man müſſe den geſchwächten Willeyskraft des Trinkers, wenn auch mak mittelſt gewiſſer Kunſtgriffe zu Hülfe kommen, ſo mag dieß

Ecdloſeratbeit Glaſergrbeit W

immerhin geſchehen, ſobald ſolche Kunſtgriffe nicht mehr von] dunn Ziele entfernen, als ibm näher bringen, was nur zu leickt fen Rrelng in bei dem dort erwähnten Hans hätte geſchehen können. Die an 10 ur, qu Vereine nehmen einen Trunkenbold nicht ohne vorher be asel, 1 ſtandene Probezeit von mehreren Wochen auf. Gewöhnlich ul N iſt der Säufer von dem Vorurtheile befangen, ſeine Gr Miet werde ſundheit geſtatte nicht, dem ihm einmal zur Gewohnheit ge Hießen den;

wordenen Schnaps ganz zu entſagen. Dieſem Vorurtheilk 7

begegnet man, wenn man dem Trinker raͤth, auf etwa 14 Tage einen Verſuch zu machen. Hat er nun gefunden, daß zan Mebeit⸗ i(000 mg es auch ohne Branntwein geht, und zwar beſſer als vordem, mag mn ſo ſetze man weitere Friſten, bis der Trinker Selbſtvertrauel 0 Güſw

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