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Warum arbeiten wir denn? (Schluß.)
Dort hinten aber arbeitet noch, während es ſchon faſt dunkel geworden, ein armer Familienvater, als wollt' er ſich mit Gewalt Schwielen in die Hände trei⸗ ben, und hat doch bereits ſoviel verdient, um heute und morgen leben zu können, und nicht weit von ihm ſteht ſein fleißiges Weib am Waſſer, und reinigt die Kinderhemdchen mit einer Emſigkeit, als hätte ſie die Waſche für das halbe Dorf oder die halbe Stadt zu beſorgen. Willſt du dieſe beiden auch mit zu der großen Heerde zählen?— O nein, o nein! Dieſe Beiden wiſſen beſſer, warum ſie arbeiten. Morgen iſt es Sonntag und da müſſen die Kindlein reine Waſche haben, und der Vater will der Familie eine Extra⸗Freude bereiten und muß darum auch einen Extra⸗Verdienſt erſt ſuchen.
Das iſt die Elternliebe, welche den letzten Biſſen Brodes aus dem Munde nimmt und dem Liebling reicht, und das letzte zerriſſene Hemd auszieht, um aus den Lumpen dem zarten Kindlein ein friſches Hemdchen zu verfertigen. Groß iſt dieſe Anſtreng— ung von früh Morgens bis ſpät Abends, und da ſie übermäßig iſt, ſo rafft ſie am Ende auch die Kräfte alle hin. Aber ſchmält nicht! Die Liebe kann nicht anders; ſie hat ja auch Lohn genug in dem freundlichen Blicke deſſen, für welchen ſie ſich an⸗ ſtrengt, denn ſie füllet das Auge mit einer ſchönen Freudenthräne.
Warum ſitzt und ſchwitzt aber in ſeiner Arbeits— ſtube Tag und Nacht der ſtolze Mann mit ſeiner ernſten Miene? Der ſchmiedet Pläne, Einen ſchö— ner und großartiger als den andern, und ſinnt, wie er ſich emporarbeitet zu hohen Würden und Aemtern, wie er der Erſte wird und der Vornehmſte nach dem Furſten und dann die ganze Welt nieder⸗ fällt und ihn anbetet. Er iſt ſchon beinahe oben; ſo lange aber noch Einer neben und über ihm ſteht, iſt er der unglücklichſte aller Menſchen, und hat keine Ruhe Tag und Nacht, und achtet auch des Reichthums nicht weiter, als inſofern er ihm Mittel und Wege an Handen gibt, um der Erſte zu werden. Das iſt ein fleißiger aber ein armer Mann.
Nicht weit von ihm ſitzt in ſeiner Arbeitsſtube ein Gelehrter und ſchreibt an einem Buche früh ham Tag und ſpät in der Nacht. Er hofft und erwar⸗ tet ſogar, durch dieſes Werk nicht nur bei der Mit— ſondern ſelbſt bei der Nachwelt berühmt zu werden. Im Geiſte lieſ't er ſchon die ſchönen Artikel in den Zeitungen, worin er gelobt und als Stern erſter Größe genannt wird; im Geiſte ſieht er, wie ſelbſt Fürſten ſich herablaſſen und ihm ihre Huldigung darbringen. Iſt das nicht des Schweißes der Edeln werth?
Und doch erlangt er das nicht, was den beiden jungen Männern bald zu Theil wird, die in zwei Dachſtübchen kümmerlich aber unbeſorgt um Gegen— wart und Zukunft leben. Da iſt der Eine, den
treibt ſein Genius und gibt ihm die herrlichſten Ge⸗ danken, und dieſe Gedanken muß er niederſchreiben, und ſitzt dabei Tag und Nacht und vergißt Eſſen und Trinken, bis das Gebilde ſeiner Phantaſie vol⸗ lendet iſt. Der Andere iſt ein junger Maler; auch er kümmert ſich nicht darum, ob er ſich ſatt ißt oder nicht, ob ſein Gewand zur Hälfte zerriſſen iſt und die Blöße kaum noch deckt, oder nicht. Er ſitzt vor ſeiner Staffelei und malt an einem Bilde, und je mehr er malt, deſto mehr vertieft er ſich in ſeinen Gegenſtand und härmt ſich nur, wenn die Sonne ſchon wieder untergeht und ihn nöthigt, den Pinſel niederzulegen. Des Nachts träumt er von ſeinem Bilde, wie es vollendet vor ihm ſteht, und des Morgens treibt ihn der Geiſt wieder an ſeine Arbeit; die wird ihm immer lieber und lieber, und wenn auch kein Menſch ſie ſieht als er, ſo iſt er ſchon zufrieden, denn er hats ja geſchaffen, das liebe Bild, das ihn ſo freundlich und ſo holdſelig anblickt.
Wißt ihr, warum dieſe beiden jungen Leute ar⸗ beiten? Ich weiß es nicht; ſie wiſſens aber auch nicht. Nur das wiſſen ſie, daß es ſie treibt und drängt von Innen, und dieſem Drange können ſie nicht wiederſtehen. Sie dürfen es aber auch nicht, weil ſie ſonſt verzehrt werden würden von einem innern Feuer. Wenn wir indeſſen auch von dieſen beiden Jünglingen uns die Frage nicht ſo ganz zu beantworten vermögen, ſo haben wir doch aus dem bisher Geſagten zur Genüge erſehen, weswegen die Menſchen arbeiten. Doch nein, nicht alle, ſondern von tauſend nur neunhundert neun und neunzig. Der Reſt ſpricht, wenn ihr ihn fragt, ungefähr auf folgende Weiſe zu Euch.
„Es hat mir Gott die Kräfte des Körpers und Geiſtes verliehen und dieſe muß ich wohl zuerſt tüchtig üben und auszubilden ſuchen, und zwar frühe und naturgemäß. Und wenn das geſchehen, ſo bin ich verpflichtet, ſie zum Fromm der Menſchen, mei— ner Brüder, anzuwenden. Mit dem Pfunde, das mir anvertraut worden, muß ich demnach nicht für mich, ſondern zum Wohle der Menſchheit wuchern — ſo lange es Tag iſt. Ob ich dabei auf Schwie— rigkeiten ſtoße, darauf kommt es nicht an; doch woͤchte es gut ſeyn, weil die Ueberwindung derſelben einen eigenthuͤmlichen Reiz hat. Ob ich dabei hungern werde, kümmert mich wenig; ich glaube aber, daß der, welcher dem Vieh ſein Futter gibt und den jungen Raben, die ihn anrufen, mich auch nicht ver⸗ geſſen wird. Soll ich Schätze ſammeln, welche Mot⸗ ten und Roſt freſſen und denen die Diebe nachtrach— ten? Damit helf ich in der Regel meinen Mit— menſchen ſehr wenig, ob ſie gleich ſehr oft nur allein darum mich anſprechen. Ob mein Name bis auf die Nachwelt kommt und in das Buch der Geſchichte aufgezeichnet wird, liegt mir auch nicht am Herzen. eur das kümmert mich, daß der Same, den ich mich bemühe auszuſtreuen, weder in den Diſteln und Dornen erſticke, noch auf den Weg falle. Habe ich
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