Ausgabe 
6.3.1841
 
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wedelhandel, das Muſſciren oder ahnliche, ſondern andere nicht in dieſe Cathegorie gehörige Gewerbe oder Geſchaͤfte betreiben wollten, ſo iſt ſorgfaͤltig zu pruͤfen, ob nicht der angegebene Zweck nur ein Vorwand zum Betrieb der erſt erwähnten Beſchaͤftigungen ſeyn mag, und das Geſuch nur dann zur Willfahrung in dem Paßbericht zu empfehlen, wenn der angegebene Zweck glaubhaft nachgewieſen wird. Damit ich jedoch in Stand geſetzt bin, Ihre Berichte genauer zu controliren, ſo haben Sie binnen

14 Tagen diejenigen Ihrer Ortsangehoͤrigen, welche bisher mit dem Fliegenwedel- oder anderem ahnlichen

Handel ſich befaßt haben, anzugeben.

Schließlich mache ich Ihnen noch die groͤßte Vorſicht bei Erſtattung der Paßberichte zur Pflicht und bemerke Ihnen, daß etwaige leichtſinnige Atteſtationen oder ſonſtige Nachlaͤſſigkeiten, auf das Em

pfindlichſte disciplinariſch werden beſtraft werden. Friedberg den 3. Maͤrz 1841.

Kuͤch ler.

Anſtellung.

Jakob Gros von Oberwoͤllſtadt iſt als Bezirkswegwaͤrter des III. Bezirks mit dem Wohnſitze Groskarben ernannt worden. Der voranſchlagsmaͤßige Gehalt iſt an deuſelben vom 1. Maͤrz d. J. an zu entrichten, wornach ſich die Großh. Buͤrgermeiſter bei ihren Dekreturen zu achten haben.

Friedberg den 2. Maͤrz 1841.

Der großh. heſſ. Kreisrath des Kreiſes Friedberg

ch ler.

Die Wetter.)

Wenn die Jungfer durch die reiche Wetterau zieht mit ihrem Sonntagskleid, ſo ſieht man's ihr nicht an, daß ſie weit herkommt vom rauhen Vo gelsberg. Ihr Geburtsort heißt zwar auch die Wetterau;'s iſt indeſſen nicht die reiche, ſondern eine ganz arme. Wo zwiſchen Schotten und Freien⸗Seen der Thomasbügel und der Wintersberg ſteil herab ſich ſenken, da iſt ſie daheim; es gefällt ihr aber dort nicht lange, weil's zu eng und zu rauh iſt und ſie wandert fort wie die andern Vogelsberger, um ihr Brod auswärts zu verdienen. Sie iſt friſch und geſund und blü hend, weil ſie in ihrem Leben noch keinen Thee und keinen Kaffee geſehen, geſchweige getrunken, ſondern nur klares Quellwaſſer, und das gibt der Jungfrau eben ihr Anſehn. Sie iſt dabei gar verſchämt und jüngferlich, und bleibt im waldigen Thalweg, bis dort zwiſchen dem Gaulskopf und Eſelskopf die neue Straße von Schotten her noch eine Kamerä dinn bringt, mit der ſie Bekanntſchaft macht, und freut ſich, Jemand zu haben, der mit ihr geht. Jetzt wagt ſie ſich auch unter die Leute, und bietet zuerſt ihre Dienſte zu Laubach an. Was ſieht ſie ſich um, als ſie zum erſtenmal in die Stadt tritt, wo die großen Häuſer ſind mit hübſchen Fenſtern und ganz andern Dächern, als die daheim von Stroh gemacht werden. Da waͤre ſie gerne geblie ben; die Laubacher wollen ſie aber nicht und ſie wandert ganz betrübt mit einer neuen Kamerädinn, die von Lautern bei Wetterfeld zu ihr ſtoͤßt, nach

*) Wer von den geneigten Leſern der Gegend, von wel cher hier die Rede iſt, nicht ganz kundig ſeyn ſollte, dem empfehlen wir zum Verſtaͤndniſſe des Obigen eine gute Karte, und möchten die vortrefflichen Blätter, welche unter Leitung Großh. Generalſtaabs erſchienen ſind, dazu am geeignetſten ſeyn. D. R.

dem heſſelbrücker Hammer, wo ſie wieder Dienſte ſucht. Die Leute nehmen ſie auch und ge ben gute Koſt und guten Lohn; aber ſchaffen muß ſie von Morgen bis Abend, daß ſie ächzt. Das Hämmern und Schmieden paßt auch nicht für eine Jungfrau, wenn's ſchon nur eine Vogelsbergerinn iſt, und es wird ihr zu heiß bei der Arbeit und kann's nicht länger aushalten. Nun kommt wieder eine neue Kamerädinn an der Steinesmühl von Grünberg herab; mit dieſer geht ſie zur Pa piermühle in Dienſt. Da iſt ſie aber aus dem Regen in die Traufe gekommen; denn ſie muß hämmern Tag und Nacht und dem Holländer hel fen, was gibſt du, was haſt du. Das hält ſie auch nicht lange aus; ſie nimmt ihren Weg über Oberbeſſingen und bietet ſich Mühlen an. Und als ſie da fortgeſchickt wird, geht ſie durch die lange Häuſer-Wieſe, wo am warmen Sommertag die Sonne ihr gar gewaltig zuſetzt, bis ſie endlich bei Lich ganz ermüdet anlangt. Sie hat aber die Städte ſatt und wendet ſich deswegen am Schloß vorbei, wo der Herr Fürſt ſeinen alten feſten Wohn ſitz hat, nach den Mühlen zu, durch die ſie wandert, um am Kolhäuſer-Hof dem Herrn Gros und ſeiner lieben jungen Frau ihre Dienſte anzubieten. Schade, daß ſie ſie nicht langer brauchen können! Was bleibt ihr anders übrig, als durch das ſchöne kühle Thal noch nach Arnsburg zu wandern. Aber die reichen Mönche mit ihrem Abte, von denen ihre Mutter ſelig ihr geſagt, daß ſie die Armen ſpeiſen und beſchenken, ſind längſt nicht mehr da; die ſchoͤne Kirche iſt abgebrochen und der große Garten iſt auch nicht mehr ſo freundlich und zier lich angebaut, wie ſonſt. Drum braucht man auch keine Taglöhner mehr dort. Traurig wendet ſie ſich uͤber die berger Mühle nach Muſchenheim und Trais-Muͤnzenberg, wo die alte Römer ſtraße hinaus zieht, und will nach dem Städtlein