Ausgabe 
27.2.1841
 
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welche man auf einem Pferde hatte in Sicherheit bringen wollen, hätte das Unglück gehabt, von dem Pferde herab in das Waſſer zu ſtürzen. Daß eine Menge Häuſer durch das Waſſer ſchadhaft wurden, läßt ſich denken, und es verdient daher des herz lichſten Daukes, daß mehrere Manner in unſerm vorigen Blatte die Leſer, welche ja alle ſo mitlei dig geſinnt ſind, zu milden Beiträgen für die Waſ ſerbeſchädigten in Bruchenbrücken vorzugs weiſe einladen.

Der Rheinfall bei Schaafhauſen. (Aus dem Tagebuche eines Wetterauers.)

Wir waren am I7ten September(1837) von Zurich bis Egliſau gereiſ't und glaubten noch zum Rheinfalle gelangen zu können. Bis wir aber zu Lottſtetten, dem erſten badiſchen Orte, unſere Zoll Angelegenheiten geordnet hatten, war die Nacht heran gebrochen und wir wurden genöthigt, im Poſthauſe zu Jeſtetten im Klettgau zu übernachten. Am an⸗ dern Morgen machten wir uns früh auf; denn wir ſehnten uns nach der großartigen Scene. Es war faſt noch dunkel, als wir abführen; der Tag ſchickte kaum ſeinen Vorboten, die Morgendämmerung, von Oſten her. Da hörten wir ſchon in der Stille des Morgens das Toſen des Waſſers in einer Entfer nung von einer guten Stunde. Aber unſere Geduld ſollte erſt auf eine kleine Probe geſetzt werden; unſer Wagen war nämlich etwas ſchadhaft geworden, und dies nöthigte uns, bis Neuhaus langſam zu fah ren, und zwar zu einer Zeit, wo wir gerade eilen wollten. Kein Wunder, wenn uns der Weg bis dahin langweilte. Wir langten endlich an, beſtellten ſo ſchnell als möglich, was zu beſtellen war, und nahmen nun einen Knaben zum Führer nach dem weltberühmten Waſſerfalle, auf deſſen Anblick ich längſt geſpannt geweſen war und von welchem ich ſo verſchiedene Urtheile gehört hatte. Wahrend näm lich der Eine hier die erhabenſte Naturſcene fand, war er dem Andern weit hinter ſeinen Erwartungen zurückgeblieben. Ich erkannte bald, wie ſich ſolches erklärt. Wer den gewaltigen Strom bei Strasburg, Mainz, Coblenz oder Cöln geſehen und ſich im Geiſte dieſen Strom thurmhoch herabſtuͤrzen ſieht, der muß allerdings ſich in ſeinen Erwartungen getäuſcht fin den, wenn er den wirklichen Fall und zwar in einer Entfernung von mehreren hundert Schritten vor Augen bekömmt. So war es uns ergangen, als wir durch das an der rechten Flußſeite liegende Ei ſen⸗Drathhammerwerk hindurchgekommen waren und uns an der Stelle befanden, wo man das Ganze des Falles überſchauen kann. Hier iſt der Rhein noch kein Strom, ſondern ein Fluß, und der Fall hat keine Thurmhöhe, ſondern beträgt etwa 7080 Fuß. Fall und Fluß aber wird durch die Entfer⸗ nung, wie natürlich, verkleinert. Was die Phanta ſie ſich gebildet hatte, das gewährt demnach die Wirklichkeit nicht. Kommt man aber hier ohne vor⸗

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gefaßte Meinung an, und ſchaut nun, wie die Wogen gewaltſam ſich eine Bahn brechen durch die pittoresken Felſen, das Waſſer zu Giſch aufbraußt und tobt, indem es in Staubwolken wieder herabſtuͤrzt; wie links die Gebäude bis in den Waſſerfall ſich dineinzuzwängen ſcheinen, jenſeits ein altes Schloß ſtolz über die Fluthen ſich erhebt, ſo wird man wunderſam über raſcht bei dem großartigen Bilde. Tritt man dem Schauſpiele noch etwas näher und zwar nach dem Schlößchen Wörth, wo ſich ein Gaſthaus und eine Camera obscura befindet, ſo gewinnt das Ganze an Großartigkeit. Allein auch damit war ich noch nicht zufrieden; ich ließ meinen Freund in Wörth und beſtieg einen Kahn, um mich überſetzen zu laſſen. Es war mir ein angenehmes Gefühl, mich durch die Wellen ſchaukeln zu laſſen, die hier unmittelbar unter dem Sturze ſich bilden und wie anderwärts im Sturme aufbrauſen, als wären ſie noch erzürnt über die Felſen, welche ſich ihnen im Falle entgegen⸗ geſetzt hatten. Jenſeits am linken Ufer befand ich mich wieder im Kanton Zürich. Hier erhebt ſich ſteil eine Anhöhe, und auf derſelben liegt ein mittelalterli⸗ ches wohlerhaltenes Schloß, Laufen genannt. Ich er⸗ erſtieg dasſelbe und ſah nun den Fall von oben herab; ich ging ſodann an eine zweite etwas niedrigere Stelle. An beiden Stellen bewunderte ich die ſeltene groß⸗ artige Natur; aber ergriffen, hingeriſſen wurde ich immer noch nicht. An der letzteren ſieht man in deſſen recht deutlich, wie der Strom in ſeinem Sturze die Felſen zu zerſchmettern droht, welche ihm im Wege ſtehen. Einer derſelben mag wohl nicht lange mehr Widerſtand leiſten, da ihn die Wellen zum Theil ausgehöhlt haben. Die andern können dagegen

noch Jahrhunderte der Gewalt des Waſſers trotzen,

das vor ihnen zornig ſich aufthürmt und als Nebel ſich niederſchlaͤgt. Auf ihnen grünen luſtig die Stau den. Alles das zieht wunderſam an.

Endlich kam ich mit meinem jungen Führer zu dem Gerüſte. Sobald ich einen Waſſermantel um⸗ gehängt hatte, ſchritt ich hinaus, mein Fuͤhrer mir voran. Aber wie ein Blitz kam er wieder zurück; er konnte den Anblick nicht ertragen. Ich trat nun vor; aber von der Furchtbarkeit des Schauſpiels übermannt, mußte auch ich einen Augenblick zurück⸗ weichen, denn ich ſah mich wie durch Zauber plötz lich in den Waſſerſall verſetzt. Dann trat ich aber mals vor, um eine halbe Viertelſtunde den groß⸗ artigſten Eindruck zu empfangen, den ich je gehabt habe. Es dauerte noch länger, bis, was ich hier empfunden, ich in Begriffe zu faſſen vermochte. Wohl iſt der Rheinfall hier ein furchtbar ſchönes Schau⸗ ſpiel. Es iſt, als wolle die Welt vor unſern Augen untergehen, als haußten unter uns alle Donner des Himmels und als wollten über uns die Ströme der Erde hereinſtürzen. Aus dem ſtillen Menſchenleben iſt man plötzlich in einen Kampf überirdiſcher Mächte hineingeriſſen, in welchem wir jeden Augenblick zer⸗ ſchmettert zu werden erwarten müſſen. Ein Kampf

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