Ausgabe 
4.12.1841
 
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getroffen, und wir konnten unſern Mitbuͤrgern zuru⸗ en:kommt, denn es iſt Alles bereitet! Durch eine in dem Intelligenzblatt(Nr. 13 des Jahres 1840) unter dem 26. Marz veröffentlichte Nachricht würde daher der Anfang der Kleinkinderſchule auf Montag den 6. April feſtgeſetzt, und für die Eltern, welche ihre Kinder der Anſtalt anvertrauen wollten, wiederholt bemerkt,daß jedes Kind, welches gebracht wurde, gewaſchen und gekämmt ſeyn und gefrühſtückt haben müßte, und daß es entweder Einen Kreuzer nebſt Brod, oder zwei Kreuzer ohne Brod mitzu bringen hätte, Abends um 7 Uhr aber wieder abzu holen wäre.

Da alles Neue ſich erſt Bahn brechen und in der Regel nur nach und nach Platz gewinnen muß, ſo waren wir auch im Voraus darauf gefaßt, daß unſere Kleinkinderbewahr-Anſtalt in der erſten Zeit noch nicht die gewünſchte umfaſſendere Benutzung finden würde. Es kam uns daher gar nicht unerwartet, die Anſtalt nur mit drei Kindern eröffnet wer en konnte. Nur mit drei; das war aller⸗ ings ein ſehr kleiner Anfang! Allein wir ver wren darum den Muth nicht, und Gott ſey Dank, un⸗ er Vertrauen wurde nicht getäuſcht. Bald meldeten ich mehrere; die Zahl der Kinder ſtieg ſchnell auf dann auf 9. Auch einige wohlhabende Mitbürger ertrauten ihre Kinder der Anſtalt an; das Zutrauen vuchs ſichtbar; bald waren der aufgenommenen Kin ter über 20, und in den letzten Monaten iſt ihre Zahl auf etliche und dreißig geſtiegen, und hat ſich bis u dieſem Augenblicke auf dieſer Höhe erhalten.

Wenn ein ſo erfreulicher Erfolg auf der einen Seite ein laut ſprechender Beweis davon iſt, daß riedbergs Bewohner den Werth unſrer Anſtalt er nnen, und ſich mehr und mehr von ihrer Zweck näßigkeit und Wohlthätigkeit überzeugen, ſo muß sauf der andern Seite für die Gründer und lieförderer derſelben ein verdoppelter Antrieb ſeyn, u ihren uneigennützigen Beſtrebungen nicht zu er rüden, ihre wohlwollende Theilnahme nicht erkal un zu laſſen, vielmehr den ſegensreichen Beſtand es unter glücklichen Auſpizien Begonnenen nach üren Kräften zu ſichern. Der ſchönſte Lohn dafür legt in den reifenden Früchten der Anſtalt ſelbſt; und einen andern ſuchen und wollen wir ja nicht! an der That, man darf nur einen unbefangenen Alick in unſre Kleinkinderſchule werfen, um dieſe früchte alsbald mit inniger Freude wahrzunehmen. da ſehen Sie deutlich an den heitern Geſichtern uud dem ganzen Weſen der Kinder, wie ihnen ſo rohl iſt und wie ſie ihren fröhlichen Spielen ſich lmgeben; da läßt ſich aber auch nicht verkennen, iuß ſie dabei unmerklich an Reinlichkeit, an Ord tung und Verträglichkeit ſich gewöhnen, und in ge⸗ anſeitigem Verkehr mit ihren Spielgenoſſen ſo man⸗ ces Häßliche ablegen; da iſt es offenbar, wie ſie ben mancherlei Ungemach geſchützt und verſtändig gleitet, an Leib und Seele ſich entwickeln und auf de ſpäter ſie aufnehmende Schule vorbereitet wer⸗

den. Und wenn die Kinder bei etwaigen Beſuchen der Anſtalt, zu welchen wir Sie einladen, ſich freund⸗ lich herandraͤngen und die Händchen biethen und überhaupt mit einem gewiſſen Anſtande ſich beneh⸗ men, ſo drängt ſich bei dem Anblick der muntern Schaar von ſelbſt der Gedanke auf:Dieſe Kinder wären entweder ſich ſelbſt uͤberlaſſen und tauſend Gefahren blos geſtellt, oder ſie müßten zu Hauſe verſchloſſen dumpf hinbrüten, und an Geiſt und Körper verkümmern, wenn ſie hier nicht davor be⸗ wahrt würden. Und iſt es dann nicht ein lohnen des Bewußtſeyn, zur Gründung einer Bewahr anſtalt für ſie mitgeholfen, ihnen ein Aſyl be⸗ reitet zu haben?

Doch wir gehen zur weitern Darſtellung des ge⸗ genwärtigen Zuſtandes der Anſtalt über, inſofern es ihr äußeres Beſtehen, ihre ökonomiſchen Ver⸗ hältniſſe, und die Mittel, die ihr zu Gebote ſtehen, betrifft. In dieſer Beziehung haben wir Ihnen noch Folgendes mitzutheilen:

1) Zur Einſammlung der unterzeichneten Quar⸗ talbeiträge wurde ein beſoldeter Erheber beſtelltz und die Führung der Rechnung und Kaſſeverwal tung übernahm mit dankenswerther Bereitwilligkeit Herr Störger, Lehrer der hieſigen Elementarſchule, welcher auch bereits die Rechnung vom Jahr 1840 geſtellt hat. Dieſe wurde am 11. d. M. in Ge⸗ meinſchaft mit dem Frauen⸗Vorſtande durchgegangen und abgeſchloſſen, und liegt zur Einſicht vor.

2) Die Hülfsgeſellſchaft begnügte ſich nicht bloß damit, die Kleinkinderſchule in das Leben gerufen zu haben, ſondern faßte auch den Beſchluß, ſie da⸗ durch weſentlich zu unterſtützen, daß ſie der Anſtalt aus dem Holzmagazin eine Anzahl Wellen unent⸗ geltlich verabreichte. Dieß iſt bis hieher geſchehen, und ſind bis zu Ende des Monats Juni l. J. zu dieſem Behufe nach und nach 135 Stuck Wellen ab⸗ gegeben worden.

3) Zur Gründung eines bleibenden Fonds wurde ferner von dem Hülfs-Verein ein bei demſelben dis⸗ ponibles Capital im Betrage von 114 fl. 20 kr. an die Kleinkinderſchule überwieſen.

4) Im vorigen Winter vereinigten ſich mehrere hieſige Frauen und Jungfrauen zur Anfertigung von weiblichen Arbeiten aller Art, die zum Beßten der Kleinkinderbewahranſtalt verlooſet wurden. Dieſes Unternehmen hatte einen ſo günſtigen Erfolg, daß 100 fl. als reiner Ertrag zur Kaſſe geliefert werden konnten.

Dieſe verſchiedenen Einnahmen und Zufluͤſſe, ver⸗ eint, machten es nicht nur möglich, neben dem fixen Gehalte der Pflegerin und der fortlaufenden Miethe des Lokals, die ſämmtlichen Koſten der erſten Ein richtung und des Haushaltes, als Anſchaffung von kleinen Tiſchen und Bänken, Anfertigung einer zu reichenden Anzahl von Kittelchen für die Kinder, das Waſchen und Reinigen derſelben, Küchen- und Tiſchgeſchirr, Herbeifahren von Sand zum Spiel⸗ platz, einiges Spielzeug und Schiefertafeln, Einrich tung einiger Abtritte ꝛc. zu beſtreiten, ſondern ſetzten