„ 33
Jene Anhöhe iſt zwar nicht bedeutend; aber ſie hält die ſcharſen Nordwinde ab. Sie bildet zugleich die Waſſerſcheide zwiſchen Main und Lahn. Sie bildete aber auch ſeit uralten Zeiten eine politiſche Gränze.— Von dem Hausberge her ſtreicht näm— lich durch das Gebiet von Hauſen und den Wald hin nach dem ſogenannten Schränzer eine alte Be— feſtigung, der Pfahlgraben, im Munde des Vol— kes Pohlgraben genannt. Da, wo er das Feld und die Chauſſee durchſchneidet, iſt er kaum mehr zu erkennen. Dagegen wird er gleich am nördlichen Walde, den er am„ſtumpfen Thurme erreicht, wie— der bedeutend, bildet eine doppelte, manchmal drei— fache Vertiefung am Saume des Waldes, läuft in gerader Richtung mehrere Stunden und beugt ſich erſt wieder im Felde von Grüningen. Es iſt laͤngſt erwieſen, daß dieſer Pfahlgraben ein Werk der alten Römer iſt, welches ſie im erſten und zweiten Jahrhundert nach Chriſti Geburt wegen der kräftigen und kriegsluſtigen Chatten errichteten. Wer dieſſeits blieb, befreundete ſich mit den Römern, welche hier und da Pflanzſtätten anlegten, und ge— hörte zu den Mattiakern. So gab alſo jene An⸗ höhe ſchon damals eine Scheidewand ab.
Als ſpäter das Chriſtenthum ſich in Deutſchland verbreitete, wurde es dieſen ſuͤdlichern Bewohnern von Mainz aus verkündet, den andern aber wahr— ſcheinlich von Trier und Coblenz her; wenigſtens ſtanden die dieſſeitigen Kirchen unter dem mainzer, die jenſeitigen aber unter dem trierer Sprengel, und zwar gehörten ſie zum Archidiakonat von Diet kirchen. Und da die Gau-⸗Eintheilung erfolgte, ſo wurde, was ſüdlich der Anhöhe lag, zur Wet⸗ tereiba und was jenſeits derſelben war, zum Lahngau geſchlagen. Dieſe Trennung dauerte ſpä⸗ terhin fort, als in den Gauen Graf⸗- und Herrſchaften ſich bildeten. Während die nächſten ſuͤdlichen Striche dem Hauſe Münzenberg, ſpäter Falkenſtein, dann Solms gehörten, war die nördliche Gegend, vom Pfahlgraben an bis weit über Gleßen, mithin auch Kirchgöns und Pohlgöns, das Zweifelsohne von jener alten Gränzbefeſtigung ſei— nen Namen herleitet, Eigenthum eines alten, mit dem fruͤheren Kaiſerhauſe verwandten Geſchlechts, der Herrn von Glitzberg oder Gleiberg, deren Stammburg noch in ſeinen Trümmern auf einer Anhöhe etwa eine Stunde von Gießen zu ſehen iſt, und um welches ſich ein Städtchen nach und nach bildete. Nach ihrem Ausſterben in männlicher Linie kamen ihre Beſitzungen durch weibliche Erben theils an die Pfalzgrafen von Tübingen, theils an die Dynaſten von Meerenberg. Der Antheil jener kam ſpäter an die Landgrafen von Heſſen; die Meerenberger dagegen wurden von Naſſau— Saarbrücken beerbt. Während langer Zeit bildete demnach der Pfahlgraben die Landesgräͤnze, und in äl— teren Karten, wie z. B. der, welche ſich in Kochs Werk über die Commende Schiffenberg befindet, ſteht darum
hier der Name„Landwehr.“ Von den gleibergiſchen Beſitzungen blieb ein Theil gemeinſchaftlich, bis im Jahr 1585 und 1587 zwiſchen dem Landgrafen Lud— wig IV., zweitem Sohne Philipps des Groß— müthigen, und dem Grafen Albrecht von Naſ— ſau⸗Saarbrücken eine Theilung zu Stande kam, wonach Lollar, Daubringen, Mainzlar, Kirchberg, Heuchelheim, Rodheim(bei Gie— ßen), Fellingshauſen und Großen linden an Heſſen, dagegen Wismar, Launsbach, Kinzen— bach, Weidenhauſen, Volprechtshauſen, Reißkirchen, Niederwetz ꝛc. an Naſſau fielen. Die übrigen ſüdlichen Orte, wozu denn auch unſer Kirchgöns und Pohlgöns, bildeten fort das ge— meinſchaftliche Amt Hüttenberg.— Im Anfange des vorigen Jahrhunderts gaben die Kriegsbeiträge, oder, wie man ſie damals nannte, die Römermonate, Veranlaſſung zu neuen Streitigkeiten zwiſchen beiden Häuſern, die ſoweit gingen, daß pfälziſche Truppen für Naſſau herbeimarſchirten, dieſe aber von heſſen— darmſtädtiſchen zurückgeſchlagen wurden. Nun rüſtete man ſich von beiden Seiten zu ernſthafterem Kampfe; ehe er aber ausbrach, kam im Jahr 1703) ein neuer Vergleich zu Stande, nach welchem der Hüt— tenberg ſo getheilt wurde, daß die Orte Lan ggöns, Kirchgöns, Pohlgöns, Leigeſtern, Allen⸗ dorf, Annerod und Hauſen(bei Gießen) an Darmſtadt fielen, die Orte Dudenhofen, Lützel— linden, Hörnsheim, Hochelheim, Nieder— kleen, Dornholzhouſen, Großrechtenbach ꝛc. Naſſau zu Theil wurden. Sämmtliche naſſauiſche Orte fielen bekanntlich im Jahr 1816 an Preußen, und wurden dem Kreiſe Wetzlar zugetheilt. Die im Jahr 1703 Darmſtadt zugefallenen Orte bildeten dagegen bis zum Jahre 1821 das Amt Hütten⸗ berg, deſſen Beamte ihren Sitz zu Langgöns
hatten.(Schluß folgt.) *) Die erwähnten Vergleiche finden ſich in Abichts Ge—
ſchichte und Beſchreibung des Kreiſes Wetzlar, Theil I., Beilage 2 und 3, worauf wir diejenigen Leſer verweiſen welche gerne mehr darüber zu erfahren wünſchen.
Bekanntmachungen von Behoͤrden.
TN NN
Hofraithe-Verſteigerung. (41) Dienſtag den 23. Februar l. J., Morgens 10 Uhr, ſoll in hieſigem Rathhaus die Johannes Wind'ſche Hofraithe am Fauerbacher Thor, Pag. u. Nro. 58% a, beſtehend in Brau- und Wohn⸗ haus, an Georg Staubi und Johannes Walz gele⸗ gen, öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Friedberg den 14. Januar 1841. In Auftrag großh. heſſ. Landgerichts: Der Beigeordnete Bender. Proc lam ea. (46) Der ſeit zwölf Jahren abweſende Johann Conrad Häuſer von Niederweiſel hat die ihm im Flurbuche zugeſchriebenen Grundſtücke am 15.


