Sorge für Gemüthsbildung, oder durch das Ver⸗ ſchwinden eines kirchlich frommen häuslichen Sinnes oder durch den Einfluß und die Verirrungen einer gefälligen Weltweisheit, die ſelbſt bis in die Hutten der Armen eindrang, oder aus welchen andern Grün⸗ den, in Verfall und blieb es bis zur letzten Refor— mations-Jubelfeier. Seitdem wurde man allerdings auf die Mängel des Kirchengeſanges aufmerkſam, und es regte ſich ein allgemeines lebendiges Streben, denſelben abzuhelfen. Man beabſichtigte, durch die Schulen mittelſt Einführung des Geſangunterrichts, durch Bildung künſtlicher Geſanglehrer, Abfaſ— ſung verbeſſerter Geſang- und Choralbücher u. ſ. w. den Kirchengeſang zu heben und ihm diejenige
religibſe Richtung zu geben, die unſern Vorfahren
die Beſchäftigung mit demſelben zu einer angeneh— men Pflicht machte.“
Aber mit allen Dem ſcheint man dennoch nicht bis zur eigentlichen Quelle eines veredelten Kirchen— geſanges, zum innerſten Kerne deſſelben gekommen zu ſeyn. Man begnügte ſich bis jetzt, wie es ſcheint, nur noch häuftig mit der„außern Form deſſel⸗ ben, welche die Bedingungen der Einfachheit, Eben— mäßigkeit und eines allgemeinen würdevollen Aus dr ucks feſtſtellt. Und wie wohlthätig iſt es aller— dings für unſer Gefühl ſchon, wenn man in einer zahlreichen Gemeinde einen einfachen, von gel— lenden Stimmen weit entfernten, ſanften und feierlichen Geſang hören kann. Aber da— mit iſt der Gipfel der Kunſt im Choralgeſange noch nicht erreicht. Vielmehr gibt es noch eine„innere Form“ des Choralgeſanges. Dieſe beſteht in dem frühern eigenthuͤmlichen Ausdrucke einer beſtimmten Empfindung, bei der wir uns des Gefühls für das Erhabene, des Lobes und Dankes der Traurigkeit oder des Schmerzes lebhaft bewußt ſind. Ein ſol⸗ cher Geſang aber müßte einen geiſtigen Strömung gleichen, in welcher das Ge- müth und das ganze Selbſt des Menſchen ſanft dahin gezogen wird. Da dürfte unter Tauſenden auch nicht Eine Seele ſeyn, die in ſei— nem Schwunge nicht mit emporgezogen würde oder in ſeiner Senkung nicht ſich mitſenkte. In Allen müßte nur Ein Gedanke, Eine Empfindung, Ein Verlangen, nur Eine Sehnſucht nach dem Unendli— chen ſeyn, die ſich durch Töne in gleicher Stärke und Schwäche kund thut.— Aber zu einer allge— meinen Anſicht und Ueberzeugung von dieſer Stufe des Choralgeſangs iſt man noch nicht gekommen. Wie Viele, die ſie noch nicht kennen oder würdigen mögen!
Man müßte ſich aber zuvörderſt wieder an die urſprüngliche Schönheit der alten Melodien gewöh— nen, ſie näher kennen und liebgewinnen lernen. Die alten Melodien oder Geſangweiſen der Lieder haben eine ſeltene Tiefe, ungemein viel Kraft, eine das Herz feſſelnde und emporziehende Begeiſterung und
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eine Gewalt, die uͤber das voll eitler Sorge oder in Schmerz verſunkene Herz den Sieg behält. In ihnen wohnt ein wunderbarer, herrlicher Geiſt, Fülle und Leben, wie es dem göttlich erfüllten Gemüthe eines Luther in ſeinen Geſangweiſen und mehreren ihm gleich geſinnten frommen Männern entfloß. Aber ſeit länger als 100 Jahren iſt die eigentliche Geſtalt der alten Choralweiſen, auf welche nur noch Sebaſtian Ba ch hin und wider deutet, der Mehrzahl unbekannt geworden und jetzt wohl den Meiſten wie ganz aus den Augen gerückt. Die Urſache davon iſt, daß man ſchon ſeit langer Zeit in den Choralbüchern anfing, den Noten in der Melodie eine gewiſſe Ein— förmigkeit und Gleichheit durch den J Takt zu ge⸗ ben(ſtatt daß ſie in ſo manchem/ oder 7½ for⸗ dert); dadurch mußte nothwendig eine ſtarre Un⸗ beweglichkeit und ſchwerfällige Ungefügigkeit des Chorals in ſeiner jetzigen Geſtalt entſtehen. Wollen wir aber die Friſche und das Leben in Tönen der alten Choralweiſen wieder gewinnen, ſo müſſen wir vor Allem dahin ſtreben, das verlorne rhythmiſche Leben und die Beweglichkeit in denſelben wieder zu erkennen, zu fühlen und uns dieſe Vortrefflichkeit anzueignen ſuchen. Wenn, wie zu hoffen ſteht, bald eine Sammlung alter Choralweiſen erſcheinen wird, ſo würden ſich einſichtsvolle Geiſtliche, aber auch andere zum geiſtlichen Geſange verpflichtete Lehrer in Schulen ein großes Verdienſt erwerben, die Ju— gend mit Wärme und Innigkeit und Andere in ihren Kreiſen darauf hinzuweiſen und näher damit bekannt zu machen.
So könnte mit der Zeit der alte Choralgeſang wieder neues Leben gewinnen. S.
An die Leſer.
Wir wiederholen, daß anonyme Bei⸗ träge, und wenn ſie auch noch ſo unver⸗ fänglichen Inhaltes ſind, aus leicht zu errathenden Gründen nicht in unſer Blatt aufgenommen werden können.
5 D. Red⸗
Bekanntmachungen von Behoͤrden. Bekanntmachung. eichen Lohrinden-Verſteigerung im Revier Oberros— bach Forſts Friedberg, betreffend: (147) Das diesjährige Ergebniß an eichen Loh—⸗ rinden, in den vom Raumholze rein geſtellten Nie⸗ derwaldſchlägen: a) der großh. Domanialwaldungen, im Schätzungs—
betrag von 980 Centner, b) der Communalwaldungen des⸗ gleichen von 1003 1
zuſammmen 1983 Centner,


