Ausgabe 
6.11.1841
 
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322.

Spinnen, Stricken u. ſ. w. und überließ ihnen die Wahl, ob ſie dieſe Arbeiten in dem allgemeinen Arbeitszimmer oder zu Hauſe fertigen wollten. Der Arbeitslohn wurde ebenfalls nicht baar, ſondern in Kleidung, Nahrungs- und Feuerungsmitteln entrich tet. Redlich unterſtützt wurde die Armenkommiſſion in ihrem Streben durch die Verwaltungs- und Gerichtsbehörden und durch die Ortseinwohner. Letz⸗ tere ſpendeten dem umherziehenden Bettler keine Al moſen mehr, ſondern verpflichteten ſich vielmehr zu beſtimmten monatlichen Beiträgen, welche, wenn auch noch ſo unbedeutend, mit Dank angenommen wurden. Den Verkauf der verfertigten Waaren, ſowie den Einkauf der rohen Stoffe, beſorgte. ein Mitglied der Kommiſſion unentgeltlich, wie über⸗ haupt die zuſammengetretenen Ehrenmänner ſämmt⸗ lich ihre übernommenen Aemter unentgeltlich ver walteten. Kurz, der Straßenbettel war vernichtet, ohne daß dem Wohlthätigkeitsſinne der Einwohner Schranken geſetzt worden wären. Die Sache hatte fröhlichen Fortgang. Die fertigen Waaren wurden raſch abgeſetzt, weil man ſie billig abgeben konnte und an Beſchäftigung für die Armen war niemals Man⸗ gel. Dieſe kamen zuletzt von ſelbſt und baten um Arbeit, welche ihnen mit Freundlichkeit und Bereit⸗ willigkeit gegeben wurde. Die Anſchaffung der rohen Arbeitsſtoffe geſchah in größeren Quantitäten, daher billiger Einkauf; die Anſchaffung von Kleidern, Nahrungs- und Brennſtoffen, wurde in Lieferung gegeben, daher auch bei dieſen billige Preiſe. Und weil bei dem Verkaufe der verfertigten Gegenſtände nur ein billiger Arbeitslohn angerechnet wurde, ſo konnte man die Waare billig liefern und deßhalb auf ſchnellen Abſatz zuverſichtlich rechnen.

Der Ort, wo dies geſchah, heißt Lampertheim, und der Mann, deſſen Kopfe und Herzen die wohl⸗ thätige Idee entſprang, war der nun im Grabe ſchlummernde Domänenrath Cameſasca. Ihr Orts vorſtaͤnde aber und einflußreichen Ortsbürger, geht hin und thut deßgleichen! Denn ausführbar iſt es, das lehrt dieſes Beiſpiel. Rechnet ihr die vielen Kreuzer und Heller, welche ihr das Jahr hindurch an umherziehende Bettler nutzlos verſchwendet, zu ſammen, ſo wird es euch einleuchten, daß man mit dieſem Gelde, wenn man es zweckmäßig verwendet, gar manchen Müßiggänger beſchaftigen und ſo ein Beförderer des geiſtigen und leiblichen Wohles ſei ner Mitmenſchen werden kann. E. Hardt.

Nimmt auf der Erde das Land ab oder das Waſſer?

Wir haben in Nro. 8 unſers diesjährigen In⸗ telligenzblattes in einem Aufſatzeüber den Unter- gang der Welt u. A. mitgetheilt, daß man an den Küſten von Schweden und Südfrankreich eine Ab nahme des Waſſers bemerkt haben wolle. In Nro. 61 der ZeitſchriftMorgenblatt befindet ſich dagegen

ein Aufſatz, welcher durch eine Menge von Erfah⸗ rungen, die man ſeit etwa hundert Jahren in jenen Gegenden erlebt hat, zu beweiſen ſucht, daß durch⸗ aus keine Abnahme des Waſſers in jenen Gegenden ſtattfinde, dagegen aber eine allmälige Hebung einzelner Landſtriche ſich zeige. Dies finde man beſonders an der ſchwediſchen Küſte.Aehnliches, ſo fährt dieſes Blatt fort,erfährt man ſo eben aus der Vendee. Bei Bourgneuf ging im Jahr 1752 ein engliſches Kriegsſchiff von 64 Kanonen auf der Auſterbank zu Grunde. Das Wrack liegt jetzt mitten in einem bebauten Felde, 15 Fuß über dem mittleren Meeres⸗ ſpiegel. Jene Gemeinde hat ſeit 25 Jahren über 500 Hektaren Ackerland gewonnen. Die Inſel Bouin, die früher durch eine mehr als 7000 Fuß breite Rhede von Bourgneuf getrennt war, liegt jetzt ganz nahe dabei, und wenn ſich nicht das Flüßchen Falerne in den ſchmalen Kanal ergöſſe, wäre er bald ausgefüllt und die Inſel mit dem Feſt⸗ land verwachſen. Port-Bahaud, wo ſonſt die holländiſchen Schiffe Salz luden, liegt jetzt gegen 9000 Fuß weit im Land; der Hafen von St. Gil⸗ les wird täglich ſeichter, und die ehemalige Juſel Olonne iſt ganz von Wieſen und Moräſten um⸗ geben. Alle dieſe Veränderungen an der Küſte der Vendee ſind in weniger als einem Jahrhundert vorgegangen. Die Annahme, daß ſich das Meer allmälig zuruͤckziehe, wird vorweg durch den Um⸗ weg beſeitigt, daß das Niveau der See im Hafen von Breſt ſeit 100 Jahren vollkommen daſſelbe ge⸗ blieben iſt, gerade wie bei Schweden dieſelbe Vor ausſetzung durch die Beſtändigkeit des Meeresſpiegels an der gegenüberliegenden deutſchen Küſte bei Stral⸗ ſund widerlegt. Von der gemeinen Urſache des Vorrückens der Küſten, von Anſchwemmungen der Landgewäſſer, kann im vorliegenden Fall gar nicht die Rede ſeyn; eben ſo wenig erklärt ſich die Er ſcheinung aus den Anſchwemmungen des Meeres am flachen Strand aus der Dünenbildung. Nimmer⸗ mehr könnte durch dieſe Urſache allein in 85 Jah⸗ ren eine Auſterbank in ein Ackerfeld verwandelt wor⸗ den ſeyn. Es bleibt alſo nur die Annahme einer Hebung der Küſte übrig, und auch für dieſen Fall ſcheint es an augenfälligen Beweiſen nicht zu fehlen. In Schweden iſt im Laufe des verfloſſenen Jahr⸗ hunderts die Veränderung im Niveau an ſteil in's Meer abfallenden Felswänden unmittelbar gemeſſen worden; eben ſo will man an einer Kalkſteinbank bei Marennes die Beobachtung gemacht haben, daß ſie immer höher werde ꝛc. Y.

Dem ſey, wie ihm wolle. Ob das Meer ſich

*) In Malten's Bibliothek der neueſten Weltkunde 1838, III, 231, werden dagegen Nachrichten aus Schweden mitgetheilt, woraus hervorgeht, daß um den bothniſchen Meerbuſen die Küſte immer mehr ſteigt, daß dagegen an andern Orten, wie in Schonen und zu Malmoe dieſelbe ſeit 100 Jahren bedeutend niedriger geworden iſt.

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