Ausgabe 
8.5.1841
 
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waren. Nachdem ſie ſich aber gehörig geübt, traten ſie neulich zuerſt mit einer haßlinger'ſchen Meſſe aus dur, und am 18. April bei Gelegenheit der Con firmation der Kinder mit der großen klein'ſchen MottetteIch danke dem Herrn öffentlich auf, und erwarben ſich durch dieſelben den Beifall des Publikums. Namentlich wurde von letzterem Stücke die Schlußfuge von den jungen Leuten mit bewun⸗ derungswürdiger Feſtigkeit durchgeführt.

Auch an heiteren Geſängen, die zwar an Würde mit den Kirchengeſängen ſich nicht meſſen wollen, aber doch auch dazu beitragen, das Leben zu ver ſchönern und zu veredeln, iſt der Verein nicht arm.

Möge derſelbe in ſeinem bisherigen Streben fortfahren und den edeln Zweck weiter zu verfolgen ſich bemühen!

Muͤnz⸗ Fund.

Im Sommer 1836 fanden die Arbeiter, welche an der neuen Chauſſee jenſeits Schotten beſchäftigt waren, in der Strecke von dieſer Stadt nach dem Orte Götzen hin zwiſchen Felſen verſteckt eine An zahl alter Münzen. Sie ſind um ſo intereſſanter, als ſie aus einer Periode ſtammeu, aus welcher ſie uns gar nicht reichlich zukommen, nicht nur weil überhaupt damals weniger geprägt wurde, ſondern weil ſie zum Theil auch, wie die Bracteaten, ſehr zerbrechlicher Art ſind. Es ſind dieſelben nämlich aus derjenigen Periode, welche neuere Münzforſcher die der Dengre nennen, und welche der Periode der Bracteaten unmittelbar voraus geht. Die⸗ jenigen unter ihnen, welche dem Einſender dieſes zu Geſichte gekommen, ſind alle ſehr leicht von Ge⸗ wicht, nämlich zwiſchen 15 und 19 und ruͤhren aus zwei etwas verſchiedenen Zeiten. Die einen haben nämlich auf der Vorderſeite ein großes Kreuz, in jedem Winkel deſſelben einen großen Punkt, wie man ſie aus den Zeiten der ſächſiſchen Kaiſer kennt, auf der Kehrſeite aber eine ſchon ziemlich ausgebil⸗ dete Burg mit 3 Thürmen und einem Thore, wie ſie ſonſt etwas ſpäter vorkommen. Die Umſchriften ſind zwar ſehr ſchwer zu leſen; doch tritt an meh reren das Wort 000 deutlich hervor. Die andern haben auf der Vorderſeite ſchon Köpfe wie die Münzen aus der Zeit der fränkiſchen Kaiſer, größtentheils aber auch eben ſo kunſtloſe Zerrbilder, und geben dieſelben bald en face bald im Profil. Mehrere der Bilder haben eine Krone, und tragen in der einen Hand einen Scepter, in der andern ein Schwerdt. Da außerdem die Umſchrift die Worte HENRICVS REX hat, ſo iſt kein Zweifel, daß es Kaiſer-Münzen ſind. Nur wird ein größerer Kenner als Einſender entſcheiden mögen, welchem Heinrich(dem 3., 4. oder 5.) ſie zugeſprochen werden müſſen. Bei Andern trägt auf der Vorder ſeite das Bild den Biſchofsſtaab in der einen, ein Buch in der andern Hand. Da die Umſchriften bei

einigen derſelben ziemlich deutlich Ruothard, bei andern Adelbertus archiep beſagen, ſo iſt um ſo weniger Zweifel, daß dieſelben von den Erz⸗ biſchöfen Ruthard und Adelbert J. und II. rühren, welche von 1088 bis 1141 der mainzer Diöceſe vorſtanden, als die Kehrſeite die Umſchrift Moguncia leſen läßt. Ein paar ſolcher mainzer Münzen, welche, wie oben berührt, das Bild en face geben, haben auf beiden Seiten dieſes Bildes die Buchſtaben A und T. Wieder andere beweiſen durch die Umſchrift der Kehrſeite conlluentia, daß ſie in der bekannten Prägeſtätte Coblenz geſchla gen wurden. Bei einigen der letzteren lieſ't man auf der Vorderſeite Adalb., bei andern Brunno eps.(episcopus). Letzteres läßt wenigſtens keinen Zweifel, daß der um das Jahr 1103 auf den Stuhl gekommene Erzbiſchof Bruno von Trier darunter verſtanden werden müſſe. Einige wenige ſind faſt gar nicht lesbar, und muß ſich Einſender eines Urtheils über dieſelben ſo lange begeben, bis ihm Gelegenheit wird, durch Vergleichung mit andern, die Umſchrift, von der kaum ein oder zwei Buch- ſtaben übrig ſind, zu entziffern.

Seitdem in unſerer Provinz größere Bauten unternommen werden, kamen ſchon mancherlei Gegen ſtände aus älterer Zeit, welche artiſtiſchen und hi ſtoriſchen Werth haben, zu Tag. Einſender will hier nur an das erinnern, was bei Fertigung der Chauſſee von Gießen nach Grünberg vor etwa 25 Jahren auf der aneröder Heide in den altdeut ſchen Grabhügeln aufgefunden wurde; an das, was noch vor wenigen Jahren bei Anlegung neuer Fluth graben der Nidda zwiſchen Aſſenheim und Ilben ſtadt, ſowie der Horloff zwiſchen Bingenheim und Leidhecken zu Tag kam, und worüber er bei einer andern Gelegenheit den Freunden der Ge ſchichte und des Alterthums weitere Mittheilung macheu zu können hofft. Das aber glaubt er hier noch zufügen zu müſſen. Da gegenwärtig bei Aus führung des neuen Straßenbauſyſtems an ſo vielen Orten unſeres Großherzogthums Strecken Landes durchgraben werden, ſo möchte es an der Zeit ſeyn, die aufſehenden Behörden beſonders aufmerkſam zu machen, daß die Arbeiter, wenn ſie auf irgend etwas, was Werth zu haben ſcheint, ſtoßen, mit Vorſicht verfahren, daß ſie insbeſondere nichts der Art in fremde Hände kommen laſſen, dagegen aber für alles, was ſie finden, auf hinlängliche Ent ſchädigung rechnen können, daß wo möglich kleine Prämien voraus denjenigen verſprochen werden, welche am aufmerkſamſten und ſorgfältigſten bei Aufgrabung ſolcher Gegenſtände verfahren. Ohne dieſe oder ähnliche Beſtimmungen wird mau ſchwer lich erwarten können, daß Leute dieſer Art fuͤr Er haltung von Gegenſtänden des Alterthums bedacht ſind, es mußten denn gerade klingende Muͤnzen ſeyn, welche die Habgier Aller reizen, die aber in der Regel größtentheils heimlich verkauft und ein