Ausgabe 
27.2.1841
 
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Igntelligenzblatt

für die

berhessen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

9.

Sonnabend, den 27. Februar

1841.

Amtlicher Theil.

Der großherzoglich heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die großh. heſſ. Bürgermeiſter des Kreiſes.

Betreffend: Die Erlaſſung eines neuen Feldſtrafgeſetzes und die Verbeſſerung der Feldpolizei und insbeſondere die Anſtellung der Feldſchutzen.

Sie erhalten gleichzeitig mit dieſem ein Ausſchreiben des großh. Miniſteriums des Innern und der Juſtiz in obigem Betreff, dd. 3. d. M., nebſt dem darin erwähnten gedruckten Ueberſichtsformular.

Das Letztere haben Sie alsbald, der höchſten Vorſchrift gemäß, auszufüllen, und am Schluſſe noch die pflichtmäßige Bemerkung beizufügen, ob die dermaligen Feldſchützen geläufig leſen und ſchreiben konnen.

Die ansgefüllten Formularien ſind als wahrhaft nicht allein von Ihnen, ſondern auch von den

Gemeinderäthen zu beſcheinigen und zu unterzeichnen.

Sollte über eine oder die andere Frage oder die

zu ſtellenden Anträge eine Meinungsverſchiedenheit ſtattfinden, ſo ſind die Gründe für die Anſichten der Mehrheit ſowohl, als wie der Minderzahl unter dem Formular portokollariſch zu erörtern. Die vollzogenen Formularien ſind binnen 8 Tagen wieder einzuſenden.

Friedberg den 24. Februar 1841.

Küchler.

Zur wetterauer Chronik. 65.)

Am Abend des 21. Februar ſtürzte plötzlich mit gewaltigem Geräuſche ein Theil des Straßenbodens mitten in der Judengaſſe zu Friedberg in die Tiefe, ohne daß ein ſ. g. Lehmloch, dergleichen in Friedberg mehrere ſind, welche bis unter die Straßen ziehen, dazu Veranlaſſung gegeben hätte. Den Nachbarn verurſachte dies gewaltigen Schrecken. Die Ver ſenkung des Theils der Straße beträgt wohl 600 Kubikfuß.

Die Antwort auf die Frage, wo dieſer Grund hingekommen, liegt nahe; es muß ein hohler Raum unter der Straße ſeyn, in welche ſich die obere Maſſe, welche durch das Thauwetter und die Waſſer leitung die bisherige Haltbarkeit der Theile unter ſich verloren hatte, hineinſenkte. Damit iſt aber der Frager noch lange nicht befriedigt, ſondern nur zu

einer neuen Frage veranlaßt: Iſt jener unter der Straße befindliche leere Raum in dem natürlichen Grunde geweſen, oder war er durch menſchliche Hände gebildet? Schade, daß die Antwort auf dieſe Frage nicht ſo leicht zu geben iſt, wie auf die frühere. Wir wenigſtens müͤſſen ſie vor der Hand ſchuldig bleiben.

Die Waſſersnoth, welche viele Gegenden in der Mitte Januars heimſuchte und deren wir in Nro. 4 unſers Blattes erwähnten, war in der That in einigen Orten unſers Bezirks größer, als man an fänglich vermuthen konnte. Beſonders ſollen die Bewohner von Bruchenbrücken durch die gewal tige Fluth ſo überraſcht worden ſeyn, daß mehrere die Backmulden zu Huͤlfe nehmen mußten, um ſich zu retten. Man erzählt ſogar, eine Woͤchnerinn,