Ausgabe 
6.3.1841
 
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Münzenberg mit ſeinem alten ſtolzen Schloſſe. Da ihr aber der Weg hinauf zu ſauer wird, bleibt ſie lieber im Thale, das über Muͤhlen hin nach Griedel zieht und hilft den Muͤllern eine Zeitlang mahlen. In Griedel hat ſie nichts verloren, und wendet ſich deswegen um den Wingertsberg her⸗ um nach Marienſchloß. Ob ſie einen armen Verwandten dort im Gefängniß ſitzen hat, der Wolle ſpinnen oder Leinwand weben muß? Ach nein! Sie wird ihrem alten Glauben untreu, und da ſie in der Nähe das Bild des ehrwürdigen Nepomuk ſtehen ſieht, und die hübſchen Kirchen zu Rockenberg und Oppershofen, ſo meint ſie, da müßte ſie hin und im Vorbeigehn auch ihr Gebet verrichten. Es will ihr aber doch nicht lange dort und auf der Nonnen-Mühle behagen, und ſie zieht nach Steinfurt, wo ſie beim Herrn von Löw auf deſſen Mühle Dienſte ſucht. Mit der Zeit iſt ihr das Wandern faſt zur andern Natur geworden. An einem ſchönen Morgen zieht ſie fort dem Thal hinab nach Wiſſelsheim, wo ſonſt eine ſchöne Wohnung und Arbeit genug bei der Saline zu finden war, wie die alte Mutter ihr geſagt hatte. Was hat ſich aber Alles hier geän⸗ dert, und wie iſt's überall ſo kahl geworden im ſchönen Thälchen! Sie geht traurig fort in's Kur heſſiſche und will über Rädgen nach dem Sauer⸗ brunnen von Schwalheim. Doch iſt ſie matt und muͤde geworden vom langen Wandern; und da ſie nicht den Berg hinauf kann, ſo windet ſie ſich um die Anhöhe herum nach Schwalheim und wird ihr das Arbeiten auf der Mühle und der Gang nach Dorheim immer ſaurer. Von dort führt ſie der Weg durch die Markwieſe nach Oſſenheim, wo ſie ſich abermals auf kurze Zeit in die Muhle verdingt. Man merkt's ihr wohl an, ſie iſt die Müller⸗Arbeit ſatt, und doch, wozu verführt die Kameradſchaft nicht? Eh' man ſich's verſieht, geht ſie mit einer guten Freundinn, die aus dem Naſ ſauiſchen gebürtig und von Uſingen über Fried- berg gekommen war, heimlich fort zum Herrn Laubus, dem gerbelheimer Müller, bei dem ſie beide Arbeit ſuchen und finden. Es war ihr aber auch nicht drum zu thun, hier lang zu bleiben. Bei einem Gang über Bruchenbrücken um bei der hainauer Mühle einzuſprechen, begegnete ihr vor dem freundlichen Städtchen Aſſenheim ein derber vogelsberger Landsmann. Was thut die Liebe nicht; zu was verleitet nicht die Landsmann ſchaft, zumal in fremder Gegend? Er hatte ſich um das Städtchen herum geſchlichen und winkte ſo freundlich; ſie folgt ſo gerne und eh' man ſich's verſieht, ſind beide ehelich verbunden auf ewig! Sie meint aber Wunder, wie gut ſie's nun haben wür⸗ de, und geht ihr doch, wie manchem andern Weibe in der Wetterau, gar hart und kümmerlich. Sie hat dem Eheherrn nicht nur ihren alten ehrlichen Familien⸗Namen geopfert, ſondern auch all ihr

Bischen Hab' und Gut, was ſie von Haus mitge bracht oder unterwegs geſpart hatte, und was wurde ihr dafür? Harte Arbeit und manches ſaure Ge ſicht, bis ſie mit ihrem Manne den Tod unweit dem Städtchen Höchſt findet, an der Stelle, wo man die großen Gebäude ſtehen ſieht, die der Herr Bolongaro angelegt hatte, als er die Frankfur⸗ ter um ihren Handel zu bringen gedachte. Wär ſie doch daheim geblieben!

Witterungs-Nachrichten.

Unſer Winter hat diesmal mit dem Matthias⸗ tage ſich noch nicht endigen wollen, obgleich dieſer Matthias noch Eis genug bei uns vorfand. Im Gegentheile haben wir ſeit der ſchönen Witterung am 21. Februar wieder friſch anfangen müſſen zu feuern; am erſten März hatten wir Morgens vor Sonnen-Aufgange 5 und am 2ten beinahe 6 Grad Kälte(nach Reaumur). Das Schlimmſte dabei iſt, daß die Feuerungs-Vorräthe auch bei denen, welche ſich gut vorgeſehen, zu Ende gehen, und daß durch die Sonnenſtrahlen bei trockner Kaͤlte, welche wir mehrmals gehabt, nicht nur die letzten Reſte von Gemüſe erfroren ſind, die im Freien ſtanden, ſon⸗ dern auch manches Andere, was ſich im Felde be⸗ fand, um im nächſten Sommer zur Reife zu kom⸗ men, vernichtet wurde. Dazu geſellt ſich noch ein neuer Schaden. Unſere Haſen(wir nennen ſie unſere, weil ſie auf unſern Feldern leben, nicht weil wir Anſprüche an ſie haben) waren durch die lange Kälte, welche ihnen die Nahrungsmittel raubte, genothigt, ihre Zuflucht zu den Rinden junger Bäu me zu nehmen, und zwar verſchonten ſie diesmal nicht wie ſonſt die Zwetſchenbäumchen, ſondern zer⸗ nagten, was von Bäumen jung und nicht gegen ſie geſchützt war. Der Schaden, den ſie dadurch an⸗ gerichtet haben, ſoll diesmal ſehr bedeutend ſeyn, und werden ſich die Herrn Jagdbeſtänder nicht we⸗ nig darüber freuen, daß die Garten- und Feldbe⸗ ſitzer den Haſen zu lieb diesmal mehr junge Bäͤum chen geſetzt hatten als ſonſt. Es iſt doch ein ſchöner Zug von ihnen und macht ihrem Herzen Ehre, daß ſie auf ſo uneigennützige Weiſe für das liebe Vieh ſorgten, ohne auf einen Braten Anſpruch zu machen.

Beſcheinigung.

Ferner iſt eingegangen: Für die Waſſerbeſchädigten in der Provinz Oberheſſen von einem Ungenannten von Friedberg 2 fl. 42 kr.; desgleichen 1 fl. 45 kr.; von einem Ungenann⸗ ten von Obereſchbach 1 fl. 45 kr.; von einer Ungenannten daſelbſt 30 kr. Für die Waſſerbeſchädigten in Bruchenbrücken von R. in Friedberg 1 fl. 45 kr.; von dem friedberger Hülfs verein 5 fl. Für die Waſſerbeſchädigten zu Vilbel von genann⸗ tem Verein 5 fl.

8 Bender, Beigeordneter Bindernagel, Buchhändler. Wagner, Candidat der Theologie. Wahl, Apotheker.

Hertr den!