Ausgabe 
14.9.1842
 
Einzelbild herunterladen

324.

Friedberg den 10. September 1842.

Heute vor fuͤnfzig Jahren erhielt unſer würdi⸗ ger Herr Oberſchulrath Pr. Roth ſein Deeret als Rektor der hieſigen Auguſtinerſchule und ſtand darauf bis vor Kurzem als Direktor dem Schullehrer-Se⸗ minare vor. Eine bedeutende Anzahl ſeiner Schüler und Zöglinge aus den 3 Provinzen des Großher zogthums ſowohl, als auch theilweiſe aus dem an⸗ grenzenden Auslande hatte ſich eingefunden, um dem theuren Lehrer und unvergeßlichen Freunde in ihrem und der abweſenden Amtsgenoſſen Namen Gluck zu wünſchen und einen ſchön gearbeiteten ſtattlichen Eh⸗ renpokal von Silber zu überreichen. Der Jubilar erwiederte den Glückwunſch mit herzlichen begeiſtern⸗ den Worten, deren Wahrheit, Kraft und Friſche die Zuhörer erfreute. Die Lehrer waren um halb 12 Uhr in einem Zug vom Schulhaus in die Wohnung des Herrn Roth gegangen und holten um 2 Uhr Nachmittags ihren alten väterlichen Freund mit deſſen Sohn zur feſtlichen Tafel ab, welche im Trappiſchen Gaſthauſe vorbereitet war.

Morgens um 6 Uhr waren die alteren Kinder der Muſterſchule in Begleitung ihrer Lehrer vor das Haus des Jubilars gezogen und hatten einen mehr ſtimmigen Choral geſungen. Später hatten die Leh⸗ rer der Muſterſchule, die Lehrer der beiden Semi nare, die Geiſtlichen, die beiden Beigeordneten mit mehreren Gemeinderäthen der Stadt Friedberg, ſo wie die Hülfsgeſellſchaft, zu deren Stiftern Herr Roth gehört, gratulirt, und nach dieſen 5 Kna⸗ ben, welche noch aus der ehemaligen Auguſtinerſchule übrig waren, zur Erinnerung an den Anfang ſeines Wirkens, Herrn Roth in einfacher herzlicher Weiſe ihre Wünſche dargebracht.

Der Herr Gevatter.

Der wohlhabende Bäcker Beutel hatte bei ſei nem Mitbürger, dem Krämer Rabe, zu Gevatter ge ſtanden. Im Tauf⸗Anzug, den Blumenſtrauß noch vor der Bruſt, kam er jetzt nach Hauſe, ſeine Ehe hälfte zum Kindtaufſchmauße abzuholen. Nachdem er ſeinen Laden zugemacht, und ſorgfältig nachgeſe hen hatte, ob ſein Geldſchrank, in welchem mehrere Rollen Kronenthaler der Erlös für verkauftes Maſtvieh lagen, auch wohl verſchloffen wäre, gebot er der Magd, Alles im Hauſe gut in Acht zu nehmen, und ſchritt mit ſeiner geputzten Lebens gefährtin über die Schwelle. In dieſem Augenblick kam Meiſter Kraft, der Metzger, ein ſolider Han⸗ delskunde, mit ſeinem maͤchtigen Sultan aufs Haus zugeſchritten. Ach, das thut mir doch leid, Meiſter Kraft, ſagte Beutel, Ihr wollt Schweine haben, und.

ich bin bei Herrn Rabe zur Kindtaufe. Wie lange kann denn das währen? fragte Kraft.

Nun, ein paar Stündchen. Hm, das macht mir eben nichts aus; wenn Ihr nicht denkt, daß ich euch was einſtecke, ſo will ich derweilen eine Pfeife bei Euch rauchen.

Auch gut; Ihr könnt euch indeſſen die Schweine anſehen; Kapitalvieh, ſag' ich Euch. Roſine zeig einmal dem Meiſter Kraft unſere Schweine und gieb ihm was zu kruſtuliren.

So war der kleine Aufenthalt glücklich bei Seite geſchafft, und das Ehepaar erſchien bei dem brillan⸗ ten Gevattereſſen. Zwar litt Herr Rabe, der Papa, gerade an heftigen Kopf- und Zahnſchmerzen, ging nur ab und zu, und zog ſich endlich als es Abend ward ganz zurück, weil ſich da ſein Fieber einſtellte. Aber er ſtellte ſeinen Mann in einem anweſenden Herrn Vetter, welcher die Weiber von ſeinen Reiſen unterhielt, und für die Männer eine Parthie Solo zu recht machte. Meiſter Beutel war ganz in ſei⸗ nem Element und hatte den Metzger ſammt den Schweinen vergeſſen. ö

Unterdeß war Meiſter Kraft, dem die Zeit lang geworden, in ſeinem Lehnſeſſel, den Hund zu ſeinen Füßen, eingeſchlummert. Als er, durch ſein eignes Schnarchen erwacht, umherſchaute, war es vollig dunkel geworden, denn die Magd, welche um 1 Uhr den Backofen heizen müſſen, hatte die Hausthür ver⸗ riegelt und, im Vertrauen auf die Wachſamkeit des Gaſtes, ſich ein wenig aufs Ohr gelegt. Meiſter Kraft hatte ſich zum Zeitvertreib eine Pfeife geſtopft und wollte eben den Schwamm auf den Feuerſtein legen, als ein eignes Geräuſch ſich vor dem Fenſter hören ließ. Kuſch! Sultan, ſagte er und horchte auf. Es wurde ohne viel Geräuſch eine Scheibe zerdrückt, das Fenſter aufgemacht, und es ſtieg mit Behendigkeit eine dunkle Geſtalt herein, ſchob den Nachtriegel vor die Thuͤr und ging an den Geld ſchrank. Als er dieſen geöffnet und mehrere Rollen herausgenommen hatte, wellte er ſehr behende auf dem vorigen Wege wieder hinaus; aber Meiſter Kraft rief: Huſſa Sultan! und der Dieb lag auf der Erde. Laß ab, ſprach nun der Meiſter, und der Hund gehorchte. Du, Spitzbube, aber gehſt dort in die Ecke; rühr' dich nicht, daß ich den Hund nicht noch einmal hetze.

Roſine mußte nun Herrn Beutel rufen; wäh⸗ rend deſſen fuhr Meiſter Kraft da fort wo er vor hin aufgehört; er ſchlug Feuer und rauchte ſeine Pfeife an. Die Capitulationen des armen Sünders und das Anerbieten von 3 Ducaten wurden kurz abgewieſen mit den Worten: Iſt Meiſter Beutels Sache.

Endlich kam dle ganze Gevatterſchaft, der Bäcker⸗ meiſter an der Spitze. Er hatte auch allein den Muth ins Zimmer zu kommen. Wo iſt der Dieb rief er außer Athem; hier in der Ecke ſagte Meiſter Kraft. Und als man die Laterne hinwandte: Alle Hagel! der Herr Gevatter! Es war Rabe der Krämer, der zwar Einiges. von einem Gevatterſpaß

chen wöchte, u mitten im sche ff, wie ſe auf von Alten gehört. Rede wachſen; Rei ehe ers privat Deutſch ſpri ten Dialekt ke ſtändlichſten lehrt. Eine Stadt, die it richtet worden Frankfurt, um Erſt als ſee merkte ſie, de gleiter geweſe angenehm wa in gulem Sch ſſe drohte ihm nicht. Endlie mit in die S Kuraſch, 9 Reißaus nal

Um eine Jahre und und Nacht f 100 in eine, Idder gleich!

0

Dur die Auge

Ache

5

Bekannt

(loo) din